Behaarte Hautareale (UV Schutz)

Synonyme: UV-Schutz behaarter Hautareale

Definition

Behaarte Hautareale (UV Schutz)

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Für behaarte Hautareale ist ein UV-Schutz notwendig, damit werden unerwünschte Effekte der Sonneneinstrahlung wie Sonnenbrand, Hautalterung oder Hautkrebs vorgebeugt. Die anzuwendenden Externa sollten ausreichend hohen UVA- und UVB-Schutzfaktor anbieten, sowie streichfähig, nicht fettend und nicht sehr ölhaltig sein.


Ätiologie

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Folgende Faktoren beeinflüssen den Hautzustand:

Anlagebedingt:

  • genetische Disposition
  • Chronische Erkrankungen: Atopie, Neurodermitis, Diabetesmellitus, Leber-, Gallen-, Nierenerkrankungen etc.
  • Vitaminmangel 
  • gestörtes Gleichgewicht zwischen den physiologischen Parametern: Feuchtigkeitsgehalt, Talgproduktion, Verhornung und Abschuppung

Äußere Faktoren:

  • Anwendung von austrocknenden Externa
  • intensive Anwendung von Seifen, häufiges Duschen oder Baden (Übermäßige Körperpflege)
  • häufige Sonnenbrände, UV-Strahlung beschleunigen die Hautalterung
  • Rauchen, Stress
  • Medikamente


Epidemiologie

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  • Insbesondere sportlich aktive oder grundsätzlich stark schwitzende Menschen suchen Lichtschutzpräparate, die nicht fettend sind und die normale Transpirationsfunktion der Haut möglichst wenig einschränken.

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Vor dem UV-Schutz der behaarten Hautareale sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • bisherige Externa? Verträglichkeit?
  • Ziele und Wünsche des Patienten
  • Abklärung und Besprechung von Risikofaktoren (u.a. Rauchen, UV-Bestrahlung)
  • Den Patienten nach Hauttyp (fett?/trocken?) fragen (subjektives Empfinden des Patienten)
  • bekannte Hauterkrankungen (Atopie)? evtl. Lidekzeme (in der Vergangenheit) mit jahreszeitlicher Schwankung (Atopie)?
  • bekannte Grunderkrankungen?
  • Erkrankungen in der Familie?
  • Verträglichkeit?
  • Beruf? Hobbys?
  • Allergien?
  • Medikamentenanamnese


Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung sind relevant:

  • Anamnese
  • Klinisches Bild 

Klinik

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Man unterscheidet zwischen den folgenden zwei Haupttypen der Haut:

Felderhaut (behaarte Haut):

  • Der größte Teil der Körperoberfläche ist behaart.
  • Sturuktur: die Felderhaut zeigt eine charakteristische Felderung, auf der die Schweißdrüsen münden; sie enthält Haaranschnitte, Haarwurzel, apokrine Duftdrüsen, holokrine Talgdrüsen; Dicke der Epidermis: zwischen 0,04-0,2 mm, am dünnsten ist sie im Bereich der Augen und der Geschlechtsorgane.

Leistenhaut:

  • Lokalisation: an den Fingern, der Handinnenseite (palmar) und der Fußsohle (plantar).
  • Struktur: charakteristisches Hautrelief (Corium-Papillen mit paralleler Anordnung von Leisten und Furchen); enthält keine Haare, keine Talg- und Duftdrüsen, nur noch Schweißdrüsen. 

Therapie

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Der UV-Schutz der behaarten Hautareale umfasst folgendes:

Ziele:

  • adäquater Sonnenschutz
  • Vermeidung von Sonnenbränden
  • Verlangsamung der Hautalterung
  • Reduktion des Hautkrebsrisikos

Allgemeine Maßnahmen:

  • Aufklärung bzw. Beratung des Patienten.
  • Sportlich aktive und stark schwitzende Menschen benötigen ein sehr leichtes UV-Schutzpräparat, das die Hauttranspiration möglichst wenig behindert. Präparate sollten eine UVA- und UVB-Schutz beinhalten und Fluids, Gele oder leichte Lotionen sein.
  • Eine Aufklärung über weitere Risikofaktoren (z.B. Rauchen, Stress) sollte erfolgen.
  • Empfehlung bzw. Rezeptierung von geeigneten Externa. Sie sollten die natürliche Schutzbarriere der Haut erhalten und möglichst wenig potentiell allergieinduzierende Kontaktallergene enthalten (z.B. Parabene). Anwendung: 1- bis 2-mal täglich (Reinigung und Pflege).
  • Empfehlungen zum vernünftigen Verhalten bei Sonnenexposition sowie zur behutsamen Lichtgewöhnung am Beginn der sonnenreichen Jahreszeit.
  • Berücksichtigung der jahreszeitlichen Schwankungen (fettärmere Externa mit UV-Schutz im Sommer, fettreichere im Winter)
  • Der Patient muss darüber aufgeklärt werden, nicht unterschiedliche Externa gleichzeitig bzw. unkontrolliert anzuwenden. Meist ist es sinnvoll mit dem Patienten gemeinsam Externa (möglichst wenige) auszuwählen und die Anwendungshäufigkeit dem Empfinden des Patienten zu überlassen.
  • Lifestyle-Behandlung: Ernährung, Sport, Wellness, Naturheilkunde.
  • kein Nikotinkonsum, kein Alkoholkonsum.
  • Stress vermeiden.
  • Mögliche Kontaktallergien sollten berücksichtigt werden.
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr: 2-3 Liter/Tag

