Cholera

Synonyme: Gallenbrechdurchfall

Definition

Cholera

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Die Cholera ist eine Durchfällen und Erbrechen einhergehende infektiöse Darmerkrankung.

Cholera siderans

  • Patienten versterben in wenigen Stunden
  • Blut stark eingedickt
    -> keine Gewinnung von Serum mehr möglich

Cholera sicca

  • Patienten versterben vor Ausbildung einer manifesten Diarrhoe

Ätiologie

Cholera

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Zur Ätiologie der Cholera:

  • Erreger: Vibrio cholerae(klassischer Biotyp) und zunehmend auch Vibrio cholerae El Tor (gramneg., bewegliche Stäbchen)
  • Die Übertragung erfolgt oral durch Aufnahme kontaminierter Nahrungsmittel und verseuchten Trinkwassers oder von Mensch zu Mensch (fäkal-oral)
  • Inkubationszeit: 1-5d
    kürzer je höher Anzahl der Erreger
  • Ausbreitung durch mangelnde Hygiene, Armut, Mangelernährung
  • Infektion durch Aufnahme kontaminierter Nahrungsmittel oder Wasser
  • Übertragung von Mensch zu Mensch selten
  • Vibrionen bei pH< 2,4 schnell abgetötet
  • Vibrio cholerae führt unbehandelt in bis zu 2/3 der Fälle zum Tode,
    Vibrio Cholerae El Tor bis zu 1/3 der Fälle

Epidemiologie

Cholera

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Folgendes ist zur epidemiologie des Cholera wichtig:

  • in Europa spielt die Infektion mit Cholera-Erregern aufgrund hoher Gesundheitsstandards nahezu keine Rolle mehr (Cholera gilt als typische ''Armutskrankheit'')
  • Cholera-Erkrankungen in Westeuropa wurden typischerweise auf Reisen in Endemiegebieten erworben

Differentialdiagnosen

Cholera

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Anamnese

Cholera

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Zur diagnostischen Abklärung der Cholera sind relevant:

  • Aufenthalt in Endemiegebieten?
  • Kontakt mit Erkrankten?
  • VERDACHT, INFEKTION oder TOD sind meldepflichtig

Diagnostik

Cholera

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Zur diagnostischen Abklärung der Cholera sind relevant:

  • die Diagnose ergibt sich primär aus der eindeutigen klinischen Symptomatik
  • mikroskopischer Erregernachweis im Rektal- oder Stuhlabstrich (Der Abstrich muss gekühlt und innerhalb einer Stunde verarbeitet werden)
    -> massenhaft Errger, Stuhl enthält typischerweise weder Blut noch Granulozyten
  • nach Möglichkeit Stuhlgewinnung vor Beginn antibiotischer Therapie
  • Sollte eine Verarbeitung innerhalb dieses Zeitraumes nicht möglich sein, ermöglicht der Transport in 1%-Peptonlösung eine längere Aufbewahrungszeit

Klinik

Cholera

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Die Cholera kann ein oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • die Mehrzahl der Infizierten sind symptomlose Keimträger (eine Ansteckungsfähigkeit besteht, solange Erreger im Stuhl nachweisbar sind)
  • leichte Form(ca. 90% der Fälle): leichte Diarrhö(nicht von anderen Formen der Diarrhö abgrenzbar)
  • schwere Form: plötzlich auftretende, ''reiswasserartige'' Durchfälle mit Flüssigkeitsverlusten von bis zu 20l/d, die unbehandelt zur letalen Exsikkose führen (weitere Symptome: Erbrechen, Anurie, Wadenkrämpfe, starke Hypothermie)
  • bei Enterotoxin-Vergiftung: fulminanter Verlauf und Tod innerhalb weniger Stunden
  • selten abdominelle Krämpfe oder Fieber

Therapie

Cholera

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Cholera umfassen:

  • Behandlungsbeginn immer vor Sicherung der Diagnose
  • Bei Infektionsverdacht: sofortige Isolation
  • Vorrang hat die orale und parenterale Substitution von Flüssigkeit und Elektrolyten(WHO-Standard: in 1l H2O sind aufzulösen: 3,5g NaCl , 2,5g NaHCO3 , 1,5g KCl , 20g Glukose)
  • bei Verlust ab 10% des Körpergewichts immer gleichzeitige intravenöse Rehydratation mit Ringer-Laktat
  • Antibiotische Therapie: Ciprofloxacin 250-500mg/12h oder Tetrazykline 500mg/8h p.o.
  • Antibio nicht zwangsläufig notwendig, verringert aber Ausscheidungszeit der Erreger und verkürzt Behandlungszeit

Komplikationen

Cholera

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Zu den Komplikationen der Cholera:


Zusatzhinweise

Cholera

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Prophylaxe der Cholera:

  • auf hygienische Lebensmittel und sauberes Trinkwasser in Endemiegebieten achten
  • Aktive Immunisierung mit oralem Lebend- oder Totimpfstoff(beide jedoch in der BRD nicht zugelassen)
  • Da die Impfung nur partiellen Schutz bietet, wird sie nur durchgeführt, falls vom Einreiseland gefordert

VERDACHT, INFEKTION oder TOD sind meldepflichtig.


Literaturquellen

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  1. (2006) Wolfgang F. Caspary,Manfred Kist,Jürgen Stein,Jürgen Stein - Infektiologie des Gastrointestinaltraktes - Springer
  2. (2007) Hahn JM - Checkliste Innere Medizin - Thieme, Stuttgart ( 5.Auflage)
  3. (2008) Wolff HP, Weihrauch TR - Internistische Therapie 2008/2009 - Elsevier, München (17. Auflage)
  4. (2006) Braun J, Dormann AJ - Klinikleitfaden Innere Medizin - Elsevier, München (10.Auflage)
  5. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  6. (2009) Thieme Verlag - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
  7. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
  8. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  9. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer

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