Exsikkationsekzem

Synonyme: Austrocknungsekzem, Dermatitis sicca, Eczema craquelée, Exsikkationsekzematid, Asteatosis cutis, Asteatotisches Ekzem, Exsikkationsdermatitis, xerotisches Ekzem

Definition

Exsikkationsekzem

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  • Das Exsikkationsekzem ist charakterisiert durch Austrocknung der Haut auf Grund einer Sebostase der Hornschicht und eine darauf folgende Entzündung.
  • Das Krankheitsbild stellt eine gering ausgeprägte Form eines kumulativ-toxischen Kontaktekzems dar.

Ätiologie

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Ursachen eines Exsikkationsekzems sind:

  • Austrocknung der Haut infolge verminderten Lipidgehalts der Hornschicht mit Einrissen und Entzündung
  • hormonelle Störungen mit einer Verminderung der Talgsekretion, nachfolgende Entzündung 
  • Assoziation mit Leberstoffwechselstörungen, malignen Lymphomen, HIV-Infektion ist möglich.

Provokationsfaktoren:

  • exogene Einflüsse: häufiges Waschen, Bürsten, Sauna
  • Wettereinflüsse: trockene Raumluft während der Heizperiode ("Winterpruritus")
  • Atopie, Ichtyosis
  • trockene, empfindliche Haut
  • Zerstörung der Schutzschicht der Haut
  • Alkoholkonsum
  • Nikotinabusus
  • Mangelernährung

Epidemiologie

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  • Das Exsikkationsekzem tritt gehäuft im Winter auf.
  • Betroffen von der Erkrankung sind meist ältere Menschen, Neurodermitiker sowie Kleinkinder.
  • Das Exsikkationsekzem kommt relativ häufig in den frühen Stadien der HIV-Infektion vor.

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Anamnese eines Exsikkationsekzems ist zu beachten:

  • Wann sind die Hauteffloreszenzen erschienen?
  • Was für Beschwerden? Schmerz? Juckreiz?
  • Lokalisation?
  • Verlauf? Hat sich der Befund ausgebreitet?
  • Haut rauh und trocken?
  • Womit wird die Körperpflege betrieben? Anwendung von Externa? Körperhygiene?
  • Vorherige Erkrankungen?
  • Stoffwechselerkrankungen? bekannte Autoimmunerkrankungen?
  • Frühere Hauterkrankungen? 
  • Erkrankungen bei Angehörigen?
  • Medikamenteneinnahme?
  • Selbstmedikation? bisherige Therapie? Mit welchem Erfolg?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung eines Exsikkationsekzems sind relevant:

  • Anamnese
  • klinische Inspektion: typisches Erscheinungsbild
  • evtl. Blutuntersuchung
  • ggf. weitere Diagnostik: Atopiediagnostik: Prick-Test, Gesamt-IgE, spez. IgE, Atopiescore;  mykologische Diagnostik; Epikutantest mit den in Frage kommenden standardisierten Allergenen sowie mit Nativstoffen nach Anamnese (Ablesung nach 48 h und 72 h); Histologie


Klinik

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Das klinische Bild eines Exsikkationsekzems zeigt sich folgendermaßen:

  • Prädilektionsstellen: Unterschenkel, Streckseiten der Arme, Beine, Rumpf und Gesicht am häufigsten betroffen.
  • Hauteffloreszenzen: teils schuppende, teils exkoriierte Erytheme auf Xerosis cutis; feine netzförmige Risse der Hornschicht; Kratzexkoriationen; kleine oberflächliche Blutungen.
  • Symptome: trockene Haut, ausgeprägter Juckreiz, Brennen, besonders nach dem Baden oder Duschen.

