Andere, spinale Infektionen

Definition

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Spinale Infektionen sind Infektionen des Rückenmarks durch Bakterien, Viren oder Protozoen mit Ausbildung raumfordernder Prozesse und neurologischen Ausfällen.


Ätiologie

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Ursachen der spinalen Infektionen sind:

Infektion mit:

  • Bakterien
  • Viren (akut-viral, parainfektös; z.B. Varizella-Zoster, EBV-Infektion; HIV-Infektion; Poliovirus)
  • Protozoen (Toxocara canis)

Epidemiologie

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Genaue epidemiologische Angaben für spinale Infektionen liegen nicht vor.

  • Epidemiologie der einzelnen Ätiologien → siehe DD

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei den spinalen Infektionen sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Fieber und Fieberverlauf?
  • Rückenschmerzen?
  • Atemprobleme?
  • Lähmungen?
  • Gefühlsstörungen?
  • Blasen-/Mastdarmstörungen?
  • neurologische Ausfälle (Missempfindungen, Paresen, Querschnittssymptomatik)?
  • prädisponierende Grunderkrankung?
  • Medikamentenanamnese?

Diagnostik

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Bei der diagnostischen Abklärung der spinalen Infektionen sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: Sensibilitäts- und Kraftprüfung, lokaler Wirbelsäulen-Druck- /Klopfschmerz, Nervendehnungszeichen
  • Labor: Blutbild, CRP, BSG, Leber-/Nierenparameter, evtl. Blutkulturen; Serologie, Virus-PCR, evtl. Stuhlkultur auf Polioviren
  • Liquorpunktion: Cave: keine Punktion auf Höhe eines vermuteten Abszesses! gemischtzellige Pleozytose < 1000/µl, Gesamteiweiß erhöht, Liquorkulturen; bei Nachweis von oligoklonalen Banden und intrathekaler IgG-Zunahme → an ADEM denken
  • spinales MRT: in T2 hyperintens, in T1 hypo-/isointens mit homogenem oder randständigem KM-Enhancement, begleitende Spondylodiszitis?
  • evtl. Myelographie: heute zunehmend unbedeutender
  • Elektrophysiologie: SSEP, MEP; MEG

Klinik

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Spinale Infektionen können eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

Entwicklung innerhalb weniger Tage bis zu mehreren Wochen möglich

  • Beginn mit Fieber
  • Rückenschmerzen
  • lokaler Druck-/Klopfschmerz
  • Paresen
  • Sensibilitätsstörungen
  • evtl. Querschnittssyndrom (spastische Paresen/Plegie, gesteigerte Reflexe, Blasen-/Mastdarmstörungen)
  • Gefahr ausgeprägter Lähmungen/der Ateminsuffizienz bei Polio

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten der spinalen Infektionen umfassen folgendes:

  • Virustatisch entsprechend der Ätiologie (Aciclovir)
  • Protozoen: Albendazol 10 mg/Tag, alternativ: Mebendazol, Thiabendazol (25 mg/ kg KG pro Tag über 1–2 Wochen)
  • symptomatisch mit hochdosierten Glukokortikoiden, z.B. 3-mal 1000 mg Methylprednisolon

Bei Poliomyelitis:

  • konservativ: Bettruhe, Antipyretika, Physiotherapie
  • bei Ateminsuffizienz: Intubation und Beatmung
  • Prophlyaxe: aktive Impfung i.m. nach Salk (IPV), die orale Polioimpfung nach Sabin wird wegen des Risikos einer Impfpolio nicht mehr durchgeführ

Komplikationen

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Komplikationen spinaler Infektionen sind:

  • Myelitis
  • Defektzustände

Bei Poliomyelitis:

  • rasch aufsteigende Lähmungen
  • Ateminsuffizienz
  • Mitbeteiligung von Hirnnerven (v.a. IX und X)
  • Polioenzephalitis acuta infantum: fulminant verlaufende Form bei Kindern mit Bewusstseinsstörung und Krampfanfällen
  • Residuen: atrophische Lähmungen, Gelenkdeformitäten
  • Post-Polio-Syndrom: 35-40 Jahre nach Primärinfektion: chron. Müdigkeit, Muskelschmerzen, Depression, chron.-progrediente Muskelschwäche

Zusatzhinweise

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  • Polio als meldepflichtige Erkrankung
  • Rückbildung der Lähmungen über bis zu 2 Jahre

Literaturquellen

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1. Grehl H, Reinhardt F (2008) - Checkliste Neurologie, 4. überarbeitete und aktualisierte Auflage - Georg Thieme Verlag, Stuttgart

2. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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