Aortenaneurysmen

Synonyme: Aneurysma, Aortenaneurysma

Definition

Aortenaneurysmen

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Die Definition von Aortenaneurysmen beinhaltet:

  • Aneurymsa = pathologische Ausweitung der Arterienwand
  • Es kann sowohl in Längs- oder Querrichtung, als auch kombiniert auftreten
  • Das klinische Bild ist abhängig von Größe, Thrombosierung und Intaktheit der Gefäßwand

Ätiologie

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Ursachen von Aortenaneurysmen sind:

  • Konnatale Aneurysmen = überwiegend an den zerebralen Gefäßen der der Aorta ascendens (Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom Typ IV)
  • Arteriosklerose = sie gehen aus der allgemeinen Arteriendilatation hervor. Oft wird ein beidseitiger oder multilokaler Befall beobachtet
  • Syphilitische Aneurysmen = hier kommt es zu einer Mediaschädigung durch Befall mit Spirochäten. Hohe Rupturgefahr!
  • Mykotische Aneurysmen = durch hämatogen embolische Streuung von einem entfernten Sepsisherd. Auch lymphogene Ausbreitung und per continuitatem von entzündlichen Prozessen in der Bauchhöle ist möglich. Häufigste Erreger sind Streptokokken, Staphylokokken und Salmonellen
  • Inflammatorische Aneurysmen = unklare Ätiologie
  • Poststenotische Aneurysmen = durch Verwirbelungen des Blutstroms oberhalb einer arteriellen Stenose
  • Traumatisches Aneurysma

Epidemiologie

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Inzidenz und Prävalenz von Aortenaneurysmen:

  • Der Altersgipfel des infrarenalen Aortenaneurysmas liegt zwischen 65 und 75 Jahren
  • Generell sind überwiegend Männer betroffen (m:w = 6:1)
  • Die Prävalenz im höheren Lebensalter liegt bei 2,5%
  • Männliche Hypertoniker sind zu ca. 10% betroffen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Fragen, die zur Diagnosestellung von Aortenaneurysmen von Bedeutung sind:

  • Schmerzcharakter, -lokalisation
  • Schmerzausstrahlung (Rücken, Flanken)
  • Begleiterkrankungen: KHK, pAVK, arterieller Hypertonus, Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus

Diagnostik

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Diagnostik von Aortenaneurysmen:

Klinische Untersuchung:

  • Oft ist ein systolisches Strömungsgeräusch oder ein Schwirren auskultierbar
  • Bei abdominellen Aneurysmata ist oft ein pulsierender Tumor im Bauchraum palpabel

Bildgebung:

  • Zentrale Aneurysmen werden oft zufällig bei Routineuntersuchungen mittels Sonographie bzw. Doppler/ Farbduplex diagnostiziert
  • Zur exakten Festlegung = CT mit Kontrastmittel oder auch MRT
  • Röntgen (Thorax, Abdomen) = evtl. sichelförmige Kalkschale sichtbar oder Pleura- bzw. Perikarderguss bei Ruptur
  • Angiographie = nur in Ausnahmefällen

Klinik

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Symptome bei Aortenaneurysmen:

80% der Aneurymsen sind asymptomatisch

Klassische Symptome, wenn vorhanden, sind:

  • Nach unten ausstrahlende Schmerzen in Rücken und Flanken
  • Evtl. Dyspnoe und Heiserkeit (bei thorakalen Aneurysmen)
  • Druckgefühl hinter Jugulum und/ oder Sternum
  • Kompressionserscheinungen/ Verdrängung von Organen
  • Schocksymptomatik (durch hohe Blutverluste bei Ruptur)
  • akutes Abdomen

Therapie

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Therapeutische Möglichkeiten von Aortenaneurysmen:

Konservativ:

  • Regelmäßige Ultraschallkontrollen (max. jährliche Größenzunahme = 0,4cm)
  • Evtl. Antihypertensive Therapie

Interventionell:

  • Einbringen eines oder mehrerer Kunstoffbeschichteten Stents (transfemoral; mittels Katheter)
  • Indikationen: kleine Aneurysmata, Trauma der thorakalen Aorte descendens
  • Verfahren wird heute in 50% der Fälle eingesetzt

Operativ:

  • Bei asymptomatischen Patienten wird die Indikation ab einem Querdurchmesser von 5cm gestellt
  • Bei symptomatischen Patienten ist eine OP grundsätzlich indiziert
  • Bei Ruptur ist eine Indikation ebenfalls immer gegeben

Komplikationen

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Als Komplikationen bei Aortenaneurysmen zu beachten sind:

  • Mit zunehmender Größe = dünnere Wand = erhöhte Rupturgefahr
  • Oft lagern sich an der Innenwand Thromben an - meist verbleibt dadurch nur ein durchsträmter Restkanal - Ischämiegefahr
  • Bei kleineren Gefäßen besteht daher auch die Gefahr eines thrombotischen Aneurysmaverschlusses
  • Emboliegefahr
  • Gefahr der Kompression von Nachbarorganen durch große Aneurysmen

Zusatzhinweise

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Zu beachtende Zusatzinformationen bei Aortenaneurysmen:

Formen:

Pathologisch unterscheidet man zwischen 3 Formen:

  1. Aneursyma verum (echtes Aneurysma): sackartige oder spindelförmige Aufweitung der gesamten Arterienwand
  2. Aneurysma spurium (falsches Aneurysma): hier sind nicht alle Schichten der Arterienwand beteiligt. Sie entstehen oft iatrogen, nach Punktionen, Operationen oder traumatisch
  3. Aneurysma dissecans: tritt fast ausschließlich in der Aorta auf. Auslöser ist eine Mediaschädigung. Sekundär kommt es zu einem Intimariss, was zu einer Aufspaltung der Wandschichten führt und sich somit ein "Doppellumen" bildet. Es drohen Ruptur und Verschluss abgehender Seitenäste.

Anatomisch unterscheidet man zwischen 2 Formen:

  1. Aneurysma sacciforme: sackförmige Ausbuchtung/ enger Hals
  2. Aneurysma fusiforme: spindelförmige Ausbuchtung/ Ausbuchtung des kompletten Gefäßumfangs

Häufigste Lokalisationen der Aortenaneurysmen:

  • 85% liegen infrarenal
  • 15% liegen thorakal
  • selten = thorakoabdominal

Einteilung des Aneurysma dissecans in Abhängigkeit von der Lokalisation des Intimaeinrisses nach deBakey und Stanford:

  • Intimaeinriss ab Aorta ascendens bis Aorta abdominalis (= deBakey I bzw. Stanford A): ohne OP schlechte Prognose - OP ist primär indiziert
  • Intimaeinriss von Aorta ascendens bis Aorta ascendens/ Aortenbogen (= deBakey II bzw. Stanford A): ohne OP schlechte Prognose - OP ist primär indiziert
  • Intimaeinriss ab Ende des Aortenbogens bis Aorta descendens (= deBakey III bzw. Stanford B): bessere Prognose - werden primär konservativ behandelt
  • Intimaeinriss ab Ende des Aortenbogens bis Aorta abdominalis (= deBakey III bzw. Stanford B): bessere Prognose - werden primär konservativ behandelt

Literaturquellen

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  1. M. Müller und Mitarbeiter (2008/09) - Chirurgie für Studium und Praxis - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach
  2. Doris Henne-Bruns, Michael DÜrig, Bernd Kremer (2008) - Chirurgie - Thieme, Stuttgart 
  3. Andreas Hirner, Kuno Weise (2008) - Chirurgie - Thieme, Stuttgart
  4. Berchtold (2008) - Chirurgie - Elsevier GmbH, München
  • (2007) Henne-Bruns D, Düring M, Kremer B - Chirurgie - Thieme, Stuttgart, Duale Reihe
  • (2010) Müller M - Chirurgie für Studium und Praxis - 2010/11,10. Aufl. - Medizinische Verlags- und Informationsdienste
  • (2009) Schiergens T - BASICS Chirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2008) Berchtold R, Bruch H.-P, Trentz O - Chirurgie ,6. Aufl. - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  • (2008) Berchtold R, Ackermann R, Bartels M, Bartsch D.K - Berchtold Chirurgie - Elsevier, München
  • (2007) Siewert R - Basiswissen Chirurgie - Springer Verlag, Berlin
  • (2007) Kloeters O, Müller M - Crashkurs Chirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2006) Siewert J. R - Chirurgie - Springer, Berlin
  • (1999) Koslowski L, Bushe K, Junginger T, Schwemmle K - Die Chirurgie - Schattauer, F.K. Verlag

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