Anaplastisches Astrozytom

Synonyme: Astrozytom Grad III,

Definition

Anaplastisches Astrozytom

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Das anaplastische Astrozytom ist eine unkontrollierte Proliferation maligne entarteter Astrozyten des Gehirns mit schlechter Prognose.


Ätiologie

Anaplastisches Astrozytom

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Ursachen des anaplastischen Astrozytom sind:

  • Die genaue Ätiologie von Astrozytomen ist unbekannt
  • Entwickelt sich häufig aus einem Astrozytom Grad II
  • können durch Strahlungsexposition hervorgerufen werden
  • genetische Alterationen: Mutationen von Tumorsupressorgenen p53 und p16, Deletion auf  Chromosom 19q
  • WHO Grad III
  • typische histologische Maliginitätskriterien: Mitosenreichtum, Zell-/Kernpolymorphismen, ausgeprägte Neovaskularisation, hohes Proliferationspotential
  • Lokalisation: Großhirnhemisphären, Stammganglien, selten in der hinteren Schädelgrube

Epidemiologie

Anaplastisches Astrozytom

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Folgende epidemiologische Daten zum anaplastischen Astrozytom liegen vor:

  • Der Altersgipfel beim anaplastischen Astrozytom liegt im  4. - 5. Lebensjahrzehnt.
  • Männer doppelt so häufig betroffen wie Frauen.
  • mittlere Überlebenszeit: 3 - 4 Jahre
  • 30% aller Astrozytome

Differentialdiagnosen

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Anamnese

Anaplastisches Astrozytom

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Beim anaplastischen Astrozytom sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • neu aufgetretener/veränderter Kopfschmerz?
  • (morgendliche) Übelkeit und Erbrechen?
  • Persönlichkeitsveränderungen?
  • epileptische Anfälle?
  • maligne Erkrankungen in der Vorgeschichte/Familie?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung des anaplastischen Astrozytom sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: Stauungspapille? fokal-neurologische Ausfälle?
  • cCT: hypo-hyperdens möglich, ausgeprägte KM-Aufnahme und perifokales Ödem
  • cMRT: in T1 hyperintens mit typischem KM-Enhancement
  • EEG: Herdbefund?
  • Biopsie

Klinik

Anaplastisches Astrozytom

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Das anaplastische Astrozytom kann ein oder mehrere Symptome zeigen:

  • Das anaplastische Astrozytom führt zu einem ausgeprägten perifokalen Ödem, welches die eigentliche Ursache für die meisten Symptome darstellt
  • fokale epileptische Anfälle
  • Hirndruckzeichen (Übelkeit, Erbrechen, Vigilanzminderung, Singultus)
  • fokal-neurologische Ausfälle (Hemiparesen, Hemianaopsie, Aphasie, evtl. Ataxie)
  • globale Enzephalopathie

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten des anaplastischen Astrozytom umfassen folgendes:

  1. Tumorresektion: bei neurochirurgisch zugänglichen Tumoren und ausreichendem AZ
  2. Adjuvante Radiatio: 55-60 Gy Gesamtdosis auf Tumor
  3. Antiödematöse Therapie: (Dexamethason: initial 40mg als Bolus, anschließend 32mg/d oral mit langsamer Reduzierung auf 6-12mg/d)
  4. Adjuvante Chemotherapie:
  • mit PCV (Procarbazin, CCNU, Vincristin): Alter < 65 J., Karnofsky-Index >70% 14 Tage nach Ende Radiatio
  • mit PCV, kombiniert ACNU + VM bzw. ACNU + ARA-C: bei Karnofsky-Index >70%
  • mit Temozolomid: 150-200 mg/m2 KOF für 5 Tage + erneuter Zyklus nach 4 Wochen, Absetzen bei Tumorprogress unter 4 Zyklen
  • umstritten: Boswellia serrata (Weihrauchpräparat), Tamoxifen

Komplikationen

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Komplikationen des anaplastischen Astrozytom sind:

  • Einklemmung bei erhöhtem Hirndruck
  • maligne Entartung zum Glioblastoma multiforme möglich (häufig)
  • Rezidive nach Jahrzehnten, häufig mit höherer Malignität
  • Tod

Zusatzhinweise

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Es liegen zur Zeit keine Zusatzhinweise zum anaplastischen Astrozytom vor.


Literaturquellen

Anaplastisches Astrozytom

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  1. (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  2. (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  3. (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  4. (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  5. (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  6. (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag
  7. (2007) Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Neuropädiatrie und der deutschen Gesellschaft für pädiatrische Onkologie und Hämatologie - Leitsymptome und Diagnostik bei Hirntumoren im Kindesalter: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/025-022.html>
  8. (2004) Informationszentrum für Standards in der Onkologie - Interdisziplinäre S2-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Gliome des Erwachsenenalters: http://www.krebsgesellschaft.de/download/ebm-leitlinie_gliome.pdf>

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