Eklampsie oder eklamptischer Anfall

Synonyme: Hypertensive Schwangerschaftserkrankung, Gestose, Toxikose, Schwangerschaftstoxikose, EPH-Gestose

Definition

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Eklampsie:

  • Präeklampsie mit tonisch- klonischen Krämpfen (ohne andere Ursache)
  • Lebensgefahr! (Aspiration, Laryngospasmus, Atemstillstand)
  • Selbst bei fehlender Hypertonie oder Proteinurie möglich!

Eine Präeklampsie wird wie folgt definiert:

  • Schwangerschaftsinduzierter Bluthochdruck (Blutdruck >140/ 90mmHg in zwei Messungen im Abstand von 6 Stunden)
  • Proteinurie ≥ 300mg/24h
  • Ödeme der nichtabhängigen Körperpartien (Gesicht, Hände)

Ätiologie

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Prädisponierend für die Präeklampsie/ Eklampsie:

  • Genetische Faktoren (Mutter schon erkrankt)
  • Diabetes mellitus Typ I
  • Chronische Hypertonie
  • Chronische Nierenerkrankung
  • Erstgebärende
  • Präeklampsie/ Eklampsie/ HELLP- Syndrom in vorangegangener Schwangerschaft

Epidemiologie

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Epidemiologie des Bluthochdrucks in der Schwangerschaft:

  • In 6-8% aller Schwangerschaften treten hypertensive Erkrankungen auf,
  • sie tragen zu ca. ¼ der perinatalen Morbidität bei [1] und
  • stehen auf den ersten drei Plätzen der mütterlichen Todesursachen [1][2]

Präeklampsie ist verantwortlich für:

  • weltweit mindestens 50.000 Todesfälle pro Jahr [1][2]
  • jeden dritten Fall schwerer Geburtshilflicher Erkrankungen
  • eine um das Fünffache gesteigerte Morbidität

Schwangere Frauen mit schwarzer Hautfarbe, sowie Inderinnen sind stärker gefährdet an Präeklampsie/ Eklampsie zu erkranken als z.B. Europäerinnen.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Generell sollte in jeder Schwangerenvorsorge an die Möglichkeit einer Präeklampsie/ Eklampsie gedacht werden. 

Sollte die Patientin noch in der Lage sein, sollten folgenden Fragen gestellt werden:

  • Erste Schwangerschaft?
  • Bestanden irgendwelche Erkrankungen während vorheriger Schwangerschaften?
  • Welche Schwangerschaftswoche?
  • Mehrlingsschwangerschaft?
  • Seit wann besteht der Bluthochdruck?
  • Bestand schon vor der Schwangerschaft ein Bluthochdruck?
  • Treten zentralnervöse Störungen auf? (z.B. Augenflimmern, Kopfschmerzen -> evtl. Hinweis auf gesteigerten Hirndruck)
  • Wassereinlagerungen in den Beinen?
  • Wassereinlagerungen in Händen oder Gesicht?
  • Gewichtszunahme über 1kg pro Woche?
  • Oberbauchschmerzen?
  • Übelkeit?
  • Erbrechen?
  • Besteht ein Diabetes mellitus Typ I?
  • Besteht ein bekannter Gestationsdiabetes?
  • Seit wann besteht der Gestationsdiabetes?
  • Wird er behandelt? Wie wird behandelt?

Diagnostik

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Häufig kann schon durch das klinische Bild und dem bisherigen bekannten Krankheitsverlauf die eindeutige Diagnose Eklampsie gestellt werden.

Laborparameter, die einen Hinweis auf das Bestehen einer Präeklampsie/ Eklampsie geben können sind (Working Group on High Blood Pressure in Pregnancy 2000,8; [1]:

Auf eine Sonographie sollte nicht verzichtet werden.

Fragestellung:

  • Ist die Versorgung des Fetus gewährleistet? (Aa. uterinae?)
  • Beurteilung der Fruchtwassermenge
  • Mehrlingsschwangerschaft?
  • Intrauterine Wachstumsrestriktion?
  • Blasenmole?
  • Hydrops fetalis?
  • V.a. eine Trisomie (v.a. Trisomie 13)?

