Condylomata acuminata der Zervix

Synonyme: Feigwarzen der Zervix, Feuchtwarzen der Zervix, HPV der Zervix, humanes Papillomavirus der Zervix, spitze Kondylome der Zervix, Papillomavirusinfektion der Zervix

Definition

Condylomata acuminata der Zervix

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Bei Condylomata acuminata handelt es sich um Genitalwarzen, die durch eine anogenitale HPV-Infektion ausgelöst werden.


Ätiologie

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Ursachen der Condylomata acumata sind:

  • Papillomviren gelangen über Mikroverletzungen zum Stratum basale der Epidermis und verursachen nach einer unbestimmten Latenzzeit ein verstärktes Zellwachstum.
  • Genitalwarzen wachsen am besten unter feuchtwarmer Umgebung wie unter der Vorhaut, am Anus und auf den kleinen Labien.
  • Erkrankung hervorgerufen durch HPV Typ 6, 11, 40, 42-44, selten durch Typ 16, 18, 31, 32
  • Übertragung durch Geschlechtsverkehr
  • Inkubationszeit 4 Wochen bis Monate
  • Cave: Übertragung während der Geburt auf das Neugeborene

Prädisponierende Faktoren:

  • häufige und frühe Sexualkontakte
  • Promiskuität
  • HIV
  • Trauma
  • Mazeration
  • Balanitis
  • Phimose
  • Urethritis
  • Fluor vaginalis
  • Hämorrhoiden
  • Analekzem
  • Intertrigo
  • Lues
  • Zigartettenrauchen
  • Immunsuppressiva
  • Chemotherapie

Befallene Körperregionen:

1.) Frauen:

  • Vulva
  • Vagina
  • Zervix
  • Urethra
  • Perianalregion

2.) Männer:

  • Penisschaft
  • Glans
  • Perianalregion
  • Analkanal

Epidemiologie

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Epidemiologie der Condylomata acuminata:

  • häufigste sexuell übertragbare Krankheit
  • bei 60% aller Menschen sind HPV-Antikörper nachweisbar
  • über 100 Virustypen bekannt
  • Jährlich treten ca. 30 Millionen neue Erkrankungen weltweit auf.
  • Die Prävalenz der Condylomata acuminata liegt bei etwa 1-2% der sexuell aktiven Bevölkerung im Alter zw. 15 und 45 Jahren.
  • In Deutschland erkranken 53.000 Frauen im Jahr an Condylomata acuminata (Condylomata lata und acuminata)
  • 10% der Frauen sind weltweit beroffen von Condylomata acuminata
  • peripartale Infektion von Neugeborenen ist sehr selten
  • Risiko von 1:1500 für das Kind, Larynxpapillome oder kondylome des Genitales durch perpartale Infektion zu erhalten
  • Lebenszeitprävalenz 70 - 80 %, wovon allerdings nur 10 % Kondylome entwickeln
  • Altersgipfel 20.-25. Lebensjahr.

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Relevante Informationen zur Diagnosestellung von Condylomata acuminata sind:

  • Juckreiz?
  • Schmerzen?
  • Kontaktblutung?
  • Seit wann?
  • Sexuelle Aktivität?
  • Häufig wechselnde Sexualpartner?
  • Genitalhygiene?
  • Vorhautverengung?
  • Partner mitbetroffen?
  • Immunsupprimierung

Diagnostik

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Diagnostik der Condylomata acuminata:

  • Diagnose in der Regel klinisch möglich
  • Inspektion: vereinzelte oder in Gruppen angeordnete, blumenkohlartige, hautfarbene oder rötlich-baune Feigwarzen
  • Exzisionsbiopsie nur bei unsicherer klinischer Diagnose
  • Betupfen mit verdünnter Essigsäure (5 min. Applikation von 5%iger Essigsäure) = Weißfärbung der Warzen
  • Nachweis der Virus-DNA durch PCR oder Hybridisierung
  • bei vaginalem Befall: Kolposkopie
  • bei Befall der Analregion Proktoskopie

