Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Kopfschmerz)

Synonyme: Bing-Horton-Kopfschmerz, Erythroproposopalgie

Definition

Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Kopfschmerz)

Bearbeitungsstatus ?

Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Kopfschmerz) ist ein einseitiger, in Attacken auftretender, extrem starker Kopfschmerz, der häufig hinter dem Auge lokalisiert ist. Er kann episodisch auftreten, wobei Monate oder sogar Jahre zwischen den Attacken liegen können. Tritt der Schmerz regelmäßig über mehr als 1 Jahr auf spricht man von chronischem Cluster-Kopfschmerz. Fast immer treten während der Attacken autonome Belgleitsymptome wie Lakrimation, Rhinorrhö oder Lidschwellungen auf.


Ätiologie

Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Kopfschmerz)

Bearbeitungsstatus ?

Die Ursachen des Cluster- Kopfschmerz sind derzeit noch nicht bekannt.

  • Entzündliche Veränderungen der Gefäße wurden lange als Ursache diskutiert, gelten heute allerdings eher als Folge des Cluster-Kopfschmerz.
  • Genetische Faktoren spielen vermutlich eine Rolle.
  • Der Hypothalamus und seine Funktion als Schaltzentrale für den Schlaf-Wach-Rhythmus werden derzeit als Ursache diskutiert..
  • Nikotin, Alkohol, körperliche Anstrengung und der Aufenthalt in großen Höhen können die Anfälle auslösen.

Epidemiologie

Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Kopfschmerz)

Bearbeitungsstatus ?

Folgende epidemiologische Daten zum Cluster- Kopfschmerz liegen derzeit vor:

  • Prävalenz: 0,1-0,9%
  • w : m = 3:1
  • Die Erkrankung kann sich in jedem Alter manifestieren, tritt jedoch gehäuft zwischen dem 28. und 30. Lebensjahr auf
  • 15 Jahre nach dem Auftreten der ersten Attacken leider 80% der Patienten noch immer am Cluster-Kopfschmerz

Differentialdiagnosen

Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Kopfschmerz)

Bearbeitungsstatus ?

Anamnese

Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Kopfschmerz)

Bearbeitungsstatus ?

Beim Cluster- Kopfschmerz sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Tritt der Schmerz einseitig auf?
  • Schmerz hinter dem Auge am stärksten?
  • Kurze, sehr intensive Schmerzattacken?
  • Treten die Attacken gehäuft nachts kurz nach dem Einschlafen bzw. am frühen Morgten, sowie bevorzugt im Frühjahr/ Herbst auf?
  • Treten zustätzlich Symptome wie gerötete Bindehaut, tränendes Auge, laufende Nase, plötzliches Schwitzen auf?

Diagnostik

Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Kopfschmerz)

Bearbeitungsstatus ?

Zur diagnostischen Abklärung des Cluster- Kopfschmerz sind relevant:

  • Neurologischer Status unter besonderer Beachtung der Lokalregion
  • Evtl. augenärztliche Abklärung zum Ausschluß eines Glaukoms
  • MRT, CCT, EEG, Liquoruntersuchung zur Ausschlußdiagnostik

Klinik

Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Kopfschmerz)

Bearbeitungsstatus ?

Der Cluster- Kopfschmerz kann eins oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

1) Schwere unilaterale (supra-)orbitale und/ oder temporale Kopfschmerzen zwischen 15-180 min Dauer. Bis zu 8 Attacken pro Tag. Die Schmerzen treten oft jeden Tag zur gleichen Zeit auf. Es findet sich eine Häufung der Attacken 1-2 Stunden nach dem Einschlafen und am frühen Morgen.

2) Mindestens eines der folgenden Begleitsymptome unilateral zum Kopfschmerz:

  • konjunktivale Injektion
  • Lakrimation
  • Rhinorrhoe
  • Miosis
  • Ptosis
  • Lidödem
  • Schwitzen in Gesicht und Stirn

Therapie

Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Kopfschmerz)

Bearbeitungsstatus ?

Die therapeutischen Möglichkeiten beim Cluster- Kopfschmerz umfassen folgendes:

Akutbehandlung:

  • 7 (-15) l reiner Sauerstoff per Maske (in sitzender Position) für ca. 15 min.
  • Zolmitriptan (5 mg p.o. oder nasal) oder Sumatriptan (6 mg s.c. oder 20 mg nasal)
  • Lidocain (4% nasal)

Prophylaxe:

  • Verapamil (3x80mg bis zu 480mg/d) (EKG)
  • Prednisolon (100-250 mg/d)
  • Lithium: (600- 1500 mg/d)
  • Topiramat: (100-120 mg/d)
  • Methysergid (bis zu 12 mg/d) Maximale Therapiedauer: 6 Monate

Operative Verfahren bringen nur selten eine Besserung der Symptome und bergen zudem das Risiko einer weiteren Verschlimmerung (z.B. durch Schädigung des N. trigeminus). Sie sollten daher als allerletzte Option in Betracht gezogen werden.

Eine gezielte Tiefenhirnstimulation des Hypothalamus hat in einigen Fällen zu einer signifikanten Besserung geführt. Derzeit liegen jedoch noch keine ausreichenden Daten zu diesem Verfahren vor.


Komplikationen

Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Kopfschmerz)

Bearbeitungsstatus ?

Folgende Komplikationen des Cluster- Kopfschmerz liegen derzeit vor:

  • In schweren Fällen kann die Erkrankung zur Arbeitsunfähigkeit, sowie zu einem sozialen Rückzug der Betroffenen führen. Psythotherapeutische Begleitung kann hier angezeigt sein.

Zusatzhinweise

Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Kopfschmerz)

Bearbeitungsstatus ?

Folgende Zusatzhinweise zum Cluster- Kopfschmerz liegen vor:

  • Derzeit sind lediglich Sumatriptan (parenterale Gabe) und Lithium für die Behandlung des Cluster-Kopfschmerz zugelassen. Alle anderen Medikamente können derzeit nur im Rahmes des off-label-use angewendet werden.

Literaturquellen

Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Kopfschmerz)

Bearbeitungsstatus ?
  1. (2007) Brandt, Diener, Dichgans (Hrsg.): Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen. S. 15 ff
  2. (2008) Diener und Hacke (Hrsg.): Leitlinien für Diagnostik und Therapie neurologischer Erkrankungen.
  3. (2003) A. May, M. Leone: Update on cluster headache. Curr opin neurol: 16, 333-340
  4. (2000) Nappi, G., D. Russell: Symptomatology of cluster headache. In: The headaches. Philadelphia. 717-724
  5. (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  6. (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  7. (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  8. (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  9. (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  10. (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag
  11. (2008) Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie: http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/030-036.htm>

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von med2click kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen