Einfacher Rausch (Alkohol)

Synonyme: akute Alkoholintoxikation, Alkoholrausch

Definition

Einfacher Rausch (Alkohol)

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Der einfache Rausch ist eine akute, reversible exogene Psychose durch übermäßigen Alkoholkonsum mit neurologischen, v.a. cerebellären Ausfallserscheinungen wie verwaschene Sprache, Gangunsicherheit und Desorientierung.


Ätiologie

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Die Ursachen des einfachen Rausch sind:

  • akute Intoxikation mit Äthylalkohol
  • individuelle Toleranzgrenzen bis zum Auftreten rauschartiger Zustände
  • das Binge-drinking, das allgemein definiert wird als >5 alkoholische Drinks pro Anlass, resultiert meist in einen einfachen Rausch [3]

Epidemiologie

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Der einfache Rausch ist relativ häufig.

  • die häufigste exogene Psychose
  • in den USA ist der einfache Rausch die Ursache für 600000 Vorstellungen in der Notaufnahme pro Jahr [1]
  • in einer Studie war in den USA bei 15-40% der Patienten in der Notaufnahme Alkohol im Blut nachweisbar [2]
  • 1,6 Mio. Alkoholabhängige in Deutschland
  • 4,7 Mio. Alkoholgefährdete in Deutschland

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Beim einfachen Rausch sind folgende Informationen von Bedeutung, die wenn möglich auch als Fremdanamnese erfragt werden sollten:

  • bekannter Alkoholabusus?
  • Häufigkeit und Kontext der Rauschzustände?
  • übliche Trinkmenge und Art des Alkohols?
  • Fragen nach der Suchtkarriere (weiterer Substanzmissbrauch)?
  • weitere (nicht-psychotische) Symptome?
  • Erkrankungen?
  • Z.n. Sturz? Schmerzen?
  • Medikamente?

Diagnostik

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Die Diagnose des einfachen Rausches ist eine Ausschlußdiagnose! Andere DDs wie Schädel-Hirn-Trauma, Hypoxie, Hypothermie und andere metabolische und neurologische Ursachen müssen ausgeschlossen werden!

Wenn sich die psychopathologischen Symptome wie Verwirrung, Desorientierung etc. nach adäquater Therapie und gemäß der Abbaurate des Alkohols nicht verbessern, muß in jedem Fall ein CCT angefertigt werden!

  • komplette internistische Untersuchung mit Inspektion des Körpers und Kopfes auf Sturz/Trauma/Unfall!
  • neurologische Untersuchung: evtl. alkoholbedingte neurologische Schäden: vermindertes Vibrationsempfinden, Ataxie, Sensibilitätstörungen
  • psychiatrische Exploration/Evaluation: sofern möglich
  • Labor: Blutalkoholspiegel, evtl. Drogen-Screening, Blutbild (MCV, MCH), B-Vitamine, evtl. CDT. Bei schwerer metabolischer Azidose mit großer Anionenlücke sollte eine Mischintoxikation mit Methanol ausgeschlossen werden!
  • Kontrolle der Vitalparameter: Blutdruck, Herzfrequenz, Atemfrequenz, Temperatur
  • evtl. CCT, falls keine Besserung der Symptomatik oder bei Anzeichen für ein Trauma

Klinik

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Der einfache Rausch kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • psychopathologische Symptome: gehobene Stimmung, Steigerung von Antrieb und Motorik, (sexuelle) Enthemmung, reduzierte intellektuelle Fähigkeiten (Gedächtnis, Reaktionsvermögen, Aufmerksamkeit, Urteilskraft), Eu-/Dysphorie, Gereiztheit, Depression und Suizidgefahr
  • vegetative Symptome: Gesichtsrötung, Tränenfluss, Hyperhidrosis, Übelkeit, Erbrechen und Tachykardie
  • neurologische Symptome: verwaschene Sprache, Nystagmus, Ataxie, Dysmetrie, Dysarthrie, Intentionstremor, Koordinationsschwierigkeiten

Therapie

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Beim einfachen Rausch wird der Alkohol beim ungeübten Trinker mit einer Rate von 15 bis 20 mg/dL pro Stunde abgebaut, bei chronischen Alkoholikern mit einer Rate von 25 bis 35 mg/dL pro Stunde oder sogar noch schneller [5].

  • Therapie bei leichtem einfachem Rausch wegen kurzer Dauer oft nicht möglich bzw. nicht nötig, aber Überwachung der Vitalparameter
  • bei Anzeichen von Hypotension oder Flüssigkeitsverlust i.v.-Substitution von Flüssigkeit
  • bei schweren Intoxikationen zusätzlich Überwachung der Atmung, ggf. Intubation
  • bei komatösen Patienten Thiaminsubstitution, um eine Wernicke-Enzephalopathie zu verhindern: Thiamin 500mg i.v. über 30 Minuten, 3 x tgl. für 2 Tage, anschließend 1x tgl. für weitere 5 Tage, anschließend Thiamin 100mg p.o. Glucosegabe i.v. nicht vorher (kann eine Wernicke-Enzephalopathie verschlimmern oder auslösen), sondern gleichzeitig oder anschließend! Bei chronischen Alkoholikern sollte eine orale Thiaminsubstition weitergeführt werden.
  • bei starken Erregungszuständen Benzodiazepine wie Diazepam oder Lorazepam.

Cave: Kohlepräparate und Magenspülungen sind bei schweren Intoxikationen aufgrund der schnellen Absorption aus dem GI-Trakt nicht wirkungsvoll.


Komplikationen

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Beim einfachen Rausch kommen folgende Komplikationen vor:

  • Ausfall der Schutzreflexe mit Aspiration
  • Ausfall des Temperaturempfindens
  • ab 3,5 Promille BAK: Gefahr der Ateminsuffizienz
  • ab 5,0 Promille BAK: i.d.R. Todeseintritt

Zusatzhinweise

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Beim einfachen Rausch korreliert die Alkoholmenge im Blut nicht zwangsläufig mit der Schwere der Symptomatik [4]!


Literaturquellen

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  1. (2004) Pletcher MJ, Maselli J, Gonzales R - Uncomplicated alcohol intoxication in the emergency department: an analysis of the National Hospital Ambulatory Medical Care Survey - Am J Med. 117(11):863-7
  2. (1989) Cherpitel CJ - Breath analysis and self-reports as measures of alcohol-related emergency room admissions - J Stud Alcohol. 50(2):155-61.
  3. (2003) Naimi TS, Brewer RD, Mokdad A, Denny C, Serdula MK, Marks JS  - Binge drinking among US adults - JAMA. 289(1):70-5.
  4. (1987) Sullivan JB Jr, Hauptman M, Bronstein AC - Lack of observable intoxication in humans with high plasma alcohol concentrations - J Forensic Sci. 32(6):1660-5.
  5. (1993) Jones AW - Disappearance rate of ethanol from the blood of human subjects: implications in forensic toxicology - J Forensic Sci. 38(1):104-18.
  6. (2007) Gleixner C, Müller M, Wirth S  - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach
  7. (2007) Masuhr K.F., Neumann M - Neurologie, 6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  8. (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  9. (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  10. (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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