Emphysematöse Pyelonephritis

Synonyme: emphysematöser Harnwegsinfekt, emphysematous urinary tract infection, emphysematous pyelonephritis

Definition

Emphysematöse Pyelonephritis

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allgemein Pyelonephritis:

  • interstitielle, bakterielle, destruktive Enzündung des Niereninterstitiums und Nierenbeckenkelchsystems

Formen der Pyelonephritis:

  • akut (primär) unkompliziert
  • akut (sekundär) kompliziert
  • chronisch
  • Sonderformen (xanthogranulomatöse, Papillennekrose, emphysematöse)

emphysematöse Pyelonephritis:

  • infolge eines bakteriellen Infektes kommt es zu einer Gasbildung im Nierenparenchym.
  • Kann auch als emphysematöse Zystitis auftreten
  • v.a. bei Diabetikern
Einteilung [7]:
  • Klasse 1: Gasbildung nur im Sammelsystem
  • Klasse 2: Gasbildung im Nierenparenchym
  • Klasse 3A: Ausweitung der Gasbildung oder des Abszesses auf den perirenalen Raum (zwischen Kapsel und Faszie)
  • Klasse 3B: Ausweitung der Gasbildung oder des Abszesses über die Faszie hinaus und/oder in benachbarte Gewebe, z.B. in den M. psoas
  • Klasse 4: Bilaterale emphysematöse Pyelonephritis oder eine einzige funktionierende Niere mit emphysematöser Pyelonephritis

Ätiologie

Emphysematöse Pyelonephritis

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Risikofaktoren der emphysematösen Pyelonephritis:

  • Diabetes mellitus (80% [1])
  • weibliches Geschlecht [1]
  • Alter >60J [1]
  • Obstruktionen 

Genese:

  • E.coli [1]
  • Klebsiellen [1]
  • selten Candida [2]

Epidemiologie

Emphysematöse Pyelonephritis

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Differentialdiagnosen

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Anamnese

Emphysematöse Pyelonephritis

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Bei der emphysematösen Pyelonephritis sind folgende Informationen von Interesse :

  • Symptomatik einer Zystitis?
  • Symptomatik einer Pyelonephritis: Flankenschmerz, Fieber, Übelkeit/Erbrechen, Schüttelfrost, Krankheitsgefühl?
  • Grunderkrankung/Diabetes?
  • Medikamente?
  • Miktionsstörungen?
  • anatomische Besonderheiten des Urogenitaltraktes?
  • Funktionelle Besonderheiten?

Diagnostik

Emphysematöse Pyelonephritis

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Die diagnostische Abklärung der emphysematösen Pyelonephritis erfolgt durch:

  • Röntgen Abdomen
  • und/oder Abdomen-CT (sensitiver)

Dabei findet sich Luft im oder um das Nierenparenchym. Abdomen-CTs werden auch zur Prognoseeinschätzung, Klassen-Einteilung und zur Therapieeinschätzung verwendet.

Ansonsten sind wichtig:


Klinik

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Die emphysematöse Pyelonephritis präsentiert sich wie eine akute Pyelonephritis:

  • hohes Fieber
  • Schüttelfrost
  • Flankenschmerzen
  • starkes Krankheitsgefühl
  • Übelkeit/Erbrechen
  • ggf Dysurie, Algurie, Pollakisurie, Harndrang

Therapie

Emphysematöse Pyelonephritis

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Die Therapie der emphysematösen Pyelonephritis umfasst:

parenterale Antibiose wie bei akuter Pyelonephritis:

1. Wahl: initiale parenterale Therapie, stationäre Behandlung, Dauer 2 Wochen, bei Fluorchinolonen Verkürzung auf 7-10 Tage und bei höheren Dosen, z.B. Levofloxacin 750 mg einmal täglich, sogar auf 5 Tage möglich [4]. Nach 24h Fieberfreiheit kann auf orale Antibiose umgestellt werden [5].

  • Ciprofloxacin 400mg 2 x tgl.
  • Levofloxacin (250-) 500mg 1 x tgl. (Niedrige Dosierung untersucht, hohe Dosierung von Experten empfohlen.)
  • Levofloxacin 750mg 1 x tgl.

2. Wahl: initiale parenterale Therapie, Dauer 2 Wochen [4]. Nach 24h Fieberfreiheit kann auf orale Antibiose umgestellt werden [5].

