Asthma bronchiale

Synonyme: Bronchialasthma beim Kind, Atopisches Asthma, Nicht-atopisches Asthma

Definition

Asthma bronchiale

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Asthma bronchiale ist eine chronisch entzündliche Erkrankung der Bronchien. Charakteristisch für Asthma sind rezidivierende Atemnotanfälle infolge Bronchialobstruktion und Hyperreagibilität der Bronchialschleimhaut gegenüber verschiedenen Reizen mit nachfolgender Entzündung.

Säuglingsasthma : > 3 Episoden mit pfeifendem Atemgeräusch in 6 Monaten oder Hospitalisation wegen obstruktiver Ventilationsstörung [12]

Formen des Asthmas [2]:

  • allergisches Asthma
  • intrinsisches oder nichtallergisches Asthma (durch Infektionen der Atemwege)
  • Mischformen

Ätiologie

Asthma bronchiale

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Folgende klinisch relevante pathologische Veränderungen sind beim Bronchialasthma von Bedeutung: [5]

  • Bronchiale Hypersensitivität auf Allergene oder intrinsische Faktoren und eine komplexe chronisch-entzündliche Reaktion der Bronchialschleimhaut

    ↓

  • Reversible Obstruktion der distalen Atemwege und Ausbildung von Curschmann'schen Spiralen.

    ↓

  • Krampfartige Verengung der kleinen Bronchien

Ursachen und Risikofaktoren des Asthma bronchiale: [2,4]

  • Allergien (Pollen, Hausstaub, Mehl,...)
  • Anstrengungsinduziertes Asthma
  • Analgetikainduziertes Asthma
  • Mit gastroösophagealem Reflux (GERD) - assoziiertes Asthma
  • Berufsbedingtes Asthma (z.B. Bäckerasthma, Isocyanat-assoziiertes Asthma)
  • bei 30-50% der Erwachsenen intrinsisches, nicht allergisches Asthma, häufig durch Infektionen der Atemwege getriggert (evtl. ASS-Intoleranz?)

weitere Risikofaktoren:

  • pränataler Zigarettenrauch
  • Ernährung und Vitaminmangel
  • Stress
  • Antibiotika
  • Nikotinabusus und passives Rauchen [7]

Epidemiologie

Asthma bronchiale

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Epidemiologische Daten zum pädiatrischen Asthma bronchiale:

  • die häufigste chronische Erkrankung unter Kindern
  • ca. 10% der Kinder in Deutschland betroffen [2]
  • zu zwei Dritteln Beginn vor dem 5. Lebensjahr
  • große internationale Varianz des Asthma bronchiale: von 0,7% bis 18.4% der Kinder betroffen
  • die Varianz der Prävalenz von Asthma muß vor dem Hintergrund der mangelhaften Handhabung von Diagnosestandards gesehen werden.

Differentialdiagnosen

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Anamnese

Asthma bronchiale

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Beim Asthma bronchiale sind folgende Fragen von Bedeutung: [3]

  • Anfallsweise Atemnot?
  • Brustenge?
  • Husten mit oder ohne Auswurf?
  • Atemgeräusche? Pfeifen hörbar?
  • Auslöser, z.B. äußere Faktoren (auch berufsbezogen, dann evtl. berufsgenossenschaftliche Untersuchung) oder Infekte?
  • Auftreten nach Belastung?
  • zu welcher Tages-/Nachtzeit?
  • Jahreszeitliche Häufungen?
  • Giemen, Pfeifen, Brummen, Keuchen?
  • nicht produktiver Husten?
  • rasches Atmen - relativ langsames Ausatmen?
  • Allergiker? Familienanamnese? Neurodermitis?
  • Häufigkeit der Beschwerden? Uhrzeit? (oft nachts)
  • wiederholtes Auftreten anfallsartiger, oftmals nächtlicher Atemnot und/oder Husten?

