Blutung aus Magen und Duodenum

Synonyme: obere gastrointestinale Blutung, GIT- Blutung, Magenblutung

Definition

Blutung aus Magen und Duodenum

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Eine Blutung aus Magen und Duodenum liegt proximal des Treitz´Bandes und gehört sonit zur oberen gastrointestinalen Blutung.


Ätiologie

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Ursachen einer Blutung aus Magen und Duodenum sind:

  • Ulkus ventriculi/duodeni
  • Varizen bei Leberzirrhose (Magenfundus)
  • Erosionen
  • Refluxösophagitis
  • Mallory - Weiss - Syndrom
  • Trauma
  • Karzinome
  • aortoduodenale Fistel
  • iatrogen (OP, Endoskopie)
  • Seltenere Ursachen: Angiodysplasien, isolierte Angiodysplasien oder streifenförmige Gefäßveränderungen, Hämobilie (Blutungen aus dem Gallengang nach Traumen, Tumoren u.a.)
  • nicht identifizierbar

Epidemiologie

Blutung aus Magen und Duodenum

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Genaue epidemiologische Daten zu Blutungen aus Magen und Duodenum sind der Zeit nicht bekannt.

  • Inzidenz aller oberen gastrointestinalen Blutungen in Deutschland: 55-150:100.000/Jahr

obere GI - Blutungen:

  • 50% Ulcusblutungen
  • 20% Varizen
  • 5% Karzinome
  • 5% Oesophagitis
  • 5% Erosionen
  • 5% Mallory-Weiss - Syndrom
  • 1% Dünndarmblutungen

Differentialdiagnosen

Blutung aus Magen und Duodenum

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Anamnese

Blutung aus Magen und Duodenum

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Wichtige Informationen zur Befunderhebung der Blutung aus Magen und Duodenum:

  • Übelkeit? Erbrechen? Bluterbrechen?
  • Vorausgegangene Operation, Trauma, Verbrennung?
  • Chronische Schmerzen, Einnahme von Schmerzmitteln?
  • Nüchternschmerz?
  • Alkoholabusus?
  • Auslandsaufenthalt?
  • Bekannte Leberzirrhose?
  • Sodbrennen?
  • Anämie?
  • Hypovolämie?
  • Teerstuhl?

Diagnostik

Blutung aus Magen und Duodenum

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Diagnostik einer Blutung aus Magen und Duodenum:

  • körperliche Untersuchung: Auskultation, Palpation Abdomen
  • digitale rektale UntersuchungRöntgen
  • CT
  • Hämoccult Test

 Engmaschige Kontrolle von:

  • Klinik (Blässe, Schwäche, Schwindel, Durst u.a.)
  • Kreislaufparameter (Puls, Blutdruck, ZVD u.a.)
  • Labor (Hb, Hkt – cave: diese Werte ändern sich zu Beginn nicht, Nierenfunktion, Gerinnungsanalyse u.a.)

Lokalisationsdiagnostik:

  • Endoskopie des Verdauungstraktes (hier Gastroduodenalspiegelung)
  • Videokapselendoskopie (geschluckte Minikamera): wenn Blutungsverdacht bei unauffälliger Gastroskopie und Koloskopie, Kontraindikation: Stenosen
  • Nuklearmedizinische Verfahren: es muss eine aktive Blutung vorliegen
  • Selektive Arteriografie: Voraussetzung ist eine arterielle Blutung > 1ml/min, ermöglicht eine genaue Lokalisation

Klinik

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Die Blutung aus Magen und Duodenum kann ein oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Symptome der Blutungsanämie und evtl. Symptome eines hypovolämischen Schocks
  • erstes Anzeichen einer Blutung ist der beschleunigte Puls
  • Hämatemesis (Erbrechen von rotem oder kaffeesatzartigem Blut, typisch aber nicht obligat),
  • Meläna (Teerstuhl, schwarzer glänzender, klebriger Stuhl)
  • bei starker Blutung evtl. Hämatochezie (rote Darmblutung)

Therapie

Blutung aus Magen und Duodenum

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Therapeutische Möglichkeiten der Blutung aus Magen und Duodenum:

