Diffuses Effluvium

Synonyme: Diffuser Haarausfall

Definition

Diffuses Effluvium

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Als diffuses Effluvium wird der ungleichmäßig über dem ganzen Kopf verteilte Ausfall von mehr als 100 Kopfhaaren pro Tag bezeichnet.

Je nach Art der Schädigung unterscheidet man ein telogenes von einem anagen-dystrophischen Effluvium.


Ätiologie

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Zur Ursache des diffusen Effluviums:

Zahlreiche Medikamente verursachen einen verstärkten Haarausfall:

  • Analgetika
  • Ketokonazol
  • ACE-Hemmer
  • Antilipämika
  • Hormonpräparate (Pille)
  • Zytostatika
  • Thyreostatika
  • Acitretin
  • Interferon
  • Antikoagulanzien
  • Steroide

Zu klären ist, ob ein möglicher Haarausfall Folge anderer Erkrankungen darstellt:

  • Alopezie vom Frühtyp / Anagen-dystrophisches Effluvium (Ausfall nach 1-3 Wochen): schwere toxische Schädigung
  • Alopezie vom Spättyp / Telogenes Effluvium (Ausfall 2-4 Monate später): schwache Noxe. Umwandlung der Anagenhaare in Telogenhaare, physiologisch nach Schwangerschaft (reversibel) und Senium (chronisch).
    • Psychischer Stress (reversibel)
    • hohes Fieber (reversibel)
    • Infektionskrankheiten (reversibel außer bei AIDS)
    • Eisenmangel (reversibel bei Substitution)
    • Hepatopathien (chronisch)
    • konsumierende Erkrankungen (chronisch)
    • Hashimoto-Thyreoditis (chronisch) reversibel nach Therapie
    • androgenetisch (ohne Therapie progredient)
    • Alopecia areata diffusa (reversibel)
    • Seborrhoisches Kopfekzem (reversibel bei Therapie)
    • Pityriasis simplex capitis (reversibel bei Therapie)
    • Psoriasis captitis (reversibel bei Therapie)
    • medikamentös reversibel nach Absetzen (z.B. Androgene, Antikoagulanzien, Lipidsenker, Thyreostatika)
    • durch Mangelernährung

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie des diffusen Effluviums sind derzeit keine Daten verfügbar.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei dem diffusen Effluvium sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Haarausfall mit Anzahl (bis 100 täglich ist normal)
  • Dauer?
  • Nachwachsen der Haare?
  • Haarstruktur?
  • Kopfhautschuppung?
  • Kopfhautjucken?
  • Bisherige Therapie?
  • Medikamenteneinnahmen (s. Ätiologie)?
  • Zyklusunregelmäßigkeiten?
  • Zeitpunkt der letzten Regelblutung (wichtig für die Analyse des Hormonstatus)
  • Geburten? Menopause?
  • Internistische Erkrankungen (Anämie, Schilddrüse, Autoimmun?)
  • Vorausgegangene Infektionen, OPs, Narkosen.
  • Familienanamnese

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung des diffusen Effluviums sind relevant:

Anamnese, Klinisches Bild

Trichogramm (Haarwurzeluntersuchung):

  • anagen-dystrophes Effluvium → ehöhter Anteil dystrophischer Anagenhaare
  • telogenes Effluvium → erhöhter Anteil von Telogenhaaren

Sinnvolle Laboruntersuchungen:


Klinik

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Das klinische Bild des diffusen Effluvium zeigt sich folgendermaßen:

  • beim anagen-dystrophen Effluvium kommt es häufig zu einer Alopezie des gesamten Kapillitiums
  • beim telogenen Effluvium häufig diffuser Haarausfall ohne auffällige Alopezie

Durch eine genauere Inspektion an der Kopfhaut ist ein häufig subjektives Empfinden von Haarausfall von deutlichem pathologischen Effluvium zu unterscheiden.

Wichtig außerdem:

  • Zupftest
  • Trichogramm
  • Kopfhautschuppung?
  • Entzündliche Kopfhautveränderungen?

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei diffusem Effluvium umfassen folgendes:

  • Bei internistischen Erkrankungen wird die Grunderkrankung(en) therapiert.
  • Haarausfall durch Arzneimittel: Umsetzen des Medikaments auf möglichst andere Substanzgruppe
  • Zur Unterstützung oder bei nicht geklärter Ursache: Zuführung von Aufbaustoffen durch Arzneimittel, insb. Kombination aus Aminosäuren, B-Vitaminen und Hefe (Cystin und Gelatine bzw. Biotin 5mg) täglich für mindestens 3 - 6 Monate

Komplikationen

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Zu den Komplikationen des diffusen Effluviums liegt derzeit keine weitere Information vor.


Zusatzhinweise

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Zu dem diffusen Effluvium liegen derzeit keine weitere Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

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  1. (2005) Braun-Falco O, Plewig G, Wolff HH, Burgdorf WHC, Landthaler M  – Dermatologie und Venerologie – Springer, Heidelberg
  2. (2007) Petres, Rompel - Operative Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Springer
  3. (2009) Rassner G - Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  4. (2009) Fritsch P - Dermatologie und Venerologie für das Studium - Springer
  5. (2007) Altmeyer P - Dermatologische Differenzialdiagnose, Der Weg zur klinischen Diagnose - Springer
  6. (2005) Braun-Falco O, Plewig G, Wolff HH, Burgdorf WHC, Landthaler M - Dermatologie und Venerologie - Springer, Heidelberg
  7. (2003) Jung E, Moll I - Dermatologie - Thieme, Duale Reihe
  8. E. Mayatepek - Pädiatrie - Urban u. Fischer
  9. H. Traupe, H. Hamm - Pädiatrische Dermatologie - Springer Verlag

Assoziierte Krankheitsbilder zu Diffuses Effluvium

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