Erythroplasia Queyrat

Synonyme: Morbus Queyrat, Queyrat, HPV-assoziierte Erkrankungen

Definition

Erythroplasia Queyrat

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Erythroplasia Queyrat [1]

  • Diese Erkrankung zählt zu den schweren intraepithelialen Neoplasien mit Hautveränderungen des Übergangsepithels und der Schleimhäute, hauptsächlich im Genitoanalbereich und gilt als Carcinoma in situ.
  • Die Hautveränderungen sind hauptsächlich mit HPV- 16 assoziiert.
  • Histologisch bestehen starke Ähnlichkeiten zum Bild des Morbus Bowen

Ätiologie

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Mögliche Ursachen und Risikofaktoren zur Entstehung einer  Erythroplasia Queyrat [1]

  • HPV- 16 (hauptsächlich)
  • HPV- 31
  • HPV- 18, 33, 35, 39, 45 seltener
  • HPV infiziert nur die Epithelzellen (→ intraepitheliale Neoplasie)
  • Vorkommen der Hautveränderungen: hauptsächlich an kleinen Schamlippen, Vestibulum Vaginae, Vorhaut Glans Penis und Analkanal; auch Mundschleimhaut
  • meist bei älteren Patienten, die unbeschnitten sind (Männer)
  • Übertragung auch von nicht erkranktem Virusträger möglich
  • Wichtigster unabhängiger Risikofaktor für HPV- Infektion: Promiskuität [2]
  • Nikotinabusus
  • Drogen
  • Immunsuppressive Medikamente
  • Einnahme von Sexualhormonen über lange Jahre

Infektionswege:

  • direkter Haut-zu Haut- Kontakt
  • Geschlechtsverkehr (Schmierinfektion)
  • gemeinsames Baden
  • evtl. kontaminierte Gegenstände
  • Übertragung von HPV unter der Geburt

Prädisponierend sind:

  • Feuchtigkeit (Fluor)
  • Mazerationen
  • Epithelläsionen (Kratzeffekte)
  • Analverkehr

Epidemiologie

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Epidemiologische Erhebungen zu HPV- assoziierten Erkrankungen wie die Erythroplasia Queyrat [1]  

  • HPV gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen
  • Wichtigstes klinisches Erscheinungsbild: gutartige genitoanale Warzen
  • Vermutlich sind ca. 60% der Bevölkerung HPV-Antikörper- positiv
  • Prädisponiert: Immuninkompetente Patienten

Differentialdiagnosen

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Anamnese

Erythroplasia Queyrat

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Anamnese bei V.a. Erythroplasia Queyrat

  • Welche Veränderungen hat der Patient bemerkt?
  • Wo genau befinden sich diese Veränderungen?
  • Besteht analer/ perianaler Juckreiz?
  • Bestehen Veränderungen nur anal/ perianal?
  • Gibt es andere Hautveränderungen?
  • Wann traten diese auf?
  • Wurden sie schon dermatologisch begutachtet oder behandelt?
  • Treten Blutungen auf, z.B. beim Stuhlgang?
  • Bestehen Schmerzen beim Stuhlgang?
  • Hat die Patientin Ausfluss?
  • Hat der Patient ein „feuchtes Gefühl“ in Bereich der Hautveränderung? (Exsudationen)
  • Hatte der Patient in letzter Zeit eine Infektion mit Lippenherpes?
  • Kommt dies häufiger vor?
  • Hat der Patient häufig Infektionen, auch allgemein? (reduzierter Immunstatus)
  • Bestehen bekannte Vorerkrankungen des Patienten? (Vorsicht mit der direkten Frage nach HIV-Infektion!)
  • Raucht der Patient?
  • Nimmt er regelmäßig (oder unregelmäßig) Drogen zu sich?
  • Auf welche Art? (i.v. evtl. HIV- Infektion möglich, ohne Wissen des Patienten)
  • Nimmt der Patient sonstige Medikamente regelmäßig ein?
  • Welche sind das und in welcher Dosierung?

Diagnostik

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Diagnose einer Erythroplasia Queyrat [1]  

1. Klinik

Bei Fluor oder spezifischen Beschwerden evtl. Abstrich und Ausschluss von [1]

2. Histologie nach Probeexzision [1;3]

  • Parakeratosen
  • Atypische Keratinozyten
  • Wenig bis gar keine Koilozyten nachweisbar
  • DD : weniger Einzelverhornung als bei Morbus Bowen
  • DD: bei Morbus Bowen Vorkommen von malignen Keratinozyten unterhalb der Basalmembran

Klinik

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Klinisches Erscheinungsbild einer Erythroplasia Queyrat [1;3]  

  • An kleinen Schamlippen, Vestibulum Vaginae, Vorhaut Glans Penis und Analkanal, auch: Mundschleimhaut
  • Solitär auftretend
  • Scharf begrenzt
  • Exsudativ
  • Erosiv
  • Hochrot
  • Leicht verletzlich

Therapie

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Behandlung der Erythroplasia Queyrat [1;3]

1. Chirurgisch

  • Exzision des Herdes
  • u.U. Defektdeckung

2. Radiologisch

  • Evtl. Röntgenweichbestrahlung

Regelmäßige Nachkontrollen!


Komplikationen

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Mögliche Komplikationen der Erythroplasia Queyrat [1;3]

  • Schneller Übergang in ein invasives Karzinom
  • Schnelle lymphogene Metastasierung

Zusatzhinweise

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Impfempfehlung des Robert- Koch- Institutes [4;5]

  • Tetravalenter Impfstoff gegen HPV- 6 und 11 und gegen onkogene HPV- 16 und - 18
  • Empfehlung für HPV- naive Frauen
  • Junge Mädchen und Frauen vor der sexuellen Aktivität; also 12- 17 Jährige
  • Verringerung an Krebsvorstufen je nach Impfstoff ca. 45- 70%
  • Bisher kein erhöhtes Aufkommen von schweren Komplikationen oder bleibenden Schäden durch die Impfung bekannt

Literaturquellen

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  1. Leitlinie der Deutschen STD- Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Paul- Ehrlich- Gesellschaft; Condylomata acuminata und andere HPV- assoziierte Krankheitsbilder von Genitale, Anus und Harnröhre; AWMF Register Nr. 059/001; Stand 07/2006
  2. Studie: Karlsson, Johnsson, Edlund et al.: Lifetime number of partner as the only independent risk factor for human papillomavirus- infection: a population based study. SexTransmDis 22: 119-126 (1995)
  3. Dermatologie, Jung, Moll, 5. Komplett überarbeitete Auflage, Thieme Verlag
  4. Empfehlungen der STIKO des Robert- Koch- Institutes, Epidemiologisches Bulletin 10. August 2009/ Nr. 32
  5. Konsensus: Die Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien- Zusammenfassung der deutschen S3- Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft  HPV- Management Forum de Paul- Ehrlich- Gesellschaft für Chemotherapie e.V.

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