Chronisches Beckenschmerzsyndrom

Synonyme: Abakterielle Prostatitis, Entzündliches CPPS, Prostatopathie, Prostatodynie, Nicht Entzündliches CPPS

Definition

Chronisches Beckenschmerzsyndrom

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Als chronisches Beckenschmerzsyndrom werden die chronische abakterielle Prostatitis (entzündliches chronisches abakterielles Schmerzsyndrom des Beckens) und die Prostatodynie (nicht entzündliches chronisches abakterielles Schmerzsyndrom des Beckens) zusammengefasst.


Ätiologie

Chronisches Beckenschmerzsyndrom

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Die Ursache des chronischen Beckenschmerzsyndroms kann häufig nicht genau bestimmt werden. Als multifaktorielle Komponenten gelten:

  • Genetisch - X-chromosomale Deletionen,
  • Psychogen - Stressassoziierte Prostatitis,
  • Immunologisch und autoimmunologisch,
  • Physikalisch - Reflux von Urin und stickstoffhaltigen Urinprodukten in die Prostatagänge, Verspannungen des beckenbodens "Beckenbodenmyalgie" usw.

Epidemiologie

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Zum chronischen Beckenschmerzsyndrom liegen derzeit keine epidemiologischen Angaben vor


Differentialdiagnosen

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Anamnese

Chronisches Beckenschmerzsyndrom

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Folgende Informationen sind zum chronischen Beckenschmerzsyndrom von Bedeutung:

  • Störungen beim Wasserlassen? Rezidivierende HWI?
  • Schmerzen vorhanden? Seit wann? Schmerzverlauf?
  • Partner mitbetroffen?
  • Sexuelle Probleme ?
  • Allgemeinzustand?
  • Vorerkrankungen?
  • Behandlungen?
  • Medikamente?
  • Nebenerkrankungen?

Diagnostik

Chronisches Beckenschmerzsyndrom

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  • Basisdiagnostik und Symptomenevaluierung des chronischen Beckenschmerzsyndroms (z.B. Anamnese, Klinische Untersuchung, Auswertung von Fragenbogen von NIH "chronic prostatitis symptom index")
  • Viergläserprobe - Gezielte Infektionsdiagnostik durch eine vergleichende quantitative Analyse von 1. Urin, Mittelstrahlurin, Prostatasekret und Exprimaturin (siehe Zusatzhinweise auch)
  • Entzündungsdiagnostik (Leukozytennachweis)
    TRUS (Transrektaler Ultraschall)
  • Abklärung der Blasenentleerung und Stufendiagnostik empfehlenswert IPSS-Score - Uroflowmetrie/Restharnmessung - Urethrogramm, Urethrozystoskopie - Zystomanometrie
  • Ejakulatkultur

Klinik

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Folgende Symptomen sind häufig bei Patienten mit  chronischem Beckenschmerzsyndrom anzutreffen:

  • Rezidivierende HWI ( Nur NIH II!)
  • Uncharakteristisches Spannungs-, Druck- und Kältegefühl in der Dammgegend mit Ausstrahlung im Hoden und Leisten
  • Beschwerden beim Geschlechtsverkehr und beim Stuhlgang
  • Entzündungssymptome (Brennen bei Miktion, Fluor, Hämatospermie)
  • Diffuse anogenitale Symptome
  • Zur Objektivierung, zur qualitativen und quantitativen Bewertung der Beschwerden sind standardisierte Fragenbögen unerlässlich : NIH - CPSI (chronic prostatitis symptom index) und GPSS (Giessen prostatitis symptom score)

Therapie

Chronisches Beckenschmerzsyndrom

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Das chronische Beckenschmerzsyndrom lässt sich folgendermaßen behandeln :

  • Multimodale symptomatische Therapie :
  1. α - Blocker (z.B. Tamsulosin 0,4 mg/d)
  2. Anticholinergika bei starker Drangsymptomatik (z.B. Trospiumchlorid 15-30 mg 1-2 x tgl.)
  3. Analgetika
  4. Muskelrelaxantien
  • Antibiotikum (Flurochinolone) trotz fehlendem Erregernachweis
  • Psychologische Beratung (Gesprächtherapie, Konfliktlösung bei Problemen, Verhaltenstherapie) und evtl. Therapieversuch mit Diazepam 3x2-5mg tgl.
  • Allgemeinmaßnahmen wie regelmäßige Stuhlentleerung, warme Unterwäsche, warme Sitzbäder usw.

Komplikationen

Chronisches Beckenschmerzsyndrom

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Das chronische Beckenschmerzsyndrom kann zu folgenden Komplikationen führen:

  • Infertilität
  • Urosepsis
  • Prostataabszess

Zusatzhinweise

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Es liegen derzeit keine weitere Zusatzhinweise zum chronischen Beckenschmerzsyndrom vor.


Literaturquellen

Chronisches Beckenschmerzsyndrom

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  • (2009) Gasser T - Basiswissen Urologie - Springer
  • (2009) Thüroff J - Urologische Differenzialdiagnose - Thieme
  • (2008) Keil J - Prüfungsvorbereitung Urologie - Thieme Verlag
  • (2007) Jocham D, Miller K - Praxis der Urologie - Thieme
  • (2007) Sökeland J, Rübben H - Taschenlehrbuch Urologie - Thieme Verlag
  • (2006) Schmelz HU, Sparwasser C, Weidner W - Facharztwissen Urologie - Springer
  • (2006) Hautmann R, Huland H - Urologie - Springer Verlag
  • (2003) Eichenauer R, Sandmann J, Vanherpe H - Klinikleitfaden Urologie - Urban und Fischer

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Urologie

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