Diabetische Angiopathie

Synonyme: Diabetische Gefäßkrankheit

Definition

Diabetische Angiopathie

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Die diabetische Angiopathie ist eine Gefäßerkrankung die als Spätkomplikation eines Diabetes mellitus auftritt.


Ätiologie

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Ursachen der diabetischen Angiopathie:

  • funktionelle Gefäßwandveräderung
  • erhöhter Kapillardruck
  • struktuelle Schädigung in Mikrostrombahn
  • Durchblutungsminderung

Die diabetische Angiopathie manifestiert sich als:

  • Makroangiopathie (periphere arterielle Verschlußkrankheit, besonders der Aa. tibialis und fibularis)
  • Mikroangiopathie (Wandvedickung der Kapillaren, kann trotz tastbarer Pulse zu Nekrose führen)

Epidemiologie

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Die diabetische Angiopathie ist eine häufige Komplikation des Diabetes mellitus:

  • die Prävalenz des Fußulkus beträgt in der diabetischen Bevölkerung in verschiedenen Ländern 2-10%, die entsprechende jährliche Inzidenz beträgt 2-6%
  • in Deutschland werden 70% aller Amputationen bei Diabetikern durchgeführt (1)

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Beim Verdacht auf diabetische Angiopathie sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Diabetes mellitus?
  • Hypertonie?
  • Nikotin-, Koffeinkonsum?
  • Fußpflege?
  • Operationen?
  • Vorerkrankungen (periphere arterielle Verschlusskrankheit, Neuropathie)
  • Fußfehlstellungen?
  • Gelenkbeschwerden?

Diagnostik

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Die diagnostischen Maßnahmen bei einer diabetischen Angiopathie:

  • Anamnese
  • Pulsstatus/Strömungsgeräusche
  • Duplex-Sonographie
  • Oszillographie
  • MR-Angiographie
  • Neurologische-, ophthalmologische-, nephrologische Untersuchung

Klinik

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Zu der klinischen Symptomatik einer diabetischen Angiopathie gehören:

bei Makroangiopathie:

  • die Beschwerden entsprechen den der peripheren chronischen arteriellen Verschlusskrankheit
  • Claudicatio

bei Mikroangiopathie:

  • Visusstörung (bei diabetische Retinopathie)
  • Nierenfunktionsstörungen (Glomerulosklerose bei diabetischer Nephropathie)
  • akrale Durchblutungsstörungen

Therapie

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Bei der diabetischen Angiopathie gibt es folgende Therapiemöglichkeiten:

  • Meidung der Risikofaktoren
  • gute Einstellung des Diabetes mellitus
  • optimierung der Stoffwechselsituation (Diät, sportliche Aktivität)
  • optimierung des Blutdruckes (< 130/80)
  • Antithrombotische Therapie: ASS 100 mg/Tag, bei Kontraindikationen: Clopidogrel 75 mg/Tag
  • optimierung des LDL-Cholesterin-Spiegels (<100 mg/dl)
  • Ulkusprophylaxe: Fußpflege, gepolsterte Innensohlen, nicht barfuß laufen

Insulintherapie, zur Verfügung stehen folgende Insuline:

  • sehr kurz wirkende Insuline - Insulin glulisin, Insulin lispro und Insulin aspart (ähnlich wirksam ist das inhalative Insulin) - Wirkeintritt 15 min, Wirkmaximum 1 h, Wirkdauer 2 - 3 h;
  • kurz wirksame Insuline - Normalinsuline - Wirkeintritt 30 min, Wirkmaximum 2 h, Wirkdauer 4 - 6 h;
  • mittellang wirksame Insuline = Intermediärinsuline = NPH Insuline - Wirkeintritt 2 h, Wirkmaximum 4 - 6 h, Wirkdauer 8 - 12 h;
  • lang wirksames Insulin - Insulin Detemir - Wirkeintritt 3 - 4 h, Wirkmaximum 6 - 8 h, Wirkdauer 16 - 20 h;
  • sehr lang wirksames Insulin - Insulin Glargin - Wirkeintritt 3 - 4 h, Wirkmaximum 6 - 8 h, Wirkdauer 20 - 40 h.

Komplikationen

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Schwere Komplikationen der diabetischen Angiopathie sind plötzlich auftretende ischämische Nekrosen, vorwiegend im Zehenbereich (diabetische Gangrän, diabetisches Fußsyndrom). (2)


Zusatzhinweise

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Die Risikofaktoren der diabetischen Angiopathie:

  • Diabetes
  • Neuropathie
  • arterielle Verschlusskrankheit
  • Alter des Patienten

weitere Risikofaktoren:

  • Adipositas (BMI≥35)
  • Arthropathie oder Gelenkimplantat
  • Barfußlaufen
  • eingeschränkte Gelenkmobilität
  • Visuseinschränkung
  • Hornhautschwielen
  • Immunsuppression
  • mangelnde/falsche Fußpflege
  • Suchtkrankheiten (Rauchen, Alkoholismus)
  • ungeeignetes Schuhwerk

Kontrollintervalle:

  • keine sensorische Neuropathie: 1 x jährlich
  • sensorische Neuropathie: 1 x alle 6 Monate
  • sensorische Neuropathie + Zeichen einer pAVK: 1 x alle 3 Monate
  • früheres Ulkus: 1 x alle 1-2 Monate

Literaturquellen

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  1. (2010) AWMF - Leitlinie - Nationale Versorgungsleitlinie, Typ-2-Diabetes, Präventions- und Behandlungsstrategien für Fußkomplikationen
  2. (2009) Fritsch P - Dermatologie und Venerologie für das Studium - Springer
  3. (1998) Ludwig M - Angiologie in Klinik und Praxis - Thieme

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