  • zu 70 - 80% spontane Rückbildung
  • Volumenersatz, Blutgruppenbestimmung + Bereitstellung von Blutkonserven, bei Bedarf Bluttransfusion
  • Lokalisationsdiagnostik + gezielte Blutstillung
  • Behandlung von Komplikationen und Prophylaxe eines Rezidivs

Sofortmaßnahmen:

  • Flachlagerung 
  • Volumensubstitution
  • Sauerstoffzufuhr (3l/min per Nasensonde)
  • Erykonzentrate bestellen (mind. 4 Konserven)
  • Nulldiät, Magensonde und Magenspülung
  • endoskopische Diagnostik und ggf. Therapie
  • chirurgisches Konsil

Zum Volumenersatz:

Kolloidale Blutersatzmittel (HÄS) und kristalloide Lösungen. Bei Massentransfusion auch FFP und Thrombozytenkonzentrate geben

Zur gezielten Blutstillung:

  • PPI-Gabe + Unterspritzung z.B. mit verdünnter Adrenalinlösung, Injektion von Fibrinkleber, Verschluss eines sichtbaren Gefäßstumpfes durch Hämoclip
  • nicht kardioselektive-ß-Blocker
  • Terlipressin initial 1-2mg i.v.:
    Erhaltung 1mg i.v. alle 4-6 Stunden
    max. 8-9 mg pro Tag (bei 70 kg)

Blutung aus gastroösophagealen Varizen: Endoskopisch

  • Sklerotherapie: Histoacryl intra-/paravarikös injezieren
  • Ligatur
  • Stentimplantation: expandierender, innen beschichteter Metallstent

Prophylaxe eines Rezidivs:

  • Programmierte Injektionsbehandlung blutungsgefährdeter Läsionen + PPI-Therapie, initial hochdosiert,
  • bei Nachweis von Helicobacter pylori zusätzlich HP-Eradikation

Bei starker arterieller Blutung:

  • Kreislauf stabilisieren und Versuch einer endoskopischen Blutstillung,
  • wenn nicht erfolgreich operative Ulkusumstechung + extraluminale Gefäßligatur der A. gastroduodenalis oder radiologisch interventionelle Embolisation bei multimorbiden Patienten

Komplikationen

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Komplikationen, die bei einer Blutung aus Magen und Duodenum auftreten können:

  • hypovolämischer Schock bei starken Blutungen
  • Aspirationspneumonie
  • Rezidivblutung
  • Mediastinalemphysem

Zusatzhinweise

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Endoskopische Klassifizierung der Blutungsaktivität nach Forrest:

Forrest I: aktive gastrointestinale Blutung:

  • I a: spritzende arterielle Blutung
  • I b: sickernde Blutung

 Forrest II: inaktive gastrointestinale Blutung:

  • II a: Läsion mit Gefäßstumpf
  • II b: Koagelbedeckte Läsion
  • II c: Hämatinbelegte Läsion

 Forrest III: Läsion ohne Blutungszeichen


Literaturquellen

Blutung aus Magen und Duodenum

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  1. (2004) Anthony T. R. Axon, Meinhard Classen - Gastromenterologische Endoskopie - Thieme
  2. (2001) Baumann Reinhard - Chirurgie essentials: Intensivkurs zur Weiterbildung - Thieme
  3. (2007) Henne-Bruns D, Düring M, Kremer B - Chirurgie - Thieme, Stuttgart, Duale Reihe
  4. (2010) Müller M - Chirurgie für Studium und Praxis - 2010/11,10. Aufl. - Medizinische Verlags- und Informationsdienste
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  7. (2008) Berchtold R, Ackermann R, Bartels M, Bartsch D.K - Berchtold Chirurgie - Elsevier, München
  8. (2007) Siewert R - Basiswissen Chirurgie - Springer Verlag, Berlin
  9. (2007) Kloeters O, Müller M - Crashkurs Chirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
  10. (2006) Siewert J. R - Chirurgie - Springer, Berlin
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  12. (2008) Herold, Innere Medizin, Gerd Herold und Mitarbeiter, Auflage 2008, Köln
  13. (2008) Riemann u. a., Gastroenterologie - Georg Thieme Verlag KG
  14. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  15. (2009) Thieme Verlag - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
  16. (2009) Herold -Innere Medizin 2010-Herold, Köln
  17. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  18. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer
  19. (2009) Karow T,Lang R-Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie - Karow,Pulheim

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