Diabetes mellitus Typ 2

Synonyme: kindlicher Zuckerkrankheit, kindlicher Diabetes Typ II

Definition

Diabetes mellitus Typ 2

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Diabetes mellitus ("honigsüßer Durchfluss") Typ II  ist eine teils ererbte teils erworbene chronisch progrediente Stoffwechselkrankheit. Meist beginnt er im mittleren Alter mit einer Insulinresistenz und führt im Verlauf zu einer Insulinsekretionsstörung .


Ätiologie

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Entscheidend sind für den Diabetes mellitus Typ II drei Ursachen:

  • Genetische Veranlagung (50% Konkordanz bei eineiigen Zwillingen)
  • Übergeweicht, insbesondere bei viszeraler Fettansammlung
  • Bewegungsmangel

Pathogenetisch spielen 2 Störungen eine Rolle:

  • Herabgesetzte Insulinwirkung (Insulinresistenz)
  • Gestörte Insulinsekretion (insbesondere frühe postprandiale Insulinsekretion gestört)

Epidemiologie

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  • Die Prävalenz des Diabetes Typ 2 bei den 0 – 20 Jährigen in Deutschland betrug 2004 2,3:100.000[1]
  • Die Prävalenz in der Gesamtbevölkerung liegt momentan bei ca. 7%, (6 mio Patienten).
  • Bei den über 60 - Jährigen sind es sogar 18 - 28%
  • Von allen Diabetikern haben 95% einen Diabetes Typ 2[7]
  • Gemessen an der Häufigkeit der Diagnose belegt der Diabetes Typ II Platz 4 in den Praxen der hausärztlichen Internisten (11%) und 
  • Platz 5 bei den Allgemeinmedizinern (8%)
  • Häufig tritt der Diabetes Mellitus Typ II zusammen mit Adipositas, Hyperlipidämie und Hypertonie als Metabolisches Syndrom auf[3]

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Der Diabetes Mellitus Typ II ist in der Pädiatrie meist ein symptomloser Screeningbefund. Folgende Informationen spielen eine Rolle:

  • Typ 2 Diabetiker in erst - oder zweitgradiger Verwandtschaft
  • Zugehörigkeit zu einer gefährdeten Bevölkerungsgruppe (z.B Ostasiaten, Afroamerikaner, Hispanier)
  • Häufiges Wasserlassen?Vermehrter Durst?
  • Häufige Erkältungen, Harnwegsinfekte, etc?
  • Schlechte Heilung von Wunden?
  • Häufig Heißhunger? Schwitzen?
  • Oft müde? Leistungsknick?

Diagnostik

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Ein oraler Glukosetoleranztest sollte bei adipösen Kindern (>90 Perzentile) und Vorliegen von mindestens zweien der folgenden Risikofaktoren gemacht werden:

  1. Typ 2 Diabetiker in erst - oder zweitgradiger Verwandtschaft
  2. Zugehörigkeit zu einer gefährdeten Bevölkerungsgruppe (z.B Ostasiaten, Afroamerikaner, Hispanier)
  3. Extreme Adipositas > 99,5. Perzentile
  4. Erste Anzeichen einer Insulinresistenz oder von Folgeschäden ( erhöhte Transaminasen, arterieller Hypertonus, polyzystisches Ovarialsyndrom, Dyslipidämie, Acanthosis nigricans)

Werden folgende Grenzwerte überschritten, muss am nächsten Tag eine Prüfung erfolgen. Ist diese ebenfalls positiv steht die Diagnose Diabetes.

  • Nüchtern Plasmaglukose >126 mg/dl (7mmol/l)
  • OGTT nach 2h > 200 mg/dl (11mmol/l) Glukose
  • Der HBA1c dient der Verlaufskontrolle. Bei Kindern sollte er < 7% sein und alle 3 Monate bestimmt werden.

Klinik

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Das klinische Bild des Diabetes mellitus Typ 2 zeigt sich folgendermaßen:

  •  Allgemeinsymptome: Müdigkeit, Schwinden der Muskelmasse, Gewichtsabnahme. Heißhunger
  • Polyurie
  • Polydipsie
  • Immunschwäche → Häufige Infekte (HWI, "Grippe", Hautinfektionen, Mykosen, etc.) können erste Symptome sein.
  • generalisierter oder lokaler  Pruritus
  • Sehstörungen
  • bes. nächtliche Krampfneigung[7]

Therapie

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Die Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 umfasst folgendes:

Ziel der Therapie ist die möglichst normnahe Blutglucoseeinstellung; als wichtiger Meßparameter gilt der HbA1c (< 7%).

