Ertrinkungsunfall

Definition

Ertrinkungsunfall

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  • der Ertrinkungsunfall ist die zweithäufigste Ursache für tödliche Unfälle im Kindesalter

Ätiologie

Ertrinkungsunfall

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Ursachen eines Ertrinkungsunfalls sind:

  • im Kleinkindalter ertrinken Kinder bevorzugt im Gartenteich und Schwimmbädern
  • bei Adoleszentren stehen offene Naturgewässer im Vordergrung
  • durch den sog. Tauchreflex entstehen reflektorisch durch Glottisverschluss Apnoe und Kreislaufzentralisation

Epidemiologie

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  • Ertrinkungsunfälle sind zweithäufigste Todesursache im Kindesalter
  • Jungen sind häufiger betroffen
  • in der BRD ertrinken jährlich bis zu 200 Kinder im Alter von 1 bis 15 J.
  • darunter sind die Hälfte im Klinekindalter (Swimmingpool = 50 - 90%)
  • auch in Flachgewässern können ältere Säuglinge und Kleinkinder bis etwa zum 15. Lebensmonat ertrinken

Differentialdiagnosen

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Anamnese

Ertrinkungsunfall

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Bei der Anamnese von Ertrinkungsunfällen ist zu beachten:

  • Inspektion
  • Rettung des Unfallopfers!
  • sofortiges Wiederherstellung der Vitalfunktionen!
  • kaum oder keine Atmung vorhanden?
  • kardiale Reanimation
  • Termperaturmessung
  • Wärmekonservierung
  • sofortiger Transport in eine Klinik
  • Überdruckbeatmung mit positivem endexspiratorischem Druck (PEEP)
  • Oberkörperhochlagerung
  • Hyperventilation

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung eines Ertrinkungsunfalls sind relevant:

  • Schaumpilz vor dem Mund
  • schaumiger Mageninhalt (Wydler-Zeichen)
  • Histologie: Zerreißen von Alveolen un Kapillaren
  • Diatomeennachweis (Kieselalgennachweise aus Gewässern in den Organen
  • Sektionsbefund

Klinik

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Das klinische Bild eines Ertrinkungsunfalls zeigt sich folgendermaßen:

  • es kommt zum Laryngospasmus mit Hypoxämie
  • nach Untertauchen des Gesichts kommt es trotz Isovolämie zu einer Kreislaufzentralisation mit Minderperfusion der Haut und des Gastrointestinaltraktes (Tauchreflex)
  • der Glottiskrampf löst sich erst nach längerer Dauer der Asphyxie, dann gelangt Wasser in die Atemwege und in die Lunge ( = primäres Ertrinken)
  • bei Süßwasseraspiration: hypotones Wasser gelangt in den Kreislauf mit der Folge der Hyponatriämie, Hämolyse und Hyperkaliämie und Lungenödem nach 24 bis 30 h (= sekundäres Ertrinken)
  • das Schlucken von Wasser führt zu generell zu Hypervolämie und Elektrolytveränderungen
  • durch Aspiration von Wasser werden Surfactant und Pnyeumozyten zerstört
  • Hypoxie und Azidose beeinträchtigen Herz und Kreislauf und führen zu Hirnödem und Nierenversagen

Therapie

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Die Behandlung eines Ertrinkungsunfalls umfasst folgendes:

  • Rettung des Umfallopfers
  • Sicherung der Atemwege, i.v. Zugang
  • bei fehlender Spontanatmung sofortige Intubation und Beatmung
  • kardiale Reanimation (bei Hypothermie mindestens 1 h lang!)
  • Temperaturmessung und Wärmekonservierung (Kinder entkleiden, Isolationsfolien, Decken!)
  • Transport in die Klinik
  • Überdruckbeatmung mit positiven endexspiratorischem Druck (PEEP)
  • Hirnödemtherapie (Oberkörperhochlagerung mit 30 - 50°, Hyperventialtion sowie Thiopendalgabe [Barbituratspiegel 2,5-3,5 μg/ml])
  • es muss ausserdem eine Pneumonieprophylaxe mit Breitbandantibiotika erfolgen

Komplikationen

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Komplikationen eines Ertrinkungsunfalls können sein:

  • bei normaler Wassertemperatur und einem Aufenthalt über 5 min besteht jedoch kaum Aussicht auf Überleben ohne Gehirnschädigung

Zusatzhinweise

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Prognose bei einem Ertrinkungsunfall:

  • abhängig von der Dauer des Aufenthaltes im Wasser und vor allem von der Wassertemperatur sowie der richtigen und konsequenten Erstversorgung
  • bei starker Unterkühlung ist ein Überleben ohne Schädigung auch nach mehr als 15-20 min Aufenthalt im Wasser möglich

Literaturquellen

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  1. A.C. Muntau - Intensivkurs Pädiatrie - Urban u. Fischer
  2. F.C. Sitzmann - Pädiatrie - Duale Reihe - Thieme Verlag
  3. Prof. Dr. E. Miltner - Abteilung Rechtsmedizin im Universitätsklinikum Ulm - Ertrinkungsbefunde - September 2002

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