Dranginkontinenz

Synonyme: Urge-Inkontinenz, instabile Blase, überaktive Blase

Definition

Dranginkontinenz

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Bei der Dranginkontinenz kommt es zu einem unwillkürlichen Harnverlust bei nicht unterdrückbarem Harndrang.


Ätiologie

Dranginkontinenz

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Ursächlich für eine Dranginkontinenz ist:

  • gesteigerte Detrusoraktivität
  • sensorische Dranginkontinenz durch: chronische Entzündungen, Blasensteine, Blasentumor, Detrusor-Sphinkter Dysfunktion.
  • fehlende Hemmung der Detrusoraktivität durch z.B.: Zerebralsklerose, Hirntumoren oder psychosomatisch

Sekundäre Ursachen der Inkontinenz:

Gynäkologisch: Geburtstrauma, Beckenbodenschwäche

Obstruktiv: Prostatahyperplasie (BPH)

Iatrogen:  operative Eingriffe


Epidemiologie

Dranginkontinenz

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Von der Dranginkontinenz sind Frauen häufiger betroffen als Männer.
  • Häufigkeitsanstieg nach dem 50. Lebensjahr
  • Prävalenz: ca. 30% der >65-jährigen sind inkontinent

Differentialdiagnosen

Dranginkontinenz

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Anamnese

Dranginkontinenz

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Wichtige Informationen zur Dranginkontinenz sind:

  • Miktionsanamnese: Harnfrequenz? Menge? Startschwierigkeiten, Kontinuierlicher/ intermittierender Miktionsverlauf, Harnstrahlqualität, Einsatz der Bauchpresse, Dysurie/Algurie, Hämaturie?
  • Wie hoch ist die Flüssigkeitsaufnahme?
  • Harnverlust bei Lachen, Pressen, Husten?
  • Gefühl von Harndrang?
  • Medikamente?
  • Operationen in der Vergangenheit? (v.a. im kleinen Becken)
  • gynäkologische Anamnese bei Frauen
  • Begleiterkrankungen (Diabetes mellitus, Z.n. Apoplex, Morbus Parkinson, Demenz, Radiatio, Depression, Rückenmarksläsionen)
  • Lebensqualität/Leidensdruck

Diagnostik

Dranginkontinenz

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Zur diagnostischen Abklärung der Dranginkontinenz sind relevant:

Allgemeine Untersuchung:

  • körperliche Untersuchung
  • mentale und körperliche Leistungsfähigkeit
  • Untersuchung der äußeren Genitales
  • rektale Untersuchung
  • neurologische Untersuchung

Urinuntersuchung:

  • Teststreifen
  • bei pathologischem Befund → bakteriologische Untersuchung

Miktionstagebuch:

  • Zeitpunkt und Volumen der Miktionen
  • Zeitpunkt und Volumen der Trinkmenge
  • Harndranggefühl
  • Vorlagenverbrauch

Restharnbestimmung:

  • v.a. vor und während anticholinerger Medikation

Optionale Tests:

  • Stresstest
  • PAD-Test (Vorlagenwiegetest zu Obiektivierung und Quantifizierung des Harnverlustes)

Erweiterte Diagnostik:

  • Sonographie
  • Labor
  • Röntgenuntersuchung: Ausscheidungsurogramm
  • Urethrozystoskopie
  • Urodynamische Untersuchung

Klinik

Dranginkontinenz

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Die Dranginkontinenz kann ein oder mehrere der folgenden Symptomen zeigen:

  • ungewollter, reflektorischer Harnverlust
  • belastungsunabhängig
  • Verlust kleiner Harnportionen
  • Pollakisurie
  • Mischform mit Belastungsinkontinenz vorkommend und häufig

Therapie

Dranginkontinenz

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Die Therapie der Dranginkontinenz besteht aus:

Medikamentöse Therapie:

Anticholinergika

  • Oxybutynin 3 x 5 mg p.o.
  • Propiverin 2-3 x 15 mg
  • Tolterodin 2 x 2 mg
  • Trospiumchlorid 3 x 15 mg

→  myotrope Spasmolytika

  • Flavoxat - 3-4 x 200mg/Tag p.o. (Spasmoanalgetikum, direkt myotrop relaxierend)

 → trizyklische Antidepressiva - Ihnen wird auch eine spasmolytische Wirkung beigemessen

  • Imipramin
  • Desipramin
  • Nortriptylin
  • Doxepin

physiotherapeutische Therapie:

  • Beckenbodentraining
  • Biofeedback
  • Elektrostimulation des Beckenbodens

Operative Therapie:

  • Sanierung wenn eine mechanische Obstruktion vorhanden ist

Hilfsmittel:

  • Vorlagen, Schutzhosen
  • Betteinlagen

Komplikationen

Dranginkontinenz

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Komplikationen der Dranginkontinenz:

  • vermehrte Stürze bei Älteren
  • seelische Beeinträchtingung
  • Depressionen

Zusatzhinweise

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Durch Dranginkontinenz kommt es zu starken psychischen Belastungen und Lebensqualität Beeinflussung.


Literaturquellen

Dranginkontinenz

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  1. (2009) AWMF - Leitlinie - Harninkontinenz
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  17. (2006) Diedrich K - Gynäkologie und Geburtshilfe - Springer, Berlin
  18. (2005) Kirschbaum, Münstedt - Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme Verlag

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Gynäkologie und Geburtshilfe

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