Diagnostik

Asthma bronchiale

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Zur diagnostischen Abklärung des Asthma bronchiale sollte folgendermaßen vorgegangen werden: [1]

1. Anamnese (siehe dort)

2. sorgfältige klinische Untersuchung:

  • verlängertes Exspirium
  • Tachypnoe
  • Giemen, "Wheezing", Husten? evtl. durch forcierte Exspiration auslösbar
  • bei schwerer Obstruktion: evtl. sehr leises Atemgeräusch

3. Lungenfunktionsanalyse:

  • Vitalkapazität,
  • Einsekundenkapazität/ FEV1
  • Tiffeneau-Test (FEV1 / FVK > 0,8): Obstruktion nach altersabhängigen Normwerten?
  • wenn Obstruktion vorhanden: Reversibilität nach inhalativem SABA (kurzwirkendem Beta-2-Sympathomimetikum)?

wenn ja: Diagnose Asthma

wenn nein: weiterhin Arbeitsdiagnose Asthma?

wenn ja: Reversibilität nach 4 Wochen ICS oder spontan?

wenn ja: Diagnose Asthma, wenn nein: weiterführende Diagnostik                                  

wenn nein: weiterführende Diagnostik

  • wenn keine Obstruktion vorhanden: Messung der BHR und/oder PEF-Variabilität; BHR und/oder PEF-Variabilität nachgewiesen:    

wenn ja: Diagnose Asthma

wenn nein: weiterführende Diagnostik          

Durchführung/Bewertung:

  • Obstruktion: Erwachsene: FEV1/VK < 70 %; Kinder: FEV1/VK < 75 % des Normwertes; visuelle Inspektion der Kurve nötig!
  • Reversibilität nach SABA (kurzwirkendem Beta-2-Sympathomimetikum): Erwachsene: Nach Inhalation von < 4 Hüben eines SABA: FEV1 Zunahme > 15 % (mind. 200 ml); Kinder: nach Inhalation eines SABA (Dosis altersabhängig, i.d.R. 1-2 Hübe): FEV1 Zunahme > 15 %
  • Reversibilität nach 4 Wochen ICS (inhalativem Kortikosteroid): Erwachsene: Nach hochdosierter ICS-Therapie für 4 Wochen: FEV1 Zunahme > 15 % (mind. 200 ml), bei Kindern Nach täglicher Gabe von mitteldosiertem ICS für 4 Wochen: FEV1 Zunahme > 15%
  • Bronchiale Hyperreagibilität (BHR) und/oder PEF-Variabilität:                                                                                                              Erwachsene: Bei asthmatypischer Anamnese, aber normaler Ausgangslungenfunktion: Nachweis einer unspezifischen BHR mittels Provokationstests mit bronchokonstriktorischen Stimuli, z. B. Methacholin-Inhalation: Abfall der FEV1 > 20 %, z.B. standardisierte Laufbelastung: Abfall der FEV1 > 10 %
    und/oder
    zirkadiane PEF-Variabilität > 20 % über einen Zeitraum von 3-14 Tagen, mind. 4 Messungen pro Tag                                                                  Kinder: Bei asthmatypischer Anamnese, aber normaler Ausgangslungenfunktion: Nachweis einer unspezifischen BHR mittels Provokationstests mit bronchokonstriktorischen Stimuli.
    z.B. standardisierte Laufbelastung: Abfall der FEV1 > 10 %2
    z.B. Methacholin-Inhalation: Abfall der FEV1 > 20 %
    und/oder
    zirkadiane PEF-Variabilität4 > 20 % über einen Zeitraum von 3-14 Tagen, mind. 4 Messungen pro Tag
  • bei Diagnose Asthma: Allergologische Stufendiagnostik: Anamnese + Pricktest oder  spezifisches IgE im Serum + evtl. allergenspezifischen Organprovokationstests

Klinik

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Das Asthma bronchiale kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen: [12]

  • chronisch entzündliche Erkrankung der Atemwege mit bronchialer Hyperreagibilität, variabler Atemwegsobstruktion
  • bei kleinen Kindern mindestens 3 Episoden mit trockenen RGs in 6 Monaten
  • Atemnot, Giemen, Keuchen
  • (zumindest anfangs nicht produktiver) Husten
  • bei schweren Fällen Tachydyspnoe, Einziehungen und Nasenflügeln, Einsatz der akzessorischen Atemmuskulatur