Sonnenschutz:

  • Sonnenschutz mit einem hohen Lichtschutzfaktor spielt eine wichtige Rolle bei den Menschen mit reiferer Haut: Sonnencremes mit ausreichendem Lichtschutzfaktor anwenden, sonnendichte Kleidung und Kopfbedeckung tragen.
  • Sonnenbrille
  • Betakarotinzufuhr: Karotten, Karottensaft
    Lycopin-haltige Produkte: Tomaten, Tomatensaft
  • Primäre Photoprotektion: UV-Filter mit chemischen Schutzfiltern (Wirkungsmechanismus: Absorption der UV-Strahlung; Je nach dem Absorptionsspektrum unterscheidet man zwischen UVA-, UVB- und Breitbandfiltern; Wirkungsmaximum: nach 20-30 min; aus diesem Grund ist sinnvoll, dass man das Mittel spätenstens eine halbe Stunde bevor man in die Sonne geht aufträgt) oder mit physikalischen Filtern wie z.B. Titandioxid, Zinkoxid (Wirkungseintritt: sofort, Mechanismus: Reflexation der Sonnenstrahlen). Empfehlung: nicht mehr als 50 Sonnenbäder oder Solarienbäder pro Jahr.
  • Sekundäre Schutzstoffe (hautberuhigende und hautpflegende Mittel während und/oder nach einer UV-Belastung) z.B.: Dexpanthenol (hautbefeuchtende und die Epithelisierung fördernde Wirkung), Glycerin in den Sonnenschutzprodukten (hautbefeuchtende Wirkung)

Symptomatische Behandlung:

  • bei leichtem und kleinflächigem Sonnenbrand: lokale Kortikosteroid (Klasse II) Therapie in Form von Cremes, Gelen, Lotiones.
  • bei schwerem oder großflächigem Sonnenbrand: zusätzlich systemische Behandlung mit Prostaglandinhemmern (z. B. 3 x 25-50 mg Diclofenac).
  • bei stark ausgeprägter Juckreiz: Begleitmedikation mit H1-Antihistaminika: topische Anwendung in Form von Gelen, Cremes, Sprays: bis zu 3-mal täglich dünn auf die betroffenen Hautarealen autragen und kurz einmassieren; Alternative: Dimentindenmaleat 1mg/ml Lösung, Dosierung: bei Kindern (1–8 Jahren) 3-mal täglich je 10–15 Tropfen, ab 9 Jahren je 20 Tropfen, bei Erwachsenen 3 mal täglich je 20 – 40 Tropfen; oder Dexchlorpheniraminhydrogenmaleat (Tabletten): Dosierung bei Erwachsenen: 3- bis 4-mal ½-1 Tbl. täglich; bei Kindern < 12 J.: 3- bis 4-mal ½ Tbl. täglich.
  • Bei Zeichen einer Superinfektion zusätzlich topisch antiseptisch behandeln (Lösungen, Cremes).
  • Bei deutlichen Zeichen der bakteriellen Superinfektion: systemische antibiotische Kurzzeittherapie (3-5 Tage) mit oralem Flucloxacillin (Standarddosierung: 2-4 g/Tag bei Erwachsenen bzw. 50 mg/kg/Tag bei Kindern, verteilt auf 4-6 Einzeldosen/Tag) oder Cephalosporin (Standarddosierung bei Erwachsenen: 2 x 250-500 mg (z.B. Cefuroxim) bzw. bei Kindern: 20-40 mg/kg/Tag).
  • ggf. antimykotische Behandlung mit Itraconazol (Hartkapseln): 100 mg 1- bis 2-mal täglich über 2-4 Wochen.

Komplikationen

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Bei einer ungeeigneten Hautpflege der behaarten Hautareale können folgenden Komplikationen vorkommen:

  • Rötung, Juckreiz, Schuppung
  • Infektion
  • Allergische Reaktionen
  • Narbenbildung
  • Entstehung von aktinischen Keratosen; Entartungsgefahr

Zusatzhinweise

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Zum UV-Schutz der behaarten Hautareale liegen derzeit keine weitere Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

Behaarte Hautareale (UV Schutz)

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  13. (2005) Ingrid Moll - Duale Reihe, Dermatologie - Thieme Verlag, 6. Auflage
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  18. (2004) Günther H. Jacobi - Anti-Aging für Männer: Strategien für den ganzen Mann - Georg Thieme Verlag
  19. (2006) Herbert Lippert, Désirée Herbold, Wunna Lippert-Burmester - Anatomie - Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 8. Auflage
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  21. (2009) Fritsch P - Dermatologie und Venerologie für das Studium - Springer Verlag
  22. (2007) Altmeyer P - Dermatologische Differenzialdiagnose, Der Weg zur klinischen Diagnose - Springer Verlag

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