Dyskeratosis congenita

Synonyme: Zinnser-Cole-Engman-Syndrom, X-linked, Zinnser-Cole-Engman syndrome

Definition

Dyskeratosis congenita

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Bei der Dyskeratosis congenita handelt es sich um ein  hereditäres Syndrom mit Haut-/Schleimhautanomalien und Zeichen der Knochenmarkinsuffizienz.


Ätiologie

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Bei der Dyskeratosis congenita unterscheidet man:

  • X-chromosomal vererbte Mutation des dyskeratinkodierenden Gens Xq28 (DKC1, OMIM 300126): 85 % der betroffenen Patienten
  • autosomal-dominant vererbte Form: Mutation der RNA-Komponente der Telomerase 3q21-28 (TERC Telomerase?, OMIM 602322)
  • sehr selten: autosomal-rezessiv vererbte Form

→ Funktionseinschränkung des Telomerasekomplexes


Epidemiologie

Dyskeratosis congenita

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Zur Epidemiologie der Dyskeratosis congenita:

  • Die Dyskeratosis congenita ist eine sehr seltene Erkrankung
  • Etwa 200 Fälle sind weltweit dokumentiert worden.
  • Die Erstmanifestation liegt zwischen dem 4. und 10. Lebensjahr, selten später
  • Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen

Differentialdiagnosen

Dyskeratosis congenita

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Anamnese

Dyskeratosis congenita

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Bei der Dyskeratosis congenita sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Wann ist die Hauterkrankung erschienen?
  • Lokalisation der Hautveränderungen? 
  • Was für Beschwerden? 
  • Organbeteiligung? Verlauf?
  • andere bekannte Grunderkrankungen?
  • Familienanamnese 
  • Medikamenteneinnahme? Bisherige Therapie? Mit welchem Erfolg?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Dyskeratosis congenita sind relevant:

  • Anamnese
  • Klinisches Bild
  • Blutbild: Thrombozytopenie, makrozytäre Anämie, später Panzytopenie infolge einer Knochenmarkhypoplasie
  • Histopathologie: uncharakteristisch
  • Sonographie, Röntgen-Aufnahme, CT, MRT

Klinik

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Die Dyskeratosis congenita stellt eine Multisystemerkrankung mit zahlreichen klinischen Erscheinungen dar:

Haut-/Schleimhautbeteiligung:

  • hypo- und hyperpigmentierte Hautareale insbesondere der oberen Körperpartien (Gesicht, Hals, Arme, Thorax) mit teleangiektatischen sowie erythematösen Komponenten
  • Nageldystrophie
  • Leukoplakie der Schleimhäute
  • Aplastische Anämie
  • Atresie der Tränengänge mit Tränenträufeln
  • Hyperhidrosis
  • Granzloses spärliches Haar, Alopecia diffusa und praematura
  • Kariesneigung, frühzeitiger Zahnverlust

weitere selten auftretende mit dem Synrom assoziierte klinische Erscheinugen:

okuläre Manifestation:

  • Blepharitis
  • Konjunktivitis
  • Stabismus
  • Katarakt
  • Optikusatrophie

Gastrointestinale Auffälligkeiten:

Urogenitale Auffälligkeiten:

  • Hypogonadismus
  • Retentio testis

Skelettveränderungen:

  • Osteoporose
  • aseptische Nekrose
  • Minderwuchs
  • Entwicklungsverzögerung

Lungenbeteiligung: lebensbedrohlich; oft mit Ventilations- und Diffusionsstörung (20 % der Patienten) 

Geistige Retardierung

Symptome des Knochenmarkversagens (80-90 % der Patienten, meist schon im Jugendlichenalter) 

Bei den autosomal vererbten Formen der Dyskeratosis congenita scheint die dominante Form schwerer zu verlaufen als die rezessiv vererbte Erkrankung.


Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Dyskeratosis congenita umfassen folgendes:

  • Familienberatung
  • symptomatische Behandlung
  • evtl. Therapieveruche mit Kortikosteroiden
  • evtl. Nabelschnurblut oder Knochenmarktransplantation 
  • Fortlaufende Überwachung der Patienten bezüglich auftretender Mundschleimhautkarzinome
    ist unabdingbar
  • frühzeitige operative Entfernung von den Tumoren
  • Substitution von Blutbestandteilen
    → strenge Indikation und komplette Zelltypisierung sonst Gefahr der Sensibilisierung
  • je nach Schwere der Neutropenie Therapie mit Wachstumsfaktor G-CSF
  • Transfusion von Granulozyten nur bei werten < 500/µl und nachgewiesener gramnegativer Sepsis oder Pilzsepsis
  • Infektionsprophylaxe
  • einzige kurative Therapieoption: Knochenmarkstransplantation
  • vor Knochenmarkstransplantation oder bei fehlendem Spender
    → Immunsuppressiva
  • Methylprednisolon als Prophylaxe einer Serumkrankheit unter ALG
  • Vermeidung blutungsfördernder Mittel

Komplikationen

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Bei der Dyskeratosis congenita kommen folgende Komplikationen vor:

  • Neigung zu Infektionen (zunehmende zelluläre und humorale Immundefizienz)
  • solide Malignome (10 % der Patienten)
  • pulmonale Komplikationen

Zusatzhinweise

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Für die Prognose der Dyskeratosis congenita gilt:

  • Die Lebenserwartung der Patienten ist herabgesetzt

Literaturquellen

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