EPH-Gestose

Synonyme: Präeklampsie, Prä-Eklampsie, Schwangerschaftsgestose

Definition

EPH-Gestose

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Die EPH-Gestose ist eine mittlerweile veraltete Bezeichnung für eine in der Spätschwangerschaft auftretende Erkrankung (Spätgestose) meist nach der 20. Schwangeschaftswoche.

Die EPH-Gestose setzt sich zusammen aus der Symptomtrias:

  • Edema (Ödeme)
  • Proteinurie
  • Hypertonie

Die heutige Bezeichnung für die EPH-Gestose ist die Präeklampsie.


Ätiologie

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Die Ursachen der EPH-Gestose sind noch nicht abschliessend geklärt. 

Vermutet werden:

  • gestörte Trophoblastenimplantation und dadurch Fehlentwicklung arterieller Gefäße in der Plazenta
  • Störungen des Prostaglandinstoffwechsels
  • Vitamin D-Mangel
  • Genetische Prädisposition

Prädisponierende Faktoren:

  • Erstpara
  • sehr junges oder sehr hohes Alter
  • vorherige Präeklampsie
  • familiäre Hypertonie
  • genetische Disposition
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • großer zeitlicher Abstand zwischen zwei Schwangerschaften [3]
  • Diabetes mellitus
  • Hyperthyreose

Epidemiologie

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Epidemiologische Daten zu EPH-Gestose:

  • 6-8% aller werdenden Mütter erleiden eine blutdruckassoziierte Schwangerschaftserkrankung
  • thromboembolische Ereignisse führen in westlichen Industriestaaten am häufigsten zur mütterliche Mortalität
  • 60-70% der EPH-Gestosen sind Erstgebärende
  • meist im letzten Drittel der Schwangeschaft

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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In der Anamnese der EPH-Gestose sollten folgende Dinge abgefragt werden:[1,3]

  • Erste Schwangerschaft?
  • Bekannte EPH-Gestose in vorheriger Schwangerschaft?
  • Verwandte mit bekannter EPH-Gestose?
  • Schwellungen der Beine?
  • Schwangerschaftsmonat?
  • Augenflimmern?
  • Kopfschmerzen?
  • Alter? 
  • Erhöhte Reflexe?
  • Oberbauchschmerzen? (HELLP-Syndrom)
  • Gewicht?

Vorerkrankungen:

  • Diabetes mellitus?
  • Hyperthyreose?
  • Bluthochdruck? 
  • Immunologische Leiden wie Lupus erythematodes?
  • Krampfleiden? (Epilepsie)
  • vorbestehende Nierenerkrankungen?

Diagnostik

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Die Diagnostik der EPH-Gestose umfasst:[1,4]

  • Blutdruckmessung bei Aufnahme, dann engmaschige Verlaufskontrolle, bevorzugt mit 24h Blutdruckmessung 

Blutdrücke über 140/90 mmHg.

Hypertonie >160 mmHg systolisch bzw. >100 mmHg diastolisch gelten als Indikation zur klinischen Vorstellung.

  • Zum Screening der Proteinurie mit Teststreifen. Eine genaue Quantifizierung mit 24 h- Sammelurin muss durchgeführt werden, da physiologisch erhöhte Eiweißwerte im Urin der Schwangeren vorliegen können. (> 300 mg/24h)


Die Diagnose der EPH-Gestose kann auch bei fehlender Proteinurie gestellt werden, wenn nach der 20. SSW erstmals beobachtet werden:

  • fetale Wachstumstrestriktionen
  • Mitbeteiligung der Leber
  • Nierenfunktionsstörungen
  • neurologische/hämatologische Probleme

.

Zusätzlich sollte durchgeführt werden:

  • CTG-Kontrolle 1 bis 3x/Tag
  • Dopplersonographische Darstellung der Aa. Uterina (Minderperfusion der Plazenta)
  • Reflexprüfung (Hyperreflexie)
  • Laboruntersuchung:

Folgende Werte können typisch verändert sein:

  1. Hämatokrit > 38%
  2. Thrombozyten <100.000/µl
  3. ALT, AST (über Norm)
  4. LDH >1,2 mg/dl
  5. Harnsäure > 5 mg/dl
  6. Haptoglobin (unter Norm)

Klinik

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Die Klinik der EPH-Gestose ist abhängig vom Schweregrad. Milde Verläufe zeigen kaum auffälige Symptome, zumal auch bei normaler Schwangerschaft Ödeme auftreten. 

  • In/nach der 20. SSW Auftreten einer arteriellen Hypertonie, die vorher noch nicht bestand.
  • Proteinurie > 300 mg/24h
  • Ödeme
  • Übelkeit, Erbechen
  • Augenflimmern
  • Kopfschmerzen

Therapie

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Ziel sollte es sein, den Blutdruck unter 160/100 mmHg zu halten. 

  • Bettruhe in Seitenlage
  • Flüssigkeitszufuhr
  • proteinreiche Ernährung
  • eiweißreiche und salzarme Kost
  • striktes Rauchverbot
  • Präventive Gabe von Acetysalicylsäure 100 mg/d ab der 16. SSW.
  • Die Entbindung stellt die einzige kausale Therapie dar und ist in der Regel nach der 37. SSW indiziert.

Zur antihypertensiven Therapie stehen folgende Schemata zur Verfügung, wobei Nifedipin und Uradipil Off-Label sind:[1]

Antihypertensiv:

  • Alpha-Methyldopa (Zur Langzeittherapie)
  • Nifedipin initial 5 mg oral ggf. Wdh. nach 20 min. (1. Trimenon teratogen im Tierversuch)
  • oder Urapidil initial 6,25-12,5 mg i.v. als Bolus über 2 min danach 3-24 mg/h (Perfusor)
  • alternativ Dihydralazin 5 mg i.v. alle 20 min oder 5 mg iv. als Bolus, dann 2-20 mg/h (Perfusor)

Antikonvulsiv: Sollte bei schwerere EPH-Gestose prophylaktisch gegeben werden [1]

  • Magnesiumsulfat 4-6 g i.v. über 15-20 min; Erhaltungsdosis 1-2 g/h bis 24-48 h post partum
  • 2. Wahl: Phenytoin 250 mg i.v.

Lungenödem/Herzinsuffizienz:

  • Furosemid 10-20 mg i.v. 

Komplikationen

EPH-Gestose

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Folgende Komplikationen können bei der EPH-Gestose auftreten:

  • Status epilepticus der Mutter
  • Nierenversagen
  • Infarkte
  • Blutungen (DIC)
  • fetale Wachstumrestriktion
  • Plazentainsuffizienz, Plazentaablösung
  • Abort des Kindes
  • HELLP - Syndrom
  • Tod der Mutter

Zusatzhinweise

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Eine genauere Einschätzung des Risikos an einer EPH-Gestose zu erkranken  läßt sich am ehesten durch folgende Faktoren bestimmen (absteigende Priorität):[1,4]

  • Antiphospholipid- Syndrom 
  • Z.n. Präeklampsie
  • Body Mass Index >35
  • Diabetes mellitus
  • Familiäre Belastung
  • Erstparität
  • Alter >40

Nach der PIERS Studie sind folgenden Faktoren für das Outcome entscheidend:

  • Gestationsalter
  • Brustschmerz/Dyspnoe
  • Anzahl der Blutplättchen
  • AST 
  • Nierenfunktion
  • Sauerstoffsättigung

Literaturquellen

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  1. (2008) AWMF Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Schwangerschaftshochdruck/Gestose der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe – Diagnostik und Therapie hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen
  2. (2010) Herold - Innere Medizin
  3. (2009) Duale Reihe - Innere Medizin
  4. (2011) Dadelszen P - Prediction of adverse maternal outcomes in pre-eclampsia development and validation of the full PIERS model - Lancet

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