Chronischer Spannungskopfschmerz

Synonyme: Chronische Cephalgie

Definition

Chronischer Spannungskopfschmerz

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Der chronische Spannungskopfschmerz ist ein dumpfer und drückender, meist beidseitiger Kopfschmerz. Die Beschwerdedauer variiert zwischen 30 min bis hin zu 7 Tagen. Der Schmerz tritt an mehr als 15 Tagen pro Monat über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten auf.


Ätiologie

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Die Ursachen des chronischen Spannungskopfschmerzes sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es scheint, dass verschiedene Faktoren an der Entstehung des Krankheitsbildes betiligt sind:

  • Eine Verspannung der Nackenmuskulatur und Kiefermuskulatur sowie statische Fehlbelastungen in diesem Bereich scheinen eine wichtige Rolle zu spielen.
  • Vermutlich kommt es zu einer Schwellenwertsenkung des nozizeptiven Systems, was zu einer dauerhaften Überempfindlichkeit gegenüber Schmerzreizen führt.
  • Im MRT werden gewöhnlich Veränderungen in den schmerzverarbeitenden Zentren des Gehirns gefunden.
  • Deutlich seltener treten ein erhöhter Liquordruck bzw. ein erhöhtes Blutvolumen auf, welche ebenfalls als Ursache diskutiert werden.
  • Der chronische Spannungskopfschmerz entwickelt sich in fast allen Fällen aus episodisch auftretenden Kopfschmerzen.

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie des chronischen Spannungskopfschmerzes liegen folgende Daten vor:

  • Prävalenz: circa 2% der deutschen Bevölkerung
  • Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer (Verhältnis w : m = 4,6:1)
  • Patienten mit Neigung zu Depressionen und Angststörungen sind häufiger betroffen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Beim chronischen Spannungskopfschmerz sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Wie lange bestehen die Kopfschmerzen?
  • Gibt es beschwerdefreie Intervalle?
  • Kopfschmerzen in der Familie?
  • Zusammenhang mit der Menstruation?
  • Lokalisation?
  • Schmerzcharakter?
  • Bisherige Therapieversuche?
  • Medikamenteneinnahme?
  • Depressionen?
  • Angsterkrankung?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung des chronischen Spannungskopfschmerz sind relevant:

  • Klinische Diagnosestellung
  • Neurologischer Befund (EEG) ist normal
  • Orthopädischer Status der HWS (Röntgen)
  • Kieferortopädische Diagnostik (Okklusion)
  • Bildgebende Verfahren wie MRT (z.B. Ausschuß eines Tumors) und CCT (z.B. Ausschluß von Blutungen) sind nur bei untypischem Beschwerdebild angezeigt
  • Labor z.B. bei Verdacht auf Arteriitis temporalis (BSG, CRP)

Klinik

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Der chronische Spannungskopfschmerz kann eins oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Über Stunden anhaltender oder dauerhafter Kopfschmerz
  • In der Regel beidseitig lokalisiert
  • Drückender oder dumpfer Schmerz
  • Keine Verschlechterung durch körperliche Aktivität
  • Tritt an mindestens 15 Tagen pro Monat in mindestens 3 aufeinander folgenden Monaten auf
  • Zusätzlich oft Depressionen oder Ängste
  • Übelkeit/Erbrechen kann gelegentlich auftreten

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten des chronischen Spannungskopfschmerz umfassen folgendes:

  • Enspannungsverfahren z.B. Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson
  • Mäßiges Ausdauertraining an mindestens 3 Tagen der Woche
  • Antidepressiva z.B.Amitriptylin (25-150mg/ Tag), Mirtazapin (15-60mg/d), Venlafaxin (150-225mg/d, Clomipramini (25-150mg/d), Doxepin (10-150 mg/d)
  • MAO-Hemmer: Moclobemid (300mg/d)
  • Flupirtin 100-600mg/d
  • Physiotherapie
  • Akupunktur
  • Nichtsteroidale Antirheumatika sind für die Langzeittherapie ungeeignet und sollten nicht verwendet werden
  • Der Einsatz von Muskelrelaxantien ist derzeit noch nicht ausreichend untersucht. Bei ausbleibendem Therapieerfolg kann ein Versuch jedoch sinnvoll sein
  • Psychotherapie bei Vorliegen von Depressionen oder Angstzuständen

Komplikationen

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Komplikationen des chronischen Spannungskopfschmerz sind:

  • aufgrund der ständigen Schmerzen haben die Patienten eine deutlich eingeschränkte Lebensqualität (sozialer Rückzug, Unfähigkeit am Berufsleben teilzunehmen)
  • Spannungskopfschmerzen erhöhen das Risiko eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes, von Angststörungen und Depressionen

Zusatzhinweise

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Folgende Zusatzhinweise liegen zum chronischen Spannungskopfschmerz vor:

  • Das Führen eines Schmerztagebuchs zur Dokumentation wird empfohlen
  • Bei chronischem Spannungskopfschmerz sollte unbedingt eine multimodale Therapie (Medikamentös, Entspannungsverfahren, Ausdauertraining, evtl Psychotherapie) erfolgen. Es konnte in Studien gezeigt werden, dass die Kombination von medikamentöser Therapie mit einem Entspannungsverfahren bei 65% der Patienten zu einer signifikanten Besserung führte. Bei einer Monotherapie mit Analgetika lag dieser Wert nur bei 38%.

Literaturquellen

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  1. (2006) Poeck,Hacke,Neurologie,Springer Verlag
  2. (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  3. (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  4. (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  5. (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  6. (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  7. (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag
  8. (2008) Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie: http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/030-077.htm>

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