Arthritis bei Morbus Reiter

Synonyme: Reiter-Syndrom

Definition

Arthritis bei Morbus Reiter

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Die Arthritis bei Morbus Reiter ist eine in 80% HLA-B-27 assoziierte, reaktive Mono- bzw. Oligoarthritis mit begleitender, unspezifischer Urethritis und Konjunktivitis (Reiter-Trias).


Ätiologie

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Die Erkrankung wird als reaktive Arthritis aufgefasst.

Dem Gelenkbefall gehen meist ein Darminfekt (Shigellen), eine Urethritis (Chlamydien) oder aber eine Konjunktivitis voraus.

Man unterscheidet zwischen dem "postvenerischen Typ" der Arthritis und dem "postdysenterischen Typ":

  • typischer Erreger für den postvenerischen Typ ist Chlamydia trachomatis
  • der postdysenterische Typ wird meist verursacht durch: Salmonellen (Salmonella enteritidis und Salmonella typhimurium), Shigella flexneri, Shigella dysenteriae, Yersinia enterocolitica, Campylobacter fetus, Clostridium difficile und Mykoplasmen

Epidemiologie

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  • Die Arthritis bei Morbus Reiter ist ein relativ selten vorkommendes Krankheitsbild.
  • Die Inzidenz der Erkrankung liegt bei etwa: 3.5/ 100 000 weltweit und bei 4-5/ 100 000 in den westlichen Ländern.
  • Hauptsächlich betroffen sind junge weiße Männer (m:f = 20:1).
  • Das Hauptmanifestationsalter liegt zwischen dem 20. und 30. (bis 45.) Lebensjahr.

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Folgende Informationen sind für eine Arthritis bei Morbus Reiter zu erfragen:

  • welche Gelenke sind hauptsächlich betroffen?
  • rezidivierende Ergüsse?
  • evtl. Kapselschwellungen?
  • Allgemeinbefinden schlecht?
  • vorausgegangender Darm- oder Harninfekt?
  • Fieber?
  • Gewichtsreduktion?
  • schmerzlose Ulzerationen auf Zunge und Mundschleimhaut?
  • Hautveränderungen?
  • Labordiagnostik
  • Röntgen
  • Familienanamnese
  • bisherige Therapie? Mit welchem Erfolg?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Arthritis bei Morbus Reiter gehören:

  • Anamnese (vorausgegangener Infekt, positive Familienanamnese)
  • Inspektion

Palpation Funktionsprüfungen der Gelenke Labordiagnostik (BSG, Blutbild, CRP) und Synovialanalyse weisen auf ein akut entzündliches Geschehen hin Stuhluntersuchung (bei immer noch bestehender klinischer Symptomatik), Urinuntersuchung, Urethralabstrich oder Zervixabstrich mit Untersuchung auf Chlamydien und Mykoplasmen, evtl. PCR, Erregerkultur  Nachweis von HLA-B27 das Röntgenbild zeigt erst bei chronischem Verlauf sekundärarthrotische Veränderungen evtl. MRT-Untersuchung der betroffenen Gelenke


Klinik

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Die Symptome der Arthritis bei Morbus Reiter sind:

  • die Symptome treten meist 1-6 Wochen nach einem i.d.R vom Patienten unbemerkt auftretenden Infekt auf
  • die Arthritis des Reiter-Syndroms ist asymmetrisch und oligoartikulär
  • die großen Extremitätengelenke sind bevorzugt befallen
  • im Vordergrund stehen rezidivierende Ergussbildungen und (seltener) Kapselschwellungen
  • das Allgemeinbefinden der Patienten ist deutlich beeinträchtigt
  • Fieber, Abgeschlagenheit, Gewichtsabnahme kommen oft vor
  • auf Zunge und Mundschleimhaut können schmerzlose Ulzerationen bestehen
  • als Hautveränderungen finden sich eine Balanitis, Keratodermatitis und psoriatiforme Hautveränderungen (Reiter-Trias)
  • es kann zu Rezidiven kommen

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Arthritis bei Morbus Reiter umfassen folgendes:

  • primär bei Erregernachweis: antibiotische Behandlung des Darm- oder Harninfektes (10-14 Tage) v.a. mit Tetrazyklinen: Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche > 50 kg Körpergewicht erhalten 4-mal täglich 1-2 Hartkapseln (250 mg) (entsprechend 1000 bis 2000 mg). Patienten ab dem 8. Lebensjahr mit einem Körpergewicht < 50 kg erhalten 2-3-mal täglich 25 bis 35 mg Tetracyclinhydrochlorid/ kg Körpergewicht. Die Behandlungsdauer richtet sich nach dem Verlauf der Erkrankung. 
  • begleitende symptomatische Behandlung der reaktiven Arthritis mit physikalischer Therapie (auch Kryotherapie) und nichtsteroidalen Antirheumatika z.B.:Diclofenac (der empfohlene Dosisbereich für Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren liegt zwischen 50 und 150 mg Diclofenac-Natrium/Tag, verteilt auf 1 – 3 Einzelgaben. Eine Anwendung von Diclofenac bei Kindern und Jugendlichen < 15 Jahren wird nicht empfohlen (keine ausreichenden
    Erfahrungen), Ibuprofen (bei Erwachsenen: 200 bis max. 1200 mg/Tag, bei Kindern und Jugendlichen: 7 bis 10mg/kg KG als Einzeldosis, bis maximal 30mg/kg KG als Tagesgesamtdosis)
  • bei Monarthritiden: evtl. lokale Kortikoidtherapie
  • bei nicht zu beherrschenden entzündlichen  Gelenksymptomen und bei deutlicher Allgemeinsymptomatik: systemische  Glykokortikoidtherapie (10-30 mg Prednisolon, kurzfristig)
  • bei schweren Verläufen: Basistherapie mit Sulfasalazin (bei Erwachsenen: 2-3-mal 1000-2000 mg/Tag; bei Kindern ab 6 Jahren: 50 mg/kg Körpergewicht), Methotrexat (die empfohlene Initialdosis beträgt 7,5mg 1-mal wöchentlich oral, als intramuskuläre oder intravenöse Applikation; nach Erreichen des gewünschten Therapieerfolgs: langsame Dosisreduzierung) oder Azathioprin (Dosierung beim Erwachsenen: 2mg/kg KG/Tag, bei Kindern: 2,5 mg/kg KG/Tag; nach Wirkungseintritt sollte die Dosierung auf 1mg/kg KG/Tag beim Erwachsenen und auf 1,5mg/kg KG/Tag bei Kindern gesenkt werden)
  • evtl. krankengymnastische Therapie, um die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten und Muskelatrophien zu verhindern

In 75 % der Fällen heilt die Erkrankung nach 6 Monaten aus.


Komplikationen

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Bei der Arthritis bei Morbus Reiter kommen folgende Komplikationen vor:

  • in 15-20 % der Fällen besteht die Möglichkeit, dass die reaktive Arthritis in eine chronische Arthritis übergeht
  • persistierende Arthralgien, Rückenschmerzen 

Zusatzhinweise

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Es liegen zur Zeit keine Zusatzhinweise über eine Arthritis bei Morbus Reiter vor.


Literaturquellen

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  1. (2005) F.U. Niethard, J. Pfeil - Orthopädie - Duale Reihe - Thieme Verlag
  2. (2009) S. Breusch, H. Mau, D. Sabo - Klinkleitfaden Orthopädie - Urban u. Fischer
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  4. (2009) Niethard F, Pfeil J - Orthopädie und Unfallchirurgie - Thieme
  5. (2003) Hans-Jürgen Hettenkofer - Rheumatologie: Diagnostik, Klinik, Therapie - Georg Thieme Verlag, 5. Auflage
  6. (2010) Wülker Nikolaus - Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie - Thieme
  7. www.fachinfo.de
  8. (2010) Rote Liste
  9. (2005) Rössler H, Rüther Wolfgang - Orthopädie und Unfallchirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
  10. (1998) Krämer J, Grifka J, Hedtmann A, Krämer R - Orthopädie - Springer
  11. (1996) Zippel H - Orthopädie systematisch - Uni Med. Verlag AG
  12. (1989) Weber U., Zilch H - Orthopädie mit Repetitorium - Gruyter

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