Atypischer Gesichtsschmerz

Synonyme: idiopathischer Gesichtsschmerz

Definition

Atypischer Gesichtsschmerz

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Beim atypischen Gesichtsschmerz handelt es sich um einen chronischen, in der Regel einseitigen Schmerz unbekannter Ursache. Der Schmerz ist konstant vorhanden oder tritt zumindest täglich auf. Die Patienten haben keine neurologischen Defizite.


Ätiologie

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  • Die Ursachen des atypischen Gesichtsschmerz sind unklar.
  • Bei vielen Patienten finden sich Operationen im HNO-, Mund- und Kieferbereich in der Vergangenheit, so dass die Verletzung terminaler Nerven als Ursache diskutiert wird.
  • Auch eine rein psychogene Ursache wird diskutiert

Epidemiologie

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Folgende epidemiologische Daten zum atypischen Gesichtsschmerz liegen vor:

  • Die Erkrankung ist selten und es liegen nur wenige verläßliche Daten vor;
  • 90%  weiblich, zwischen 30 - 60 LJ;
  • Bei 50% der Betroffenen treten im Verlauf symptomfreie Phasen von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten auf;
  • Viele Patienten weisen weitere Schmerzsyndrome oder psychiatrische Erkrankungen auf.

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Beim atypischen Gesichtsschmerz sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Schmerzen im Versorgungsbereich der jeweiligen Nerven?
  • Gefühl, dass der Schmerz tief in der Haut sitzt?
  • Tritt der Schmerz täglich auf oder gibt es schmerzfreie Phasen?
  • Schlafstörungen durch den Schmerz?
  • Schmerz schlecht lokalisierbar?
  • Tränenfluss?
  • Schmerzdauer?
  • Schmerzintensität?
  • Operationen oder Traumen im Mund-, Kiefer-, HNO-Bereich?
  • Weitere Schmerzerkrankungen?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung des atypischen Gesichtsschmerz sind relevant:

  • Klinische Diagnose
  • neurologischer Befund unauffällig
  • ev. MRT/CT
  • ev. Liquordiagnostik
  • Augenärztliches, HNO-ärztliches, und Zahnärztliches Konsil

Klinik

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Der atypische Gesichtsschmerz kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

Schmerzen im Versorgungsbereich der jeweiligen Gesichtsnerven:

  • Nasozilliaris-Neuralgie
  • Nervus-intermediuns-Neuralgie
  • Pterygopalatinum-Neuralgie
  • Aurikolotemporalis-Neuralgie
  • Nervus-petrosus-major- Neuralgie
  • Laryngeus-superior-Neuralgie
  • Es bestehen keine neurologischen Defizite
  • Die Schmerzen sind konstant vorhanden oder treten zumindest täglich auf;
  • Schmerz ist meist schlecht lokalisierbar, sitzt tief und tritt unilateral auf;
  • Zusätzlich tritt häufig Tränenfluß auf;
  • Schlafprobleme sind selten;
  • Gelegentlich werden Verschlimmerungen durch Kälte beschrieben.

Therapie

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Zur Therapie des atypischen Gesichtsschmerz liegen derzeit kaum gesicherte Daten vor. Die medikamentöse Behandlung sollte demnach mit Wirkstoffen, die bei anderen Formen von Kopf- und Gesichtsschmerz erfolgreich sind nach dem Trial-and-Error-Prinzip erfolgen:

  • Trizyklische Antidepressiva;
  • Venlafaxin (75mg p.o.);
  • Sumatriptan (6mg s.c.);
  • Antiepileptika: Carbamazepin: (initial 200-400 mg/d, max. 800 mg/d), Oxcarbazepin (600-1800mg/d);
  • TENS (trankutane elektrische Nervenstimulation);
  • Verhaltenstherapie.

Da beim atypischen Gesichtsschmerz keine organische Ursache faßbar ist, sind chirurgische Interventionen kontraindiziert.


Komplikationen

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Komplikationen des atypischen Gesichtsschmerz sind:

  • Chronifizierung
  • Analgetikaabusus

Zusatzhinweise

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Zum atypischen Gesichtsschmerz liegen folgende Zusatzinformationen vor:

  • Mit Phenelzin und Dothiepin existieren lediglich zwei gut untersuchte Medikamente für das Krankheitsbild, die jedoch beide in Deutschland nicht verfügbar sind.

Literaturquellen

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  1. (2009) Herold G - Innere Medizin - Herold, Köln
  2. (2009) Karow T, Lang R - Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie - Karow, Pulheim
  3. (2005) Masuhr K F, Neumann M - Neurologie - Thieme Verlag, Stuttgart/New-York
  4. (2008) Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie: http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/030-032.htm>

alle Angaben ohne Gewähr

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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