Asymptomatische Hyperurikämie

Synonyme: asymptomatische Harnsäure-Erhöhung

Definition

Asymptomatische Hyperurikämie

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Die asymptomatische Hyperurikämie ist eine häufig auftretende beschwerdenfreie Verlaufsform der Gicht.


Ätiologie

Asymptomatische Hyperurikämie

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Bei der Ätiologie der asymptomatischen Hyperurikämie werden unterschieden:

Primäre Hyperurikämie:

  • gestörte tubuläre Ausscheidung von Harnsäure durch die Niere (> 99% der Fälle)
  • Produktion von zu viel Harnsäure: z.B. beim Lesch-Nyhan-Syndrom oder dem Kelley-Seegmiller-Syndrom (selten)

Sekundäre Hyperurikämie:

  • renale Ausscheidung vermindert (z.B. Nierenerkrankungen, Laktat- oder Ketoazidosen, Saluretika) [9]

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der asymptomatischen Hyperurikämie:

  • Die Hyperurikämie kommt gehäuft in der westlichen Welt vor.
  • Es handelt sich um eine Wohlstandskrankheit.
  • Die asymptomatische Verlaufsform ist viel häufiger als die symptomatische.
  • 20% der Männer haben in diesen Ländern eine Hyperurikämie > 7 mg/dl [9]
  • Frauen leiden eher nach der Menopause unter erhöhten Harnsäure-Werten [9]
  • Das Risiko einer Nephrolithiasis bei bestehender asymptomatischer Hyperurikämie liegt bei 0,2 %/Jahr [9]

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der asymptomatischen Hyperurikämie sind folgendende Informationen von Bedeutung:

  • Bestehen Beschwerden?
  • Schmerzen? Gelenkschmerz?
  • Diät? Feste mit reichlich Essen oder Alkohol?
  • Risikofaktoren fürs metabolische Syndrom: Bluthochdruck? Raucher? Zuckerkrank? Zu hohe Fettwerte?
  • Grunderkrankungen?
  • Nierenerkrankungen? Stoffwechselerkrankungen? Blutarmut? Tumorleiden?
  • Werden Medikamente eingenommen?
  • Haben andere Familienmitglieder Gicht?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der asymptomatischen Hyperurikämie sind relevant:

  • Anamnese erheben
  • Labor: Serum-Harnsäure > 6,4 mg/dl
  • außerdem: Nierenfunktion beachten (ggf. Kreatinin, Harnstoff bestimmen), evtl. Harnsäureausscheidung im 24h-Urin, evtl. Harnsäure/Kreatinin-Quotient im Spontanurin in mg/dl (normal: < 0,8)

Klinik

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Die asymptomatische Hyperurikämie verläuft per definitionem symptomlos.


Therapie

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Die Therapie der asymptomatischen Hyperurikämie umfasst:

  • Körpergewicht normalisieren, dabei strenge Fastenkuren vermeiden
  • viel trinken (> 1,5 l/d), Verzicht auf Alkohol
  • Purinaufnahme reduzieren: fleischarme Kost, keine Innereien
  • Diätberatung

Patienten mit einer asymptomatischen Hyperurikämie bis 9 mg/dl werden nur mit den oben genannten Maßnahmen behandelt.

Eine medikamentöse Therapie erfolgt bei Harnsäurewerten über 9 mg/dl oder manifester Gicht [9]:

  • Urikostatika: Allopurinol 100-300 mg/d (an Nierenfunktion anpassen)
  • Urikosurika: Benzbromaron und Probenecid als Alternative zu Allopurinol

Generell gilt besondere Vorsicht beim Einsatz von Diuretika, die den Harnsäurespiegel ungünstig beeinflussen können.


Komplikationen

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Zu den Komplikationen der asymptomatischen Hyperurikämie:

  • die Verschlechterung zu einem höheren Krankheitsstadium ist jederzeit möglich (z.B. akuter Gichtanfall)

Zusatzhinweise

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Zusatzhinweis zur asymptomatischen Hyperurikämie:

Bei der asymptomatischen Verlaufsform handelt es sich um das Stadium I der Hyperurikämie.


Literaturquellen

Asymptomatische Hyperurikämie

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  1. (2009) Herold G - Innere Medizin - Gerd Herold Verlag
  2. (1995) Harrison T R - Harrisons Innere Medizin - Blackwell Wissenschaftsverlag
  3. (2000) Schmidt K L - Rheumatologie - Thieme
  4. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  5. (2009) Arasteh K, Baenkler H W, Bieber C - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
  6. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Gerd Herold Verlag
  7. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  8. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer
  9. (2006) Herold G - Innere Medizin - Gerd Herold Verlag

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