Klinik

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Die Condylomata acuminata können ein oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Zunächst bilden sich kleinste, stecknadelkopfgroße rötliche Knötchen
  • Nehmen mit der Zeit an Zahl und Größe zu, werden papillomatös und wachsen zu blumenkohlartigen gebilden heran
  • Es entstehen gestielte Vegetationen, die sich auseinander blättern lassen
  • Setzt Mazeration ein werden sie porzellanfarben, matschig, über riechend und schließlich nekrotisch
  • Lokalisation bei der Frau: große und kleine Labien bis zum Introitus vaginae
  • Lokalisation beim Mann: Sulcus coronarius und das innere Präputialblatt
  • meist keine Allgemeinbeschwerden
  • Evtl. Brennen, Juckreiz, Fluor vaginalis, Dyspareunie

Beim Neugeborenen:

  • Larynxpapillome
  • genitoanale Kondylome

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Condylomata acuminata umfassen folgendes:

Kaustische Therapie:

  • Trichloressigsäure 80-90%

Chirurgische Verfahren:

  • Entfernung durch Scherenschlag/Kürettage
  • Kryotherapie
  • Elektrochirurgie
  • Lasertherapie (CO2-Laser, Nd-YAG-Laser)

Chemotherapie:

  • Podophyllotoxin-0,5%-Lsg. wird vom Pat. mittels eines Wattetupfers aufgetragen
  • Podophyllotoxin-0,15%-Creme mit dem Finger 2 x tägl. über 3 Tage auf die genitalen Warzen aufgetragen. Anschließend 4 Tage Pause und Wiederholung bis zu max. 4 Zyklen. (max. therapierbare Warzenfläche: 10 cm2, maximale Tagesdosis: 0,5 ml)

Immuntherapie:

  • Interferon-Therapie (lokal Fiblaferon-Salbe, intraläsionär)
  • kann bei Behandlung mit chirurg. Verfahren kombiniert werden
  • CAVE: erhebliche NW bei system. Behandlung
  • Imiquimod-5%-Creme
  • Lokaltherapie der Feigwarzen 3-mal/Woche nachts bis zu max. 16 Wochen
  • behandeltes Areal 6 - 10 h später mit Wasser abwaschen
  • Geschlechtspartner mitbehandeln!
  • Kontrolle des therapeut. Erfolgs über 12 Monate
  • Schutzmaßnahmen bei Bbehandlung!
  • Absaugen der Dämpfe bei Laserkoagulation: Freisetzen der Viren!

Komplikationen

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Als Komplikationen der Condylomata acuminata können auftreten:

  • maligne Entartung (hohes Potential bei HPV-Typ 6, 8, 11 & 16)
  • Balanitis
  • Druckusuren mit Fensterung
  • intraanale Foci
  • Ulzerationen
  • Blutungen
  • Sekundärinfektionen
  • Riesenkondylome
  • in der Schwangerschaft in seltenen Fällen Verlegung des Geburtsweges durch Condylomata gigantea möglich
  • Larynxpapillomatose beim Neugeborenen

Zusatzhinweise

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Als Zusatzhinweise zu Condylomata acuminata sind zu beachten:

  • HPV-Typ 6, 8, 11 & 16 weisen ein außerordentlich hohes maligniesierendes Potential auf (Behandlungspflicht)
  • bei der Hälfte der befallenen Kindern liegt ein sexueller Missbrauch zugrunde (Hintergründe eruieren!)
  • Gehäuftes und v.a. therapierefraktäres Vorkommen bei HIV-Erkrankten
  • Prophylaktische: Sexualhygiene durch Kondome
  • Vorsorgeuntersuchungen mit gynäkologischer Untersuchung
  • HPV - Screening ist ab dem 30. Lebensjahr empfohlen
  • Spontane Remission in 30 % der Fälle
  • Nach operativer Entfernung 25%-ige Rezidivwahrscheinlichkteit

Literaturquellen

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