Therapie

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Die Behandlung eines Exsikkationsekzems umfasst folgendes:

  • übermäßig häufiges Waschen v.a. mit Seifen vermeiden.
  • keine "aggressiven" Maßnahmen wie Abreibungen oder Bürstungen der Haut.
  • konsequentes Eincremen mit rückfettenden Pflegeprodukten (Salben, Cremes, Lotionen).
  • medizinische Bäder: rückfettende Bäder, Ölbäder (Mandelöl, Olivenöl, Erdnussöl, Jojobaöl, Sojaöl).
  • bei starkem Juckreiz und entzündlichen Hautreaktionen evtl. Anwendung von glukokortikoidhaltigen Externa z.B.: Hydrokortison 0.5% (Salbe, Creme, Lösung; Dosierung bei Erwachsenen und Kindern ≥ 6 Jahre: 1- bis 2-mal täglich, nach Besserung des Krankheitsbildes einmalige Applikation pro Tag; Behandlungsdauer: max. 2 Wochen; bei Kindern < 6 Jahre: Behandlung mit topischen Glukokortikoiden nur nach ärztlicher Verordnung), Prednisolon-Creme 0,25% (1-mal täglich dünn auf die betroffenen Hautarealen auftragen; Behandlungsdauer: max. 2 Wochen), Betamethason-Salbe 0,1% (Dosierung bei Erwachsenen: 1-2-mal täglich dünn auf die erkrankten Hautstellen auftragen, leicht einmassieren. Bei Besserung der Symptomatik: 1 Anwendung/Tag; bei Kindern > 1 Jahr 1 Anwendung/Tag. Behandlungsdauer bei Erwachsenen max. 3-4 Wochen, bei Kindern  max. 2 Wochen).
  • ggf. Begleitmedikation mit H1-Antihistaminika: topische Anwendung in Form von Gelen, Cremes, Sprays: bis zu 3-mal täglich dünn auf die betroffenen Hautarealen autragen und kurz einmassieren; Alternative: Dimentindenmaleat 1mg/ml Lösung, Dosierung: bei Kindern (1–8 Jahren) 3-mal täglich je 10–15 Tropfen, ab 9 Jahren je 20 Tropfen, bei Erwachsenen 3 mal täglich je 20 – 40 Tropfen; oder Dexchlorpheniraminhydrogenmaleat (Tabletten): Dosierung bei Erwachsenen: 3- bis 4-mal ½-1 Tbl. täglich; bei Kindern < 12 J.: 3- bis 4-mal ½ Tbl. täglich.
  • Luftfeuchtigkeit konstant halten.

Komplikationen

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Bei dem Exsikkationsekzem kommen folgende Komplikationen vor:

  • Entzündung
  • In ausgeprägten Fällen kann eine Erythrodermie entstehen.

Zusatzhinweise

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Es liegen zum Thema Exsikkationsekzem derzeit keine weiteren Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

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  1. (2005) Altmeyer P - Therapielexikon Dermatologie und Allergologie: Therapie kompakt von A bis Z - Springer Verlag, Berlin
  2. (2006) Alexander Meves - Intensivkurs Dermatologie - Elsevier, Urban & Fischer Verlag
  3. (2005) Braun-Falco O, Plewig G, Wolff HH, Burgdorf WHC, Landthaler M - Dermatologie und Venerologie - Springer, Heidelberg
  4. (2003) Jung E, Moll I - Dermatologie - Thieme, Duale Reihe
  5. (2008) Klaus-Peter Schaps, Oliver Kessler, Ulrich Fetzner - Das zweite- kompakt: Gesundheitsstörungen- GK2 - Springer Verlag
  6. (2004) Peter Reuter - Springer Lexikon Medizin - Springer Verlag
  7. (2010) Rote Liste
  8. (2004) Fritsch - Dermatologie, Venerologie: Grundlagen, Klinik, Atlas - Springer Verlag, Heidelberg
  9. (2007) Petres, Rompel - Operative Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Springer Verlag
  10. (2009) Rassner G - Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Elsevier, Urban & Fischer Verlag
  11. (2009) Fritsch P - Dermatologie und Venerologie für das Studium - Springer Verlag
  12. (2007) Altmeyer P - Dermatologische Differenzialdiagnose, Der Weg zur klinischen Diagnose - Springer  Verlag
  13. (2001) Reinhard Karl Achenbach - Der große Trias-ratgeber Haut, Haare, Nägel - Georg Thieme Verlag, 4. Auflage

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