Anaphylaktischer Schock

Synonyme: allergischer Schock, Anaphylaxie, anaphylactic shock

Definition

Anaphylaktischer Schock

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Beim anaphylaktischen Schock handelt es sich um eine Antigen-Antikörper-Reaktion vom Soforttyp mit systemischer Wirkung, die zu einem  lebensbedrohlichen Zustand mit akutem Kreislauf-versagen, Verminderung der Mikrozirkulation, Gewebshypoxie und metabolischen Störungen führen kann.


Ätiologie

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Die häufigsten Ursachen eines anaphalaktischen Schocks sind:

  • Insektenstiche (Wespengift)
  • Medikamente (z.B. Penicillin, Acetylsalicylsäure)
  • Röntgen-Kontrastmittel
  • Nahrungsmittel (z.B. Meeresfrüchte, Nüsse)
  • Impfstoffe

Es gibt zwei Pathomechanismen der Anaphylaxie (allergischen Sofortreaktion):

  1. IgE-vermittelte Typ I Reaktion (tritt nach vorangegangener Sensibilisierung und erneutem Antigen-Kontakt auf)
  2. Pseudoallergische Reaktion ohne IgE-Nachweis (tritt bereits nach erster Allergenexpostion durch direkte Mediatorfreisetzung (Histamin, Serotonin, Leukotriene)auf)

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie des anaphylaktischen Schocks liegen folgende Daten vor:

Inzidenz: 3,2-20 / 100.000 Einwohner (Rochester, Michigan).[3]


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Anamneseerhebung eines anaphylaktischen Schocks ist zu beachten:

  • neue Medikamenteneinnahme?
  • Nahrungsmittelallergie bekannt?
  • was zuletzt gegessen?
  • Insektenstich erinnerlich?
  • bekannte andere Allergien?
  • vorangegangene Impfung?
  • Infektionen?
  • Vorerkrankungen?
  • Juckreiz der Haut?
  • Kribbelparästhesien der Zunge und/oder Extremitäten?
  • Heiserkeit?
  • Atemnot?
  • Erbrechen?
  • Durchfall?
  • Bauchschmerzen?
  • Unruhe, Schwindel?
  • Herzstolpern?
  • Kreislaufreaktionen?
  • bereits schon eine anaphylaktische Reaktion in der Vorgeschichte?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung des anaphylaktischen Schocks sind relevant:

  • Diagnosesicherung in der Regel anamnestisch und klinisch mit Allergenexpositions-Nachweis
  • körperliche Untersuchung mit RR, Puls, Pulsoxymetrie
  • EKG (Monitor)
  • Blutgasanalyse
  • Echokardiographie
  • Röntgen Thorax
  • Labor (BB, evtl Zytopenie und Eosinophilie > 1000/ul, Leber- und Nierenwerte evtl. ↑,  Gerinnung, Elektrolyte, CK, LDH, BZ, CRP)

Nach der Akutversorgung:

  • Bestimmung des spezifischen IgE
  • elektiverPrick - und Intrakutantest (Ziel der Testung sind die Identifikation von Ausweichpräparaten sowie der Ausschluss einer Allergie gegen ein notwendiges Arzneimittel)

Klinik

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Der anaphylaktischer Schock kann ein oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Rötungen und Quaddeln der Haut
  • Juckreiz
  • Schweißausbrüche
  • Hitzegefühl des Körpers
  • trockener Mund
  • Kribbelparästhesien
  • Sehstörungen
  • Kopfschmerz
  • Atemnot
  • Unruhe, Angst
  • Übelkeit 
  • Erbrechen
  • Diarrhoe
  • Schock mit Hypotonie, Tachykardie, Bewusstseinsstörungen, Bewußtlosigkeit
  • Herz-Kreislauf- und Atemstillstand

Therapie

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Therapie des anaphylaktischen Schocks:

  • Notfall, sofortige Therapie erforderlich
  • sofortige Unterbindung einer weiteren Allergenexposition (falls möglich)
  • Schocklagerung
  • Notarzt-Transport und intensivmedizinische Überwachung
  • bereits bei der Erstversorgung dauerhaftes Monitoring von EKG, RR, Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung, O2 8-10 l/min, ggf. Intubation und Beatmung (schwierig bei Bronchospasmus, ggf. Koniotomie) sowie
  • großlumigen Venenzugang legen und
  • Prednisolon 1000 mg iv. als Bolus und
  • Antihistaminika :
    H1-Blocker: z.B. Clemastin 4 mg i.v.
    H2-Blocker: z.B. Cimetidin 400 mg i.v.
  • Adrenalin:  Soforttherapie mit Spray / i.v.-Injektion (1 mg Adrenalin mit 9 ml NaCl 0,9% aufziehen, iv-Applikation fraktioniert über 5 min., Maximaldosis 5-10 mg / intratracheale Anwendung mit doppelter Dosis
  • Volumensubstitution (cardiale Vorerkrankungen beachten, ansonsten mindestens 2000-3000 ml Ringerlösung, evtl. HAES bis zu 2000 ml)
  • Bei Bronchospasmus: Salbutamol (Beta2-Sympathomimetikum) als Spray oder i.v.-Applikation mit 0,25-0,5 mg/5 min (4 ug/kg) verdünnt, Maximaldosis 2 mg/24 Std und Theophyllin 0,24 - 0,48 g als Kurzinfusion
  • Magenschutz mit: Pantoprazol 40 mg/d i.v. oder Omeprazol 40 mg /d i.v.
  • Bei fortbestehendem Schock Dopamin (Startdosis: 35µg / kg / min.) 
  • Bei Kreislaufstillstand: sofortige kardiopulmonale Reanimation

Patienten, die durch eine Anaphylaxiereaktion gefährdet sein könnten, sollten ein Notfallset (Antihistaminikum, Kortikoid, β2-Sympathomimetikum und Adrenalin als fast-ject-Injector zur eigenständigen Adrenalininjektion) bei sich tragen.


Komplikationen

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Zu den wichtigsten Komplikationen eines anaphylaktischen Schocks gehören:

  • Bronchospasmus
  • Asphyxie
  • Multiorganversagen
  • Tod

Zusatzhinweise

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Die verschiedenen Stadien des anaphylaktischen Schocks:

  • Stadium O: lokal begrenzte kutane Reaktion
  • Stadium 1: Allgemeinsymptome (Schwindel, Kopfschmerz, Juckreiz, Unruhe)
  • Stadium 2: Hypotension, Tachykardie, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, leichte Dyspnoe
  • Stadium 3: Bronchospasmus, Dyspnoe, Bewusstlosgkeit
  • Stadium 4: Atem-und Kreislaufstillstand

20% der Patienten erleiden ein Rezidiv innerhalb von 8 Stunden.


Literaturquellen

Anaphylaktischer Schock

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  1. (2009) Larsen R - Praxisbuch Anästhesie - Urban & Fischer, Elsevier
  2. (2008) Kiess, Merkenschlager, Pfäffle, Siekmeyer - Therapie in der Kinder und Jugendmedizin- Elsevier, Urban &Fischer Verlag
  3. (2008) Decker WW et al. The etiology and incidence of anaphylaxis in Rochester, Minnesota: A report from the Rochester Epidimiology Project. J Allergy Clin Immunol; 122:1161
  4. (2008) Striebel HW - Anästhesie und Intensivmedizin für Studium und Pflege - Schattauer GmbH
  5. (2007) Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) et al.: Leitlinie: Akuttherapie anaphylaktischer Reaktionen. AWMF Leitlinien-Register Nr. 061/025
  6. (2007) Mayatepek E - Pädiatrie - Elsevier, Urban & Fischer Verlag
  7. (2007) Scholz L - BASICS Anästhesie und Intensivmedizin - Urban & Fischer, Elsevier
  8. (2006) Schulte am Esch J, Kochs E, Bause H - Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Thieme, Duale Reihe
  9. (2004) Müller-Werdan U und Werdan K: Anaphylaktischer Schock. In: Intensivmedizin ecomed-Verlag
  10. (2004) Latasch, Knipfer - Anästhesie Intensivmedizin Intensivpflege - Urban & Fischer, Elsevier
  11. (2003) Thiel R - Anästhesiologische Pharmