Entzugssymptome

Synonyme: Entzugserscheinungen

Definition

Entzugssymptome

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Entzugssymptome sind durch abruptes Absetzen oder ausbleibende Einnahme abhängigkeitserzeugender Substanzen auftretende Symptome.


Ätiologie

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Die Ursachen der Entzugssymptome sind:

Im pharmakologischen Bereich bedeutend:

  • Tranquilizer: Benzodiazepine, Barbiturate
  • Neuroleptika
  • Opiate

NB: Alkohol und Nikotin zahlenmäßig jedoch weit bedeutender

Pathophysiologie:

  • Produktive Symptome durch Abflauen der sedierenden und entspannenden Wirkung bei Tranquilizern
  • Lethargische Symptome durch Abflauen der analeptischen Wirkung bei Neuroleptika
  • Vegetative Symptome durch Interaktion mit verschiedenen zentral-wirksamen Rezeptoren und durch Konversion des Wunsches nach Substanzgebrauch
  • epileptische Anfälle können durch Entzug bei jedem Menschen auftreten
  • Patienten mit eingeschränkter Nieren-/Leberfunktion (ältere Patienten!) besonders gefährdet
  • Komedikation kann Metabolismus und Plasmaeiweißbindung beeinflussen

Epidemiologie

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Entzugssymptome sindrelativ häufig.

  • Entzugsdelir bei 60% aller Patienten mit chronischem Barbituratgebrauch

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei den Entzugssymptomen sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Beginn, Verlauf und Ausprägung der Symptomatik?
  • Fragen nach der Suchtkarriere (Substanzmissbrauch)?
  • weitere (nicht-psychotische) Symptome?
  • ausführliche Medikamentanamnese (eingenommene Substanzen, Dosierung, Einnahmeintervall)
  • bekannte Vorerkrankungen (relevante Nieren-/Lebererkrankungen, Darmerkrankungen, neurologische Vorerkrankungen wie Epilepsie)?
  • Sozialanamnese

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Entzugssymptome sind relevant:

neurologische Untersuchung:  Orientierung, Bewusstseinsniveau nach GCS, Pupillomotorik psychiatrische Exploration: Wahn-Symptomatik, illusionäre Verkennung, Halluzinationen? EEG: Hinweis auf epileptogenen Focus? bildgebende Verfahren: cCT/cMRT bei V.a. zentralen Prozess, symptomatische Epilepsie, Hinweis auf intrakraniellen Druckanstieg? Labor: Retentionsparameter (Harnstoff, Elektrolyte, Kreatinin), Leberparameter (Transaminasen, Cholestasewerte, Quick, Albumin, Bilirubin) Blutbild, evtl. Medikamentenspiegel, Toxikologie aus Blut und Urin Kontrolle der Vitalparameter: Blutdruck, Herzfrequenz, Atemfrequenz, Temperatur, Sauerstoffsättigung


Klinik

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Entzugssymptome können eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Tranquilizer: Delir mit
    • Desorientierung
    • Wahrnehmungsstörung (Halluzinationen)
    • Bewusstseinsstörungen
  • Neuroleptika:
  • Opiate:
    • psychomotorische Unruhe
    • Tremor
    • Schweißausbruch
    • Temperaturanstieg
    • Gliederschmerzen
    • Muskelkrämpfe
    • Übelkeit und Erbrechen
    • Obstipation im Wechsel mit Diarrhoe
    • Tachykardie
    • Schlafstörungen
    • Tremor
    • epileptische Anfälle
    • Gefahr des Kreislaufkollaps

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Entzugssymptomen umfassen folgendes:

  • Sicherung der Vitalparameter
  • Substitution unter ärztlicher Aufsicht, z.B. mit L-Polamidon bei Opiatabhängigkeit
  • antikonulsive Prophylaxe mit Oxcarbazepin, Carbamazepin
  • langfristig psychiatrische Betreuung mit Entziehung, Entwöhnung, Gesprächstherapie
  • Psycho-/Ergotherapie

Komplikationen

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Bei den Entzugssymptomen kommen folgende Komplikationen vor:

  • Bewusstseinseintrübung bis Koma
  • Hyperthermie
  • Herz-Kreislaufstillstand und Tod

Zusatzhinweise

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NB: Problem der Beschaffungskriminalität bei starken Entzugserscheinungen


Literaturquellen

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1. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

2. Gleixner C, Müller M, Wirth S (2007) - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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