Atopisches Typ-I-Asthma

  • anaphylaktoide Sofortreaktion
  • heilt im Erwachsenalter meist aus

Nicht-atopisches Typ-II-Asthma

  • Arthus-Reaktion (Hypersensitivitätsreaktion Typ III; lokale Hyperämie mit Gewebsödem und folgender Nekrose)

Kombinationsform


Therapie

Asthma bronchiale

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Es werden 3 Grade der Asthmakontrolle unterschieden, wobei das Therapieziel ist, ein kontrolliertes Asthma bronchiale hervorzurufen: (nach [2] für Kinder)

Kriterium kontrolliertes Asthma teilweise kontrolliertes Asthma unkontrolliertes Asthma
Symptome tagsüber nein ja Drei oder mehr Kriterien des „teilweise kontrollierten Asthmas“ innerhalb einer Woche erfüllt
Einschränkungen von Aktivitäten im Alltag nein ja  
nächtliche Symptome/Erwachen nein ja  
Einsatz Bedarfsmedikation/Notfallbehandlung nein ja  
Lungenfunktion (FEV1 oder PEF) normal < 80 % des Sollwertes (FEV1) oder des persönlichen Bestwertes (PEF)  
Exazerbation  nein  eine oder mehrere pro Jahr  eine/Woche

Allgemeinmaßnahmen: [2]

  • Notfallplan: Instruktion von Aufsichtspersonen; ein Allergienotfallset sollte stets mitgenommen werden
  • Asthmaschulung: Eltern- und Patientenschulung, regelmässige Nachschulungen
  • körperliche Betätigung
  • Nikotinkarenz, auch passiv

medikamentöse Therapie: nach [2]

es wird im Rahmen einer Stufentherapie zwischen 5 Stufen der Asthmatherapie entschieden. Die Patienten sollten mit der niedrigsten sinnvollen Stufe beginnen und (bei gesicherter Durchführung und korrekter Handhabung) bei teilweise oder unkontrolliertem Asthma jeweils mit einer höheren Stufe weiter behandelt werden, bis ein kontrolliertes Asthma erreicht ist (Abkürzungen und Dosierungen s.u.)

Stufe 1:

  • RABA bei Bedarf (nicht Formoterol in Stufe 1)
  • Alternative oder zusätzlich: Ipratropiumbromid

Stufe 2:

  • ICS niedrigdosiert
  • Alternative: LTRA (Montelukast)
  • + RABA bei Bedarf bzw. Alternative oder zusätzlich: Ipratropiumbromid

Stufe 3:

  • ICS mitteldosiert
  • oder ICS niedrig- bis mitteldosiert + LTRA (Montelukast; bevorzugt im Säuglings- bis Schulalter)
  • oder ICS niedrig- bis mitteldosiert + LABA (bevorzugt ab Schulalter)
  • + RABA bei Bedarf bzw. Alternative oder zusätzlich: Ipratropiumbromid

Stufe 4:

  • ICS hochdosiert
  • oder ICS mittel-bis hochdosiert + LTRA (Montelukast) + LABA
  • + RABA bei Bedarf bzw. Alternative oder zusätzlich: Ipratropiumbromid

Stufe 5:

  • Stufe 4 +
  • zusätzlich orale Kortikosteroide (niedrigste wirksame Dosis)
  • in begründeten Fällen: Omalizumab (bei IgE-vermittelter Genese; s.u.)
  • in begründeten Fällen: Retard-Theophyllin (s.u.)
  • + RABA bei Bedarf bzw. Alternative oder zusätzlich: Ipratropiumbromid

weiteres: [2]

