Chronische Diarrhö

Synonyme: chronische Durchfallerkrankung

Definition

Chronische Diarrhö

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Die chronische Diarrhö ist eine plötzlich auftretende Durchfallerkrankung.

Wichtigsten Charakteristika der chronischen Diarrhö:

  • Häufigkeit: > 3/d
  • Konsistenz: zu flüssig, > 75 % Wasseranteil
  • Menge > 250 g/d
  • Dauer: mehr als 10-20 Tage

Ätiologie

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Die Ursachen der chronischen Diarrhö sind:

  • Infektionen (v.a.: Noroviren, Rotaviren, Escherichia coli, Salmonellen, Campylobacter jejuni, Shigellen, Giardia lamblia, Entamoeba histolytica)
  • Grunderkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Morbus Whipple, Sprue, Hyperthyreose, Diabetes mellitus, Gallensäureverlustsyndrom, Adenome oder Karzinome des Kolons)
  • Medikamente (Colchizin, Laktulose, Phenolophthalein, Bisacodyl, Natriumpicosulfat, Chenodesoxycholsäure, Chinidin, Cisplatin, Carboplatin, Cyclophosphamid)
  • Nahrungsunverträglichkeit
  • Intoxikationen (Arsen, Quecksilber, Kupfer)

Epidemiologie

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Bei 30% der deutschen Bevölkerung tritt wenigstens ein mal im Jahr eine Diarrhö auf.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der chronischen Diarrhö sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Seit wann Durchfall?
  • Wie oft Stuhlgang?
  • Aussehen und Konsistenz des Stuhlgangs?
  • Blut im Stuhl?
  • Fieber?
  • Bauchschmerzen, Krämpfe?
  • Flatulenz?
  • Nahrungsmittelunverträglichkeit (Laktoseintoleranz, Zöliakie)?
  • Weitere Personen im Umfeld mit ähnlichen Symptomen?
  • Nahrungsaufnahme?
  • Medikamente (Laxantien, Antibiotika), Genussmittel?
  • Auslandsaufenthalte, Vor-Op´s, Vorerkrankungen (z.B. Pankreatitis), Grunderkrankungen (z.B. Diabetes mellitus)?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der akuten Diarrhö dienen:

  • Anamnese
  • Körperliche Untersuchung: Allgemeinzustand, Abdominalbefund, rektale Untersuchung, Stuhlinspektion, Temperatur


Bei schwerem Krankheitsbild:

  • Labor: BSG, CRP, Blutbild, Differenzialblutbild, Blutzucker, Kreatinin, Elektrolyte
  • Stuhlmikroskopie auf Leukozyten:

Wenn negativ: Je nach Verdacht Stuhluntersuchung auf Norovieren, Rotaviren, Amöben, Lamblien, Kryptosporidien u.a.
Wenn positiv: Je nach Verdacht Stuhluntersuchung auf Salmonellen, Shigellen, Campylobacter, Yersinien, enteropathogene E.coli, Clostridium.difficile-Toxin

  • Koloskopie bei Verdacht auf pseudomembranöse Kolitis oder Kolonkontrasteinlauf wenn Koloskopie nicht möglich ist
  • bei Verdacht auf Malabsorption oder Maldigestion Xylose-Toleranztest;
  • bei Laktasemangel: H2-Atemtest;
  • glutensensitive Enteropathie: Dünndarmbiopsie

Klinik

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Die chronischen Diarrhö kann ein oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • dünnflüssiger Stuhl
  • ggf. mit veränderter Farbe, Geruch.

Begleitbeschwerden:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Dehydratation
  • Bauchkrämpfe
  • Fieber
  • Arthritis (bei Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Morbus Whipple)
  • Gewichtsverlust (v.a. bei Malabsorption, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Malignom)
  • Flush (Karzinoidsyndrom)
  • Neuropathie (Diabetische Enteropathie)

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei chronischer Diarrhö umfassen:

  • Ausgleich des Flüssigkeits- und Mineralstoffverlustes, evtl. Infusion:
  1. laut WHO: orale hypotone Rehydratationslösung mit Natrium gehalt von maximal 75 mmol/L
  2. in Industrieländern haben sich bei Überwiegen von Rotavirusinfektionen und fehlen von Cholera hypotone Glukose-Elektrolytlösungen bewährt die zwischen 45-60 mmol NaCl/L enthalten
  3. Bikarbonat bzw. Citrat-Zusätze beschleunigen den Ausgleich der metabolischen Azidose
  • Evtl. krampflösende Mittel (Butylscopolamin 20-40 mg parenteral bei Erwachsenen, 0,3-0,6 mg/kg bei Kindern)
  • Evtl. darmmotilitätshemmende Mittel Loperamid 20 ml oder 2 Kapseln) - nur in schweren Fällen, sonst nicht indiziert
  • bei schweren Verlauf oder Erregernachweis Antibiotika: 1.Wahl: Ciprofloxacin 2 x 500mg/Tag für 3-5 Tage
  • ggf. Absetzen der auslösenden Noxe
  • Ernährungsumstellung
  • Behandlung der Grunderkrankung

Komplikationen

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Komplikation der chronischen Diarrhö ist die Dehydratation, die bei sehr jungen und sehr alten Menschen letale Folgen haben kann.


Zusatzhinweise

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Zur chronischen Diarrhö liegen derzeit keine weiteren Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

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  1. (2008) AWMF - Leitlinie - Akute infektiöse Gastroenteritis
  2. (2008) Müller C, Löll Ch, Bechtold H - Klinikleitfaden für alle Stationen - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  3. (2003) Roche Lexikon Medizin - Urban & Fischer
  4. (2006) Stein J, Wehrmann T - Funktionsdiagnostik in der Gastroenterologie - Springer
  5. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  6. (2009) Thieme Verlag - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
  7. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
  8. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  9. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer

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