Dottersacktumor des ZNS
Synonyme: Zerebraler Dottersacktumor, endodermaler Sinustumor
Definition
Dottersacktumor des ZNS
Der Dottersacktumor ist ein äußerst maligner ZNS-Tumor des Kindesalters, der sich extragonadal aus pluripotenten Keimzellen entwickelt.
Der Dottersacktumor gehört zu den Nicht-germinomatösen Keimzelltumoren.
Dottersacktumor des ZNS
Ätiologie
Dottersacktumor des ZNS
Die Ursachen des Dottersacktumors sind:
- spontanes Auftreten
Pathologie:
- hochmaligne
- in bis zu 15% hämatogene Streuung (Lunge, LK, Knochenmark)
- histologisch: Aufbau wie gonadaler Dottersacktumor, Schiller Duval Körper sind charakteristisch
- 7% aller Keimzelltumoren des ZNS
Lokalisation:
- Pinealisregion
- typisch: Mittellinienstrukturenwie III. Ventrikel, suprasellär
- Infiltration des Chiasma opticum und des Hirnstamms möglich
Dottersacktumor des ZNS Epidemiologie zu:
Dottersacktumor des ZNS
Epidemiologie
Dottersacktumor des ZNS
Der Dottersacktumor ist sehr selten. [3]
- Inzidenz (aller Keimzelltumoren des ZNS): 2,2/1.000.000 Kinder pro Jahr
Dottersacktumor des ZNS Differentialdiagnosen zu:
Dottersacktumor des ZNS
Differentialdiagnosen
Dottersacktumor des ZNS
- Tumoren der Pinealis und des Mittelhirns
- Embryonales Karzinom des ZNS
- Teratom des ZNS
- Germinom
- Chorionkarzinom
- Keimzelltumoren
Dottersacktumor des ZNS Anamnese zu:
Dottersacktumor des ZNS
Anamnese
Dottersacktumor des ZNS
Beim Dottersacktumor sind folgende Informationen von Bedeutung: [2]
- neu aufgetretener/veränderter Kopfschmerz?
- Übelkeit, morgendliches Erbrechen, Schluckauf?
- Bewusstseinseintrübung?
- Doppelbilder/Sehstörungen?
- Wachstumsverzögerungen/-beschleunigung (hormonelle Veränderungen)?
Dottersacktumor des ZNS Diagnostik zu:
Dottersacktumor des ZNS
Diagnostik
Dottersacktumor des ZNS
Zur diagnostischen Abklärung des Dottersacktumors sind relevant: [3]
1. neurologische Untersuchung:
- fokale Ausfälle, Hirndruckzeichen (Sonnenuntergangsphänomen, Hydrocephalus bei noch nicht geschlossenen Fontanellen/Suturae)
2. cCT/cMRT (bevorzugt):
- starkes KM-Enhancement, perifokales Ödem, evtl. KM-Aufnahem der Ventrikelinnenwände als Zeichen der leptomeningealen Aussaat
- iso- oder hypointens in T1, hyperintens in T2
- + MRT der gesamten Wirbelsäule (leptomeningeale Aussaat möglich)
3. Liquorpunktion:
- Tumormarker: AFP immer (auch bei unreifem Teratom), β-HCG gelegentlich erhöht bei nur mildem Serum-Anstieg
- Cave: Säuglinge mit physiologisch erhöhtem AFP über die ersten Lebensmonate
4. stereotaktische Biopsie
- nötig, wenn möglich, zur DD und Therapieplanung
evtl. transkranielle Sonographie
Dottersacktumor des ZNS Klinik zu:
Dottersacktumor des ZNS
Klinik
Dottersacktumor des ZNS
Der Dottersacktumor kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen: [2]
Abhängig von Tumorlokalisation:
Pinealisregion:
- Parinaud-Syndrom (vertikale Blickparese + fehlende Konvergenzreaktion)
- Sehstörungen (Diplopie)
- ↑ Hirndruck (starke Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Papillenödem)
- Pubertas praecox
- geringe Wachstumsstörungen
Supraselläre Lokalisation:
- ↑ Hirndruck (starke Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Papillenödem)
- Diabetes insipidus
- Wachstumsstörungen
- Amenhorrea
- Sehstörungen
- Pubertas praecox
Dottersacktumor des ZNS Therapie zu:
Dottersacktumor des ZNS
Therapie
Dottersacktumor des ZNS
Die therapeutischen Möglichkeiten beim Dottersacktumor umfassen folgendes: [4]
Nach Histologie und Ausbreitung:
- neoadjuvante Chemotherapie mit Etoposide, Carboplatin, Ifosfamid
- evtl. neoadjuvante Radiatio: 30 Gy kraniospinal + 15 Gy Tumorboost
- vorsichtige Resektion (selten radikal möglich)
- adjuvante Radiatio
Dottersacktumor des ZNS Komplikationen zu:
Dottersacktumor des ZNS
Komplikationen
Dottersacktumor des ZNS
Beim Dottersacktumor kommen folgende Komplikationen vor: [2]
- evtl. rasche Progredienz und lokale Infiltration
- hämatogene Metastasierung
- letaler Verlauf
Dottersacktumor des ZNS Zusatzhinweise zu:
Dottersacktumor des ZNS
Zusatzhinweise
Dottersacktumor des ZNS
Die Prognose des Dottersacktumors:
- 5-jährige Überlebenschance: 27%
- mittlere Überlebensdauer liegt bei 14 Monaten. [3]
Dottersacktumor des ZNS Literaturquellen zu:
Dottersacktumor des ZNS
Literaturquellen
Dottersacktumor des ZNS
- (2010) Ricardo V. Lloyd - Endocrine Pathology:: Differential Diagnosis and Molecular Advances - Springer, Berlin, Heidelberg, New York
- (2006) Derek Raghavan Textbook of uncommon cancer, Band 355 - Wiley, West Sussex
- (2006) Kan P, Gottfried ON, Blumenthal DT, Liu JK, Salzman KL, Townsend J, Jensen RL. - Primary spinal yolk sac tumor with brain metastasis: case report and review of the literature. - J Neurooncol. Jul;78(3):249-53.
- (2010) Kyritsis AP. - Management of primary intracranial germ cell tumors. - J Neurooncol. 2010 Jan;96(2):143-9. Epub 2009 Jul 9. Review.
- (2001) Hirato J, Nakazato Y. - Pathology of pineal region tumors. - J Neurooncol. Sep;54(3):239-49. Review.
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