  • es sollten regelmässige Kontrollen stattfinden
  • bei kontrolliertem Asthma über 3 Monate kann eine Reduktion der Medikation erwogen werden
  • bei Verschlechterung der Asthmakontrolle: Kontrolle der Therapieadhärenz, Überprüfung der Inhalationstechnik (Vorführung durch den Patienten), Überprüfung der Diagnose Asthma, persistierende Exposition gegenüber Schadstoffen und Allergenen überprüfen, aggravierende Faktoren überlegen
  • bei Verschlechterung trotz korrekter Handhabung: Intensivierung der Therapie gemäß Stufenschema; anschließend Kontrolle in weniger als 4 Wochen
  • bei anstrengungsinduziertem Asthma sollten vorher Aufwärmübungen durchgeführt werden; zudem kann der Gebrauch eines RABA vorher erwogen werden

Medikamente:

Rasch wirksame β2-Sympathomimetika (RABA oder SABA): [2]

  • bei Bedarf 1-2 Inhalationen, max. 6 Inh tgl.
  • oral: Salbutamol 2mg 3-6 J.: 3-4 x ½-1 Tbl., 7-14 J.: 3-4 x 1 Tbl. > 14 J.: 3-4 x 1-2 Tbl.
  • UAW: feinschlägiger Skelettmuskeltremor, Unruhe, Tachykardie, Herzpalpitationen (v. a. bei Therapieeinleitung); vor allem bei parenteraler Gabe oder bei hoher Dosis: Hypokaliämie, Störungen des Geschmacksempfindens, Muskelkrämpfe, Kopfschmerzen, Schlafstörungen

Langwirksame β-Sympathomimetika (LABA): [2]

  • nicht als Langzeitmonotherapie
  • Salmeterol  - 2 x 1 Inhalation (je 25 μg oder 50 μg) tgl.
  • Formoterol  – 2 x 1-2 Inhalationen (je 6 μg) oder 2 x 1 Inh. (je 12μg) (nicht Stufe 1)
  • Bambuterol – 2-5 J 1 x 10 mg p.o. oder bei 5-12 J 1 x1-2 Tbl. á 10 mg/d p.o.
  • Clenbuterol – ab 12 J 2 x 20 μg/d p.o.
  • Terbutalin – 2-6 J 2 x ½ Tabl. á 2,5 mg p.o., 7-14 J 2 x 1 Tbl., > 14 J 2-3 x 1-2 Tbl. (2,5-5 mg/d p.o.)

Anticholinergikum (Ipratropiumbromid): [2]

  • Ipatropiumbromid – 3 x 1-2 Inhalationen (je 20 μg) tgl. als Dosieraerosol, Fertiginhalat: 3 x 1 Ampulle à 250 μg (MTD 8 Inh.), Inhalationslösung: 3 x 5-10 Hübe à 25 μg (MTD 8 Inh.)
  • UAW: Husten, paradoxer Bronchospasmus, Mundtrockenheit, Anstieg der Herzfrequenz (Herzrhythmusstörungen in sehr hoher Dosierung)
  • Cave: Engwinkelglaukom, Glaukomneigung, Miktionsstörungen
  • Für Kinder bis zu fünf Jahren sollten für die Inhalation von Beta-2-Sympathomimetika oder Corticosteroiden Treibgasdosieraerosole mit Spacer bevorzugt werden

inhalatives Kortikosteroid (ICS): [2]

  • Patienten und Eltern sollten darauf hingewiesen werden, dass jede Beendigung einer Langzeittherapie mit entweder oralen oder inhalativen Glucokortikoiden eine Gefährdungssituation darstellt
  • UAW: Husten; paradoxer Bronchospasmus
  • UAW lokal: Heiserkeit, Candidabefall der Mund- und Rachenschleimhaut
  • UAW systemisch: in Abhängigkeit von der Dosis und nach langdauernder Anwendung: Osteoporose, Glaukom, Katarakt, Verzögerung des Wachstums im Kindesalter, Suppression der Nebennierenrindenfunktion
  • Für Kinder bis zu fünf Jahren sollten für die Inhalation von Beta-2-Sympathomimetika oder Corticosteroiden Treibgasdosieraerosole mit Spacer bevorzugt werden

niedrige Dosierungen ICS (vor dem Essen oder nach jeder Inhalation Mund spülen):

