Arthritis urica

Synonyme: Podagra, Chiragra, Arthritis urica

Definition

Arthritis urica

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Die Arthritis urica ist eine neu aufgetretene Gelenkentzündung (meist Daumen- oder Großzehengrundgelenk) infolge einer Hyperurikämie. Diese muss während der akuten Entzündung nicht zwingend vorliegen.


Ätiologie

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Ursachen einer Arthritis urica können sein:

  • Änderungen der Ernährungsgewohnheiten: Diäten, Essen mit hohem Puringehalt, Alkoholzufuhr
  • Beginn einer Therapie, die den Harnsäurespiegel senken soll

Ätiopathogenese: Erhöhung des Harnsäurespiegels bzw. Änderung des Löslichkeitsgleichgewichtes. Folge: Kristalle werden durch Granulozyten beseitigt, Entzündungsreaktion ausgelöst -> Synovitis

Für die der Arthritis urica zugrunde liegende Hyperurikämie gibt es verschiedene Ursachen:

Primäre Hyperurikämie:

  • gestörte tubuläre Ausscheidung von Harnsäure durch die Niere (> 99% der Fälle)
  • Produktion von zu viel Harnsäure: z.B. beim Lesch-Nyhan-Syndrom oder dem Kelley-Seegmiller-Syndrom (selten)

Sekundäre Hyperurikämie:

  • renale Ausscheidung vermindert (z.B. Nierenerkrankungen, Laktat- oder Ketoazidosen, Saluretika) [10]

Epidemiologie

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Die Gicht und die Arthritis urica kommen gehäuft in der westlichen Welt vor.

  • Es handelt sich um eine Wohlstandskrankheit.
  • 20% der Männer haben in diesen Ländern eine Hyperurikämie > 7 mg/dl [10]
  • Frauen leiden eher nach der Menopause unter erhöhten Harnsäure-Werten [10]

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Beim der Arthritis urica sind folgende Informationen relevant:

  • Welche Beschwerden? Seit wann?
  • plötzlicher oder schleichender Beginn?
  • schon einmal gehabt?
  • Welche Gelenke sind betroffen?
  • Schmerzen?
  • Kann die Bettdecke ertragen werden?
  • Fieber?
  • Abgeschlagenheit?
  • Diät? Feste mit reichlich Essen oder Alkohol?
  • Risikofaktoren fürs metabolische Syndrom: Bluthochdruck? Raucher? Zuckerkrank? Zu hohe Fettwerte?
  • Grunderkrankungen?
  • Nierenerkrankungen? Stoffwechselerkrankungen? Blutarmut? Tumorleiden?
  • Werden Medikamente eingenommen?
  • Haben andere Familienmitglieder Gicht?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Arthritis urica werden folgende Methoden genutzt:

  • gründliche Anamnese erheben
  • körperliche Untersuchung: Inspektion (Rötung? Schwellung?), Palpation (Strukturen tasten, Schwellung tasten, überwärmt? schmerzhaft?)
  • Körpertemperatur messen
  • Labor: Diff.BB (Leukozytose?) BSG, CRP, Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure (muss nicht erhöht sein)
  • Urin: Harnsäure-Ausscheidung im 24h-Urin
  • Röntgen der jeweiligen Gelenke
  • evtl. Gelenkpunktion mit Untersuchung von Synovia und mikrobiologischer Untersuchung des Punktats
  • Spezialuntersuchungen bei Verdacht auf Enzymdefekte des Purinstoffwechsels

Bei unklarer Ursache einer Gelenksentzündung deutet das prompte Ansprechen auf Colchicin (ex juvantibus) auf einen akuten Gichtanfall hin.


Klinik

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Das klinische Bild der Arthritis urica präsentiert sich durch eines oder mehrere der folgenden Symptome:

  • allgemeine Beschwerden: Fieber, Abgeschlagenheit
  • akute, oftmals in der Nacht auftretende, dolente Schwellung, Rötung und Überwärmung eines Gelenks (Monarthritis)
  • oft wird die Bettdecke nicht toleriert
  • Lokalisation:am häufigsten Großzehengrundgelenk, theoretisch kann jedes Gelenk betroffen sein
  • Großzehengrundgelenk -> Podagra
  • Daumengrundgelenk -> Chiragra
  • gelegentlich mehrere Gelenke gleichzeitig betroffen

Ohne Therapie spontanes Abklingen der Beschwerden in der Regel nach einigen Tagen bis Wochen.

Das klinische Bild der chronischen Gicht:

  • durch therapeutische Möglichkeiten selten geworden
  • neben anderen Komplikationen Bildung von Tophi (Ablagerungen von Harnsäure-Kristallen)
  • Vorkommen in Weichteilen (z.B. Ohrmuschel) und Knochen (z.B. Schädigung des gelenknahen Knochens und der Gelenkstrukturen)

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten des akuten Gichtanfalls umfassen: [10]

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR als Mittel der ersten Wahl) z.B. Ibuprofen oral: Einzeldosis 800 mg, Tagesdosis bis 2.400 mg
  • Colchicin (Mittel der Reserve): initial 1 mg/h für 4h, dann 0,5 mg - 1 mg alle 2h, max.Tagesdosis: 6mg, bei Besserung der Symptomatik rasch Dosis reduzieren
  • symptomatische Therapie: Gelenk kühlen, hochlagern, schonen bis Anfall abgeklungen ist

Langfristige Therapie:

  • Körpergewicht normalisieren
  • purinarme Diät (wenig Fleisch, keine Innereien, kein Alkohol)
  • viel Trinken
  • Urikostatika bzw. Urikosurika (z.B.: Allopurinol 100-300 mg/d (an Nierenfunktion anpassen), alternativ Benzbromaron oder Probenecid
  • ggf. prophylaktisch Allopurinol bei Diät und Chemotherapie
  • Wechselwirkungen von Medikamenten beachten, die den Harnsäure-Stoffwechsel beeinflussen (z.B. Diuretika)

Sind die genannten therapeutischen Maßnahmen unzureichend, so sind evtl. eine Synovektomie sowie ggf. ein künstlicher Gelenkersatz zu erwägen.


Komplikationen

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Komplikationen des akuten Gichtanfalls:

  • evtl. Fehlstellungen von Gelenken
  • Fortschreiten der zugrunde liegenden Hyperurikämie mit systemischen Komplikationen
  • kosmetische Beeinträchtigung

Zusatzhinweise

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Stadieneinteilung der Hyperurikämie: [10]

  1. Asymptomatische Hyperurikämie
  2. Akuter Gichtanfall
  3. Interkritisches Stadium (Zeitraum zwischen 2 Gichtanfällen)
  4. Chronische Gicht

Literaturquellen

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  1. (2007) Man CY - Comparison of oral prednisolon/paracetamol and oral indometacin/paracetamol combination therapy of acute goutlike arthritis: A double-blind, randomized, controlled trial - Ann Emerg Med
  2. (2008) Grusch B, Rintelen B, Leeb B F - Evidenzbasierte Empfehlungen der EULAR: Diagnostik und Therapie der Gicht - Z Rheumatol 66: 568 - 572
  3. (2000) Schmidt K L: Rheumatologie - Thieme
  4. (2009) Herold G - Innere Medizin - Gerd Herold Verlag
  5. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  6. (2009) Thieme Verlag - Innere Medizin - Thieme
  7. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Gerd Herold Verlag
  8. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  9. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer
  10. (2006) Herold G - Innere Medizin - Gerd Herold Verlag

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