Klinik

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Eklampsie (Status eclampticus):

  • zusätzlich zu den Zeichen einer Präeklampsie (s. Definition) tonisch- klonische Krämpfe
  • und/ oder tiefe Bewußtlosigkeit

Therapie

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Einzige kausale Therapie der Eklampsie ist die Entbindung.

  • Nach abgeschlossener 37. SSW ist die sofortige Entbindung anzustreben.
  • Ab vollendeter 34. SSW sollte möglichst bald entbunden werden.
  • Ab 24.-34. SSW: Verlegung in ein Perinatalzentrum. Es muss immer die Abschätzung des Risikos gegenüber dem Nutzen zum Erhalt der Schwangerschaft erwogen werden. Dies sollte nur dem erfahrenen Facharzt obliegen.

Bei stabilem Zustand der Mutter und des Kindes kann die Entbindung vaginal erfolgen.

Antihypertensive Therapie [4][1][5] bei anhaltenden Blutdruckwerten ≥ 170/110 mmHg oder bei vorher schon bestehendem Bluthochdruck ab  ≥160/100 mmHg:

  • initial 5 mg Nifedipin oral, ggf. Wiederholung nach 20 Min.
  • ODER initial Urapidil 6,25-12,5mg i.v. über 2 Min. als Bolus; dann Perfusor mit 3-24 mg/h
  • alternativ Dihydralazin 5mg alle 20 Min. oder 5mg i.v. als Bolus; dann Perfusor 2-20mg/h
  • Therapie unter CTG- Überwachung!
  • engmaschige Blutdruckkontrollen, Blutdruck unter 90-105 mmHg diastolisch sollte vermieden werden

Lungenödem / Herzinsuffizienz:

  • Furosemid 10-20 mg i.v.; ggf. mit höherer Dosis wiederholen

Behandlung drohende Eklampsie [1][5]

Antikonvulsive Therapie:

  • initial Magnesiumsulfat 4-6 g i.v. über 15-20 Min., dann Erhaltungsdosis von 1-2 g/h bis 24-48/h post partum (aktuell kein Hinweis auf nachteilige Interaktion mit Nifedipin [1])
  • alternativ 250 mg Phenytion i.v.

Behandlung Eklampsie:

  • Gummikeil zwischen die Zähne (Zungenbiss vermeiden und so Beatmungs- und Intubationsmöglichkeit freihalten)
  • Einleitung der Narkose
  • Intubation
  • Beatmung
  • ggf. sofortige Beendigung der Schwangerschaft durch Schnittentbindung (hauptsächlich nach der 36. SSW)

Komplikationen

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Die schwerwiegendste Komplikation bei Eklampsie ist der Tod der Patientin oder ihres ungeborenen Kindes!

Weitere Komplikationen bei Status eclampticus:

  • Vorzeitige Planzentalösung
  • Nierenversagen
  • HELLP- Syndrom
  • Lungenödem
  • Verbrauchskoagulopathie
  • Apoplektischer Insult
  • Amaurose
  • Aspiration
  • Laryngospasmus
  • Atemstillstand
  • Komatöse Zustände

Zusatzhinweise

Eklampsie oder eklamptischer Anfall

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Aktuell sind keine Zusatzinformationen zur Eklampsie oder eklamptischem Anfall vorhanden.



Literaturquellen

Eklampsie oder eklamptischer Anfall

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  1. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Schwangerschaftshochdruck/ Gestose der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.; AWMF- Leitlinienregister Nr.015/018, 10/2010

2.   New England Journal of Medicine, Explaining and Predicting Preeclampsia by Lindheimer and Umans, N engl J Med 2006; 355: 1056-1058

3.   ÄP Gynäkologie 5/2010, Prof. Dr. med. Werner Rath, Universitätsklinikum Aachen

4.  Report oft he National High Blood Pressure Education Programm Working Group on High Blood Pressure in Pregnagncy, 2000, EL IV, Redman, Sibai, Leveno

5.   Rote Liste 2008, Herausgeber Rote Liste GmbH, Frankfurt/ Main


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