  • Budesonid – 100-200 μg/d
  • Beclometason – 100-200 μg/d
  • Ciclesonid (ab 12J) – 80 μg/d
  • Fluticason – < 200 oder 250-500 μg/d
  • Mometason (ab 12J) < 200 μg/d

mittlere Dosierungen ICS (vor dem Essen oder nach jeder Inhalation Mund spülen):

  • Budesonid: > 200-400 μg/d
  • Beclometason: > 200-400 μg/d
  • Ciclesonid (ab 12J): 160 μg/d
  • Fluticason: 200-250 μg/d
  • Mometason (ab 12J): >200-400 μg/d

hochdosiertes ICS (vor dem Essen oder nach jeder Inhalation Mund spülen):

  • Budesonid: > 400 μg/d
  • Beclometason: > 400 μg/d
  • Ciclesonid sollte nicht in hohen Dosierungen eingenommen werden
  • Fluticason: > 250 μg/d 
  • Mometason (ab 12J): 400-800 μg/d

Kombinationspräparate: [2]

  • Budesonid/Formoterol: Pulver: 6 - 11 J.: 2 x 1-2 Inh. (80 μg/4,5 μg); > 12 J: 2 x 1 2 Inh. (80 μg/4,5 μg; 160 μg/4,5 μg); 2 x 1 Inh. (320 μg/9 μg)
  • Salmeterol/Fluticason: Pulver: 4-11 J.: 2 x 1 Inh. (50 μg/100 μg);
    >12 J.: 2 x 1 Inh. (50 μg/100 μg; 50 μg/250 μg; 50 μg/500 μg) Dosieraerosol: 4 -11 J.: 2 x 1-2 Inh. (25 μg/50 μg); >12 J.: 2 x 1-2 Inh. (25 μg/50 μg; 25 μg/125 μg; 25 μg/250 μg)

Leukotrienrezeptorantagonist (LTRA, Montelukast): [2]

  • Dosierung: 6 Mo-5J – 4 mg Granulat; 2J-5J – 4 mg Kautablette; 6J-14J – 5 mg Kautablette; > 15J – 10 mg Filmtablette 1 x abends
  • abendliche Einnahme
  • UAW: abdominelle Beschwerden; Kopfschmerzen; Beziehung zum Churg-Strauss Syndrom nicht eindeutig (cave: Dosisreduktion systemischer Corticosteroide)
  • Cave: zur Behandlung des schwergradigen Asthmas und des Asthmaanfalls nicht zugelassen!

orale Glukokortikoide: [2]

  • cave systemische NW!
  • nur in Stufe 5 und nur dann, wenn trotz des kombinierten Einsatzes der verschiedenen Therapieoptionen in der vorherigen Stufe die Asthmakontrolle unzureichend ist.
  • Patienten und Eltern sollten darauf hingewiesen werden, dass jede Beendigung einer Langzeittherapie mit entweder oralen oder inhalativen Glucokortikoiden eine Gefährdungssituation darstellt
  • Kontrollen des Längenwachstums erforderlich
  • 0,5-2 mg/kg KG; bei Verschlechterung bis zu maximal 14 Tagen
  • UAW: iatrogenes Cushing-Syndrom, Osteoporose, Myopathie, aseptische Knochennekrose, Glaukom, Katarakt, endokrines Psychosyndrom, Depression, Euphorie, Pankreatitis, Diabetes mellitus, Natriumretention (Ödembildung)/Kaliumverlust, Hypertonie, Nebennierenrindenatrophie, Infektanfälligkeit

Theophyllin: [2]

  • Dosierung: 12-20 mg/kg KG
  • Bestimmung der Serumkonzentration nötig!
  • enge therapeutische Breite
  • UAW: (abhängig von der Serumkonzentration, vor allem bei Serumkonzentration > 20 mg/l), z. B. Kopfschmerzen, Erregungszustände, Unruhe, Schlaflosigkeit; gastrointestinale Störungen (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall); Verstärkung eines gastroösophagealen Refluxes, Tachykarde Rhythmusstörungen, Hypokaliämie, Palpitationen, Blutdruckabfall, verstärkte Diurese; bei Serumkonzentration > 25 mg/l: Krampfanfälle, gastrointestinale Blutungen, ventrikuläre Arrhythmien, multifokale Vorhoftachykardie, Blutdruckabfall.

