Dissoziierter Hirntod

Definition

Dissoziierter Hirntod

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Der dissoziierte Hirntod ist ein völliger und irreversibler Ausfall der gesamten Hirnfunktion bei noch erhaltenen übrigen Organfunktionen, gleichbedeutend mit dem Tod des Individuums.


Ätiologie

Dissoziierter Hirntod

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Die Ursachen des dissoziierten Hirntod sind:

  • jegliche irreversible Schädigung des Hirns (schweres Schädel-Hirn-Trauma, schwerste metabolische Störung, cerebrale Totalischämie, cerebrale Blutungen u.v.m.)
  • intensivmedizinscher Artefakt: ohne assistierte Beatmung tritt vor dem dissoziierten Hirntod der Tod aus kardiozirkulatorischer Ursache ein

Protokoll zur Feststellung des Hirntodes:

Personelle Anforderungen:

  • Feststellung des Hirntodes durch zwei mehrjährig erfahrene, voneinander unabhängige Ärzte
  • bei vorgesehener Organtransplantation müssen diese zusätzlich vom Transplantationsteam unabhängig sein

Epidemiologie

Dissoziierter Hirntod

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Gegenwärtig sind keine verbindlichen epidemiologischen Daten zum dissoziierten Hirntod verfügbar.


Differentialdiagnosen

Dissoziierter Hirntod

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Anamnese

Dissoziierter Hirntod

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Beim dissoziierten Hirntod sind folgende Informationen von Bedeutung:

Voraussetzung zur Feststellung des Hirntodes:

  • Vorliegen einer akuten, schweren primären oder sekundären Hirnschädigung; Anforderung ggf. belegender Untersuchungsbefunde (cCT)

Ausschlußdiagnostik vor Hirntoddiagnostik:

  • Intoxikation?: Fremdanamnese, Einsicht in Krankenakte, Medikamenten-Fremdanamnese, im Zweifelsfall toxikologisches Screening
  • Relaxation/neuromuskuläre Blockade?: im Zweifelsfall Abklingen etwaig applizierter Muskelrelaxanzien abwarten
  • Hypothermie?
  • Metabolisches oder endokrines Koma?: Blutzucker, H.a. Urämie, hepatisches Koma, Addison-Krise oder thyreotoxische Krise?
  • Kreislaufschock?: systolischer RR von mind. 90mm Hg muss gegeben sein

Diagnostik

Dissoziierter Hirntod

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Zur diagnostischen Abklärung des dissoziierten Hirntod sind relevant:

2 Schritte zur Feststellung des dissoziierte Hirntodes:

  1. Feststellung einer schweren Hirnschädigung
  2. Feststellung der Irreversibilität der Hirnschädigung durch zweimalige Untersuchung im Verlauf oder einmalige Untersuchung plus apparative Zusatzuntersuchungen

zu 1.) Feststellung klinischer Symptome (siehe Klinik)

zu 2.) Nachweis der Irreversibilität:

a.) Alters- und ursachenspezifisches Vorgehen:

Patienten > 2 Jahre:

  • primäre supratentorielle Hirnschädigung: zweimalige klinische Untersuchung im Abstand von 12 h oder einmalige Untersuchung durch 2 Untersucher + apparative Zusatzuntersuchungen
  • sekundäre Hirnschädigung: zweimalige klinische Untersuchung im Abstand von 72 h oder einmalige Untersuchung durch 2 Untersucher + apparative Zusatzuntersuchungen
  • primäre infratentorielle Hirnschädigung: zusätzlich zur klinischen Untersuchung ergänzend Nachweis eines Null-Linien-EEGs oder eines cerebralen Perfusionsstillstands

Säuglinge und Kleinkinder:

  • obligate Beobachtungszeit von 24 h
  • bei Erst- und Zweituntersuchung obligat EEG oder Nachweis eines cerebralen Perfusionstillstandes

Neugeborene:

  • obligate Beobachtungszeit von 72 h
  • bei Erst- und Zweituntersuchung obligat EEG oder Nachweis eines cerebralen Perfusionstillstandes

b.) Apparative Zusatzuntersuchungen


  • Nachweis eines Null-Linien-EEGs über 30 Min.
  • evozierte Potentiale: Hirnstamm-AEP, Medianus-SEP
  • Feststellung eines zerebralen Zirkulationsstillstandes (2 x dopplersonographisch oder angiographisch)

Klinik

Dissoziierter Hirntod

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Der dissoziierte Hirntod kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Koma mit fehlender Reaktion auf Schmerzreize
  • beidseitiger Ausfall der Hirnstammreflexe (beidseitige Mydriasis, fehlender okulozephaler Reflex, fehlender Kornealreflex, fehlender Trigmenius-Schmerzreizreflex, fehlender Pharyngeal-/Trachealreflex)
  • Ausfall der Spontanatmung bei Anstieg des pCO2 > 60 mmHg (Apnoetest, obligat)

Therapie

Dissoziierter Hirntod

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Es gibt keine therapeutischen Möglichkeiten beim festgestelltem dissoziiertem Hirntod.


Komplikationen

Dissoziierter Hirntod

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Beim dissoziierten Hirntod kommen folgende Komplikationen vor:

  • Hirntod als ultimative, irreversible Komplikation anderer Zustände

Zusatzhinweise

Dissoziierter Hirntod

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  • Todeszeitpunkt ist der Zeitpunkt, zu dem die Hirntoddiagnostik vollständig abgeschlossen ist
  • nach der Feststellung des Hirntodes können intensivmedizinische Maßnahmen beendet werden
  • Einverständnis zur Organspende klären!

Literaturquellen

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1. Gleixner C, Müller M, Wirth S (2007) - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach

2. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

3. Grehl H, Reinhardt F (2008) - Checkliste Neurologie,  4. überarbeitete und aktualisierte Auflage - Georg Thieme Verlag, Stuttgart

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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