  • Cefepim 1-2g 2 x tgl. (niedrige Dosierung untersucht, hohe Dosierung von Experten empfohlen)
  • Ceftazidim 1-2g 3 x tgl. (nicht bei akuter unkomplizierter Pyelonephritis als Monosubstanz untersucht)
  • Ceftriaxon 1-2g 1 x tgl. (Niedrige Dosierung untersucht, hohe Dosierung von Experten empfohlen.
  • Cefotaxim 2g 3 x tgl. (nicht bei akuter unkomplizierter Pyelonephritis als Monosubstanz untersucht)
  • Amoxicillin/Clavulansäure 1/0,2g 3 x tgl. (nicht bei akuter unkomplizierter Pyelonephritis als Monosubstanz untersucht, v.a. für Gram-positive Erreger.)
  • Ampicillin/Sulbactam 1/0,5g 3 x tgl. (nicht bei akuter unkomplizierter Pyelonephritis als Monosubstanz untersucht, v.a.für Gram-positive Erreger.)
  • Piperacillin/Tazobactam 2/0,5-4/0,5g 3 x tgl. (niedrige Dosierung untersucht, hohe Dosierung von Experten empfohlen)
  • Amikacin 15mg/kg 1 x tgl.
  • Gentamicin 5mg/kg 1 x tgl.
  • Doripenem 0,5g 3 x tgl. (nur bei ESBL-Resistenzen > 10 %)
  • Ertapenem 1g 1 x tgl. (nur bei ESBL-Resistenzen > 10 %)
  • Imipenem/Cilastatin 0,5/0,5g 3 x tgl. (nur bei ESBL-Resistenzen > 10 %)
  • Meropenem 1g 3 x tgl. (nur bei ESBL-Resistenzen > 10 %, nur hohe Dosierung untersucht)

in der Schwangerschaft:

  • Cephalosporine der Gruppe 2 oder 3
  • anschliessend Urinkultur 
  • ev. antibiotische Dauerprophylaxe in der nächsten Schwangerschaft [4]

bei Diabetikern:

  • cave Cotrimoxazol: hypoglykämische Regulationsstörungen und erhöhte Resistenz bei Diabetikern [4]
  • BZ-Kontrollen

zusätzlich zur parenteralen Antibiose:

Klasse 1 ohne Abszess und Obstruktion (Pyelitis): nur parenterale Antibiose [8]

Klasse 1 und 2: perkutane Drainage und falls vorhanden: Entfernung der Obstruktion [9]. Falls die perkutane Drainage nicht funktioniert: Nephrektomie

Klasse 3A und 3B ohne Risikofaktoren (Thrombozytopenie, akutes Nierenversagen, Bewusstseinstrübung, Schock [7]: perkutane Drainage und falls vorhanden: Entfernung der Obstruktion oder Nephrektomie [7]. Falls die perkutane Drainage nicht funktioniert: Nephrektomie

Klasse 3A und 3B mit 2 oder mehr Risikofaktoren: sofortige Nephrektomie [6,7]

Klasse 4: perkutane Drainage und falls vorhanden: Entfernung der Obstruktion, Nephrektomie als Ultima ratio [7]


Komplikationen

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Zusatzhinweise

Emphysematöse Pyelonephritis

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Ein schlechtes Outcome bei der emphysematösen Pyelonephritis liegt vor bei:


Literaturquellen

Emphysematöse Pyelonephritis

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  1. (2000) Huang JJ, Tseng CC - Emphysematous pyelonephritis: clinicoradiological classification, management, prognosis, and pathogenesis -
    Arch Intern Med. 160(6):797-805.
  2. (1986) Johnson JR, Ireton RC, Lipsky BA -
    Emphysematous pyelonephritis caused by Candida albicans - J Urol. 136(1):80-2
  3. (2007) Yao J, Gutierrez OM, Reiser J - Emphysematous pyelonephritis - Kidney Int. 71(5):462-5.
  4. Leitlinien der Deutsche Gesellschaft für Urologie
    (DGU) federführend - Epidemiologie, Diagnostik, Therapie und Management unkomplizierter bakterieller ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten, S-3 Leitlinie AWMF-Register-Nr. 043/044 Harnwegsinfektionen
  5. (2009) McPhee SJ, Papadakis MA - Lange 2009 Current Medical Diagnosis and Treatment - McGraw Hill Medical
  6. (1997) Chen MT, Huang CN, Chou YH, Huang CH, Chiang CP, Liu GC - Percutaneous drainage in the treatment of emphysematous pyelonephritis: 10-year experience -
    J Urol. 157(5):1569-73.
  7. (2000) Huang JJ, Tseng CC - Emphysematous pyelonephritis: clinicoradiological classification, management, prognosis, and pathogenesis - Arch Intern Med. 160(6):797-805
  8. (2001) Roy C, Pfleger DD, Tuchmann CM, Lang HH, Saussine CC, Jacqmin D - Emphysematous pyelitis: findings in five patients - Radiology. 218(3):647-50
  9. (2008) Aswathaman K, Gopalakrishnan G, Gnanaraj L, Chacko NK, Kekre NS, Devasia A -  Emphysematous pyelonephritis: outcome of conservative management - Urology. 71(6):1007-9 
  10. (2009) Thüroff J - Urologische Differenzialdiagnose - Thieme
  11. (2006) Schmelz HU, Sparwasser C, Weidner W - Facharztwissen Urologie - Springer 

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Urologie

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