Omalizumab: [2]

wenn vorliegen:

  • positiver Hauttest oder in-vitro Reaktivität gegen ein ganzjährig auftretendes Aeroallergen und
  • eingeschränkte Lungenfunktion (FEV1 < 80 % ab 12J) und
  • häufige Symptome tagsüber oder nächtliches Erwachen wegen asthmatischer Beschwerden und
  • mehrfach dokumentierte, schwere Asthmaexazerbationen trotz täglicher Therapie mit hochdosierten ICS und LABA und
  • IgE-Serumkonzentration unter Berücksichtigung des Körpergewichts im therapierbaren Bereich.

Behandlung des akuten Asthmaanfalls bei Kindern und Jugendlichen: nach [2]

leichter bis mittelschwerer Anfall:

  • ein längerer Satz kann nicht innerhalb eines Atemzuges beendet werden, Gebrauch der akzessorischen Atemmuskulatur, AF < 30/min, HF < 120/min, PEF < 80% und > 50% des Bestwertes 
  • Initialtherapie: 2-4 Hübe eines RABA alle 20-30min, max. alle 10min
  • evtl. O2 2-4l/min
  • evtl. 1-2 mg/kg KG Prednisolon oral
  • Selbsthilfetechniken zur Atemerleichterung
  • bei unzureichendem Ansprechen: Einweisung ins Krankenhaus
  • bei gutem Ansprechen: weitere RABA-Inhalation bis zu 4h
  • anschließend ambulante Betreuung

schwerer Anfall:

  • ein längerer Satz kann nicht innerhalb eines Atemzuges beendet werden, Gebrauch der akzessorischen Atemmuskulatur, sitzende Position, Arme abgestützt, AF > 5J > 30/min, 2-5J > 40/min, HF < 5J < 120/min, 2-5J > 130/min; PEF < 50% des Bestwertes , AsO2 < 90% bei Raumluft
  • Initialtherapie in der Praxis: 2-4 Hübe eines SABA alle 20-30min, max. alle 10min
  • O2 2-4l/min über Maske oder Nasensonde, Ziel: SaO2 > 92%
  • 1-2 mg/kg KG Prednisolon oral oder i.v.
  • Selbsthilfetechniken zur Atemerleichterung
  • umgehende Einweisung ins Krankehnhaus

lebensbedrohlicher Anfall:

  • Atemerleichternde Stellung
  • Pulsfrequenz: Eine Zunahme bedeutet eine Verschlechterung; bei ausbleibender klinischer Besserung ist ein Abfall als ein präfinales Ereignis aufzufassen
  • Zyanose, kein Atemgeräusch („Stille Lunge“), arterielle Hypotonie, Erschöpfung, Verwirrtheit, SaO2 < 85 % (PaO2 < 6 kPa bzw. 45 mmHg) unter Raumluft, PaCO2 erhöht (> 6 kPa bzw. 45 mmHg), PEF nicht messbar
  • umgehende Einweisung ins Krankenhaus mit Notarztbegleitung
  • Initialtherapie vor und während des Transportes ins Krankenhaus: 2-3l/min O2 über Nasensonde (Ziel-SaO2: > 92%)
  • 4-8 Hübe eines SABA, max. alle 10 min, alle 20-30 Minuten nach Ansprechen oder 10-20 Tropfen in 1ml NaCl über Vernebler aölle 20min, ggf. plus Ipratropiumbromid
  • 1-2 mg/kg KG Prednisolon oral oder i.v.
  • atemerleichternde Lage oder Körperposition

Indikationen für eine intensivmedizinische Behandlung:

  • persistierende oder zunehmende Hypoxämie (SaO2 < 92 %)
  • Hyperkapnie
  • Azidose (arterieller/kapillärer pH < 7,35)
  • falls messbar: Verschlechterung der PEF-Werte (
  • Erschöpfung
  • Bewusstseinsstörung/Konfusion

