Epileptische Anfälle

Synonyme: Entzugskrämpfe

Definition

Epileptische Anfälle

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Epileptische Anfälle treten durch abruptes Absetzen oder ausbleibende Einnahme abhängigkeitserzeugender Substanzen bzw. durch krampfschwelle-senkende Medikamente auf.


Ätiologie

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Die Ursachen der epileptischen Anfälle sind:

Krampfschwelle-senkende Medikamente:

  • Antibiotika, besonders Penicillinderivate
  • Digitalisglykoside (bei normalen Serumspiegel!)
  • Zytostatika: Ciclosporin, Isoniazid; Cisplatin, Fluorouracil
  • Intoxikationen mit Crack, Kokain und Amphetaminen

Krampfanfälle-auslösende Substanzen bei Entzug:

  • Barbiturate
  • Tranquilizer 
  • Opiate
  • chronischer Alkohol- oder Drogenabusus 
  • Antikonvulsiva bei bekannter Epilepsie

Pathophysiologie:

  • bei lang andauerndem Gebrauch kommt es zur pharmakologischen Gewöhnung
  • bei plötzlichem Absetzen → Spiegel unterhalb des "Normal"-Niveaus → epileptische Anfälle
  • Patienten mit eingeschränkter Nieren-/Leberfunktion (ältere Patienten!) besonders gefährdet
  • Komedikation kann Metabolismus und Plasmaeiweißbindung beeinflussen

Epidemiologie

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Epileptische Anfälle bei chronischen Intoxikationen sind selten.

  • 6,6% aller Alkoholiker erleiden Entzugskrämpfe

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei den epileptischen Anfälle sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Häufigkeit und Kontext der epileptischen Anfälle?
  • Fragen nach der Suchtkarriere (Substanzmissbrauch)?
  • weitere (nicht-psychotische) Symptome?
  • ausführliche Medikamentanamnese (eingenommene Substanzen, Dosierung, Einnahmeintervall)
  • bekannte Vorerkrankungen (relevante Nieren-/Lebererkrankungen, Darmerkrankungen, neurologische Vorerkrankungen)?
  • bekannte prädisponierende Vorerkrankungen?
  • Sozialanamnese

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der epileptischen Anfälle

sind relevant:

neurologische Untersuchung:  Zungenbiss?, Einnässen?, sonstige neurologische Defizite? EEG: Hinweis auf epileptogenen Focus? bildgebende Verfahren: cCT/cMRT bei V.a. zentralen Prozess, symptomatische Epilepsie, Hinweis auf intrakraniellen Druckanstieg? Labor: Retentionsparameter (Harnstoff, Elektrolyte, Kreatinin), Leberparameter (Transaminasen, Cholestasewerte, Quick, Albumin, Bilirubin) Blutbild, evtl. Medikamentenspiegel, Toxikologie aus Blut und Urin, H.a. Stoffwechselstörung (BZ, Elektrolytstörungen) Kontrolle der Vitalparameter: Blutdruck, Herzfrequenz, Atemfrequenz, Temperatur, Sauerstoffsättigung


Klinik

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Epileptische Anfälle können eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

Entzugskrämpfe sind fast ausschließlich tonisch-klonische Grand-Mal-Krämpfe, meist ohne Aura:

  • tonische Phase: häufig mit Initialschrei, Patient stürzt zu Boden, Überstrecken der Extremitäten, opisthotone Haltung, Schließen des Mundes evtl. mit lateralem Zungenbiss und Apnoe für einige Sekunden
  • klonische Phase: rhythmische Muskelzuckungen, Hypersalivation mit schaumigem Speichel, Einnässen, lichtstarre-weite Pupillen
  • Bewusstseinsstörung über 1-2 Minuten
  • postiktaler Terminalschlaf
  • prolongierte Reorientierungsphase

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei den epileptischen Anfälle umfassen folgendes:

  • geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Provokatoren meiden (keine krampfschwelle-senkenden Medikamente; schrittweise, nicht abrupte Alkoholkarenz)
  • antikonvulsive Prophylaxe: Valproat, alternativ Lamotrigin
  • Clomethiazol, Clorazepat bei starker Alkohol-Entzugssymptomatik
  • Eingliederung in Substitutionsprogramme mit L-Polamidon bei Opiatabhängigkeit
  • psychiatrische Therapie der Suchtproblematik

Komplikationen

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Bei den epileptischen Anfälle kommen folgende Komplikationen vor:

  • Übergang in Status epilepticus
  • Verletzung bei Sturz

Zusatzhinweise

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Zu den epileptischen Anfälle liegen derzeit keine weitere Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

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1. Gleixner C, Müller M, Wirth S (2007) - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach

2. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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