Aphasie

Definition

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Die Aphasie bezeichnet den völligen Verlust der bereits erlernten Sprache als Zeichen eines hirnorganischen Prozesses. Daneben sind meist auch die anderen expressiven und rezeptiven sprachlichen Fähigkeiten betroffen (Schreiben, Verstehen, Lesen). [3,4]

Aphasien kann man wie folgt Klassifizieren:

  • Globale-Aphasie: Zerstörung des gesamten Sprachareals
  • Wernicke-Aphasie: Zerstörung der Area 22
  • Broca-Aphasie: Zerstörung der Area 44
  • Amnestische-Aphasie: Zerstörung der Areae 39 und 37
  • Leitungsaphasie: Zerstörung der Area 40 und des Fasciculus arcuatus [3,4]

Ätiologie

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Die Aphasie ist in 80% der Fälle eine Folge zerebrovaskulärer Erkrankungen, vorallem eines Schlaganfalls.

Weitere Ätiologien sind:

  • Traumen (iatrogen: chirurgische Eingriffe und Schädel-Hirn-Trauma)
  • Hirntumor
  • Infektionen
  • Noxen
  • Hirnabbauprozesse [3,4]

Epidemiologie

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Die Inzidenz derAphasie in Deutschland liegt bei 25.000/Jahr.

Die Prävalenz liegt in Deutschland bei 85.000-100.000 Patienten. [3,4,5,6]


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Aphasie ist die Eigenanamnese meist stark eingeschränkt, es ist wenn möglich eine Fremdanamnese zu erstellen:

  • wann sind die Sprachstörungen aufgetreten?
  • wie war der Verlauf?
  • andere Symptomatik? (Halbseitenlähmung oder ähnliches?)
  • begleitende Vergesslichkeit?
  • Stürze oder andere Traumen?
  • Operationen am Gehirn?

Diagnostik

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Diagnostik bei der Aphasie:

  • Anamnese
  • klinische Untersuchung
  • Sonographie, CT, MRT
  • Aachener-Aphasietest (auch zur Verlaufskontrolle) siehe auch: [8]
  • funktionale Diagnostik (zur Untersuchung der Funktionsbeeinträchtigung und Integrationsstörung eines Patienten bezogen auf seinen Alltag) [3,4]

Klinik

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Die Symptome der Aphasie sind abhängig von dem jeweiligen Typ:

Globale-Aphasie:

  • Sprachautomatismen u./o. schwere Störung in allen Modalitäten (Leitsymptom)
  • stark eingeschränkter Sprachfluss
  • stark gestörte Kommunikation
  • stets Hemiparese

Wernicke-Aphasie:

  • Paragrammatismus, Paraphrasien (Leitsymptom)
  • stark gestörte Sprachverständnis
  • überschießende Sprachproduktion
  • flüssige Sprache

Broca-Aphasie:

  • Agrammatismus (Leitsymptom)
  • stark gestörte Spontansprache
  • leicht gestörtes Sprachverständnis
  • schlechte Artikulation

Amnestische-Aphasie:

  • Wortfindungsstörung (Leitsymptom)
  • Paraphrasien
  • gutes Sprachverständis
  • flüssiger Sprachfluss, aber häufige Satzabbrüche

[3,4]


Therapie

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Therapieziele bei Aphasie:

  • Verbesserung sprachlicher Fähigkeiten und der Kommunikationsfähigkeit
  • Verbesserung der Teilnahme am sozialen Leben
  • es müssen spezifische und individuelle Therapieziele formuliert werden die im Behandlungszeitraum erreichbar scheinen (diese Ziele müssen belegbar sein) [4]

Therapieoptionen:

  • abhängig vom Allgemeinzustand des Patienten sollte möglichst früh nach dem Schlaganfall eine Sprachtherapie begonnen werden (Ziel: Stimmulation des Patienten, Verhinderung einer Fehlanpassung), dabei sollten alle Personen die zum Umfeld des Patienten gehören eingeschlossen werden
  • möglichst tägliche Sprachtherapie (nachweisbar wirksam bei einer intensität von 5-10 Stunden pro Woche) [9]
  • in der postakuten Phase kann neben der Sprachtherapie adjuvant Piracetam (4,8g/d) über einen Zeitraum von 6 Wochen gegeben werden [4]
  • intensive Intervallbehandlungen sind auch mehr als 12 Monate nach dem Schlaganfall noch zu empfehlen
  • in späteren Phasen ist es sinnvoll Probleme des Transfers von erlernten sprachlichen Fähigkeiten auf die Alltagsanforderungen therapeutisch zu unterstützen
  • die Aufmerksamkeit sollte auch auf eine entstehende Depression im Langzeitverlauf gelegt werden

[3,4]


Komplikationen

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Komplikationen der Aphasie:

  • soziale Isolation des Patienten
  • Depressionen im Langzeitverlauf [4]

Zusatzhinweise

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Die Prognose der Aphasie ist u.a. abhängig von:

  • initialem Schweregrad
  • Größe und Lokalisation der Hirnläsion
  • Alter des Patienten
  • Zeitraum: Erkrankung-Therapiebeginn
  • Intelligenz des Patienten

Eine vollständige Wiederherstellung der Sprachfunktion ist in der Regel nicht möglich. [3,4]


Literaturquellen

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  1. (2009) Breitenstein C, Kramer K, Meinzer M, Baumgärtner A, Flöel A, Knecht S - Intensives Sprachtraining bei Aphasie - Der Nervenarzt (80)2
  2. (2009) Diehl-Schmid J, Knels C, Danek A - Chronisch progrediente Aphasien - Der Nervenarzt 80(12)
  3. (2009) Reiß M - Facharztwissen HNO-Heilkunde - Springer, Heidelberg
  4. (2008) Diener HC, Putzki N, et al. - Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie - Thieme, Stuttgart, New York
  5. (2006) Huber W, Poeck K, Springer L - Klinik und Rehabilitation der Aphasie - Thieme, Stuttgart
  6. (2006) Siegenthaler W, Hubert EB - Klinische Pathophysiologie - Thieme, Stuttgart
  7. (2004) Block F, Kastrau F - Primär progressive Aphasie - Der Nervenarzt 75(12)
  8. (2002) Wacker A, Holder M, Will BE, Winkler PA, Limberger J - Vergleich von Aachener Aphasie-Test, klinischer Untersuchung und Aachener-Bedside-Test bei Hirntumorpatienten - Der Nervenarzt 73(8)
  9. (2002) Bhogal SK, et al. - Intensity of aphasia therapy, impact on recovery - Stroke 34:987-993

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