Weiteres Vorgehen bei akutem Asthmaanfall im Krankenhaus: [2]

  • RABA: bei Ansprechen maximal alle 10-20 Min. oder als Dauerinhalation über Vernebler;  Monitor- und Serumkaliumkontrolle
  • Kortikosteroide: 1-2 mg/kg KG Prednisolonäquivalent alle sechs Stunden bevorzugt i.v. (Maximaldosis von 60 mg).
  • Ipratropiumbromid: bei mangelndem Ansprechen auf Beta-2-Sympathomimetika beim schweren Asthmaanfall frühzeitig und auch wiederholt zusätzlich zur Inhalation (1-2 Hübe mit je 20 μg als Dosieraerosol oder 10 Hübe Inhalationslösung über Vernebler mit 250 μg als Inhalat – gemischt mit der Beta-2-Sympathomimetika-Inhalationslösung)
  • Magnesiumsulfat i.v.: Bei mangelndem Ansprechen auf Ipratropiumbromid wird vor der Gabe von SABA i.v. die Verabreichung von Magnesium i.v. empfohlen. 50 (25-75) mg/kg KG Magnesium-sulfat i.v. = 0,1 ml/kg der 50%igen, bzw. 0,5 ml/kg der 10%igen Magnesiumsulfat-Lösung (maximal 2 g) über 20 Min. langsam unter Monitorkontrolle verabreichen (Stopp bei Bradykardie, Herzfrequenz < 100 Schläge/min abfallend).
  • Beta-2-Sympathomimetika i.v. z. B. Reproterolhydrochlorid (Säuglinge ab drittem Monat); initiale Kurzinfusion: 1 μg/kg KG/min über zehn Minuten. Dauerinfusion: 0,2 μg/kg KG/min über 36-48 Stunden (ständige Kontrolle der Herzfrequenz (nicht über 200 Schläge/min)). Die Dosis kann in Abhängigkeit von der Wirkung alle 10-30 Min. um 0,1 μg/kg KG/min erhöht werden. Bei Gefahr einer respiratorischen Insuffizienz kann die Dosis bis zu maximal 2,0 μg/kg KG/min erhöht werden. In Ausnahmefällen (schwerste Verläufe) kann eine Bolusinjektion eine wirksame Ergänzung sein: 1,2 μg/kg KG (über ½-1 Min.) i.v. injizieren. Beta-2-Sympathomimetika i.v. und Theophyllin i.v. sind auf der Intensivstation etwa gleichwertig einzusetzen.
  • Theophyllin i.v.: bei Kindern mit schwerem oder lebensbedrohlichem Bronchospasmus trotz maximaler Dosierung von Bronchodilatatoren und Glucokortikosteroiden kann unter stationären Bedingungen unter Monitorkontrolle Theophyllin i.v. eingesetzt werden. Dosierung: Theophyllin-Bolus i.v. 5-6 mg/kg KG über 20 Min. (cave Vortherapie), dann Dauerinfusion mit 1 (0,7-1,3) mg/kg KG/h unter Spiegelkontrolle.

nicht empfohlende Therapiemaßnahmen bei einem akuten Asthmaanfall bei Kindern/Kugendlichen: [2]

  • Leukotrienrezeptorantagonisten (LTRA, Montelukast)
  • Orale Beta-2-Sympathomimetika
  • Sedativa/Anxiolytika (Atemdepression!)
  • Expektorantien (Husten ↑)
  • Hydratation mit großen Flüssigkeitsvolumina (kardiale Belastung)
  • Antibiotika (meist viral bei Exazerbation; nur bei gleichzeitiger Pneumonie etc.)

ambulante Betreuung nach Asthmaanfall: [2]

  • Überprüfen: Inhalationstechnik, Verwendung des Peak-Flow-Meters zur häuslichen Asthmakontrolle, anfallsauslösende Ursachen, Notfallbehandlungsplan.
  • Schriftliche Fixierung von Behandlungsempfehlungen auch für die Langzeittherapie
  • Beginn/Fortführung einer Langzeittherapie mit einem ICS
  • Fortführung der systemischen Glukokortikoid-Therapie über drei Tage. Die Behandlungsdauer kann in Abhängigkeit vom Eintreten der Remission verlängert werden
  • Nur noch bedarfsweise Einnahme des RABA anstreben
  • Prüfen der Indikation zur Anschlussheilbehandlung bzw. ambulanten rehabilitativen Maßnahmen wie Patientenschulung oder Lungensport (z. B. im Rahmen des DMP) und ggf. organisatorisch vorbereiten

Komplikationen

Asthma bronchiale

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Eine akute Exazerbation des Asthma bronchiale kann zu lebensbedrohlicher Atemnot führen (s. auch Therapie)!


Zusatzhinweise

Asthma bronchiale

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  • bei Asthma bronchiale gehören SABA (schnell wirksame  β2-Sympathomimetika) und ICS in die Hausbesuchstasche bzw. in den Notfallkoffer

Klassifikation von Asthma bronchiale:

  • Grad 1 = Anfall < 1 x/Woche
  • Grad 2 = Anfall < 1 x/Tag
  • Grad 3 = Anfall täglich
  • Grad 4 = Anfall anhaltend, täglich

Literaturquellen

Asthma bronchiale

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  1. Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe: Wege zur Diagnose. Entscheidungsprozesse in der Medizin. Urban & Schwarzenberg München 1992.
  2. Nationale Versorgungsleitlinie Asthma (2011), AWMF-Register nvl-002
  3. Lichey, J., Mcl. Johnson, N.: Kompendium Pulmologie. Blackwell Wissenschaft Berlin 1992.
  4. Nolte, D.: Asthma. Atemnot. Atemfunktion. Verlag Gedon & Reuss München 1985.
  5. Raab, W., Kleinsorge, H.: Diagnose von Arzneimittelallergien. Urban & Scharzenberg München 1968,
  6. Ruppert, V.: Asthmafibel. Schwarzeck Verlag München 1985.
  7. Sorichter, S., Vogel, M.: Lungenfunktion kompakt. IA Verlag Freiburg 2002.
  8. Spindler, T.: Asthmatherapie in Zeiten von Leitlinien und strukturierten Behandlungsprogrammen. ärztliches journal reise & medizin 2006(3): 68-72.
  9. Global Initiative for Asthma (GINA).
  10. Patientenleitlinie Asthma.
  11. Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Asthma. Dtsch. Atemwegsliga e.v. und Deutsche Gesellschaft für Pneumologie Thieme Stuttgart 2005.
  12. Ahrens, P., Herting, E.: Asthma beim Kind: Was ist anders als beim Erwachsenen? Der Allgemeinarzt 2009: 40-42.
  13. Hellmann, A.: Viele mögliche Ursachen erschweren die Diagnose. Was tun, wenn der Husten nicht aufhört? MMW 2006; 148(8): 49-52.
  14. Stratakis, D.F., Huber, R.M.: Allergiediagnostik beim Asthma bronchiale. Von Prick bis Provokation - welche Tests sind nötig? MMW 2006; 148(16): 30-33.
  15. Grevers, G.: Jedem vierten Kind droht eine Allergiekarriere. Greifen Sie so früh wie möglich ein. MMW 2006; 148(16): 25.
  16. von Mutius, E.: Umwelt? Gene? Gen-Umwelt-Interaktionen? Allergien lassen sich nicht über einen Kamm scheren. MMW 2006; 148(5): 26-28.
  17. Pfaar, O., Hörmann, K., Klimek, L.: Subkutane oder mukosale Hyposensibilisierung. Kausale Therapie bei allergischer Rhinitis. MMW 2006; 148(5): 28-32.
  18. Schultze-Werninghaus, G.: Gemeinsame Therapiestrategie bür obere und untere Luftwege. Denken Sie bei Asthma auch an Rhinitis? MMW 2006; 148(5): 32-36.
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