Erstmaßnahmen bei Diagnose

  • Schulung
  • Ernährungsumstellung
  • Bewegungstherapie
  • Blutglucosekontrolle

Kontrolle nach 3 - 6 Monaten:

Bei Senkung des HBA1c auf < 7%:

weiter Kontrolle nach 3 Monaten

Bleibt der HBA1c > 7%:

  • Metformin  initial 0,5g eine Woche abends zum Essen, dann 1 Woche 0,5g (1-0-1), schliesslich 1g (1-0-1) - Titration nach Verträglichkeit

Bei fehlendem Erfolg nach 3 - 6 Monaten:

  • Langzeitinsulin abends
  • kurzwirksames Insulin zu den Mahlzeiten

HBA1c nach 3 Monaten noch > 7%

  • Intensivierte konventionelle Insulintherapie[1]

Komplikationen

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Der Diabetes Mellitus Typ 2 führt zu folgenden Komplikationen:

  • Mikro - und makrovaskuläre Störungen, zu diesen gehören:
  1. Diabetische Retinopathie und Makulopathie  – die häufigsten Ursachen für Erblindungen von 40 – 80 Jährigen in der westlichen Welt. Führt nach acht Jahren zu einer vierfachen Erhöhung des kardiovaskulären Mortalitätsrisikos
  2. Diabetisches Fußsyndrom – Grund für über 29.000 Minor – und Majoramputationen jährlich in Deutschland [3]
  3. Diabetische Neuropathie mit peripheren Empfindungsstörungen bis zum Verlust der peripheren Sensibilität
  4. Ulzerationen und  Wundheilungsstörungen
  5. Erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre und  ischämische Ereignisse und die Entwicklung einer Herzinsuffizienz
  6. pAVK

Ausserdem treten auf

  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Diabetische Nephropathie
  • Ketoazidotisches Koma, dass unbehandelt zum Tod führt
  • Nachlassen von Libido und Potenz
  • Amenorrhoe
  • Diabetische Embryopathie und Fetopathie bei Entgleisungen des Blutzuckers während der Schwangerschaft

Zusatzhinweise

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Beim kindlichen Diabetes Typ 2 werden zur Verhütung folgender Folgeschäden werden Screeninguntersuchungen empfohlen:

  • Retinopathie –Fundoskopie - alle 1-2 Jahre ab dem 11.Lj. oder dem 5 Jahr nach Diagnose des Diabetes
  • Nephropathie – Albuminmessung jährlich ab dem 11.Lj. oder dem 5 Jahr nach Diagnose des Diabetes
  • Neuropathie – Anamnese, Berührungs - und Vibrationsempfindlichkeit, Eigenreflexe - bei langfristig schlechtem HBA1c oder großen Blutzuckerschwankungen jährlich ab dem 11.Lj oder dem 5 Jahr nach des Diabetes
  • Hypertonie – Ruhe RR - alle 3 Monate – jährlich ab dem 11. Lj.
  • Hyperlipidämie Gesamtcholesterin, HDL, LDL, TG -  im ersten Jahr nach Diagnose, dann alle 2 Jahre, vor der Pubertät alle 5 Jahre[1]

Literaturquellen

Diabetes mellitus Typ 2

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  1. (2009) Neu A. et al - Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes und Jugendalter - aus Supplement - Praxisleitlinien der DDG S2 2009 - S. 166ff
  2. (2008) Kerner W, Brückel J. Definition, Klassifikation und Diagnosti Diabetologie ; 3 Suppl 2: S.131–S.133
  3. (2010) Nationale Versorgungsleitlinie Typ -2 Diabetes -Präventions - und Behandlungsstrategien für Fußkomplikationen
  4. (2008)  Scheerbaum W. A., Haak T. - Evidenzbasierte Leitlinien der DDG (Grad 3)- Medikamentöse antihyperglykämische Therapie des Diabetes mellitus Typ 2
  5. (2008) Matthaei S, Häring HU. Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2. Diabetologie ; 3 Suppl 2: S.157 – S.161
  6. (2009) Herold Innere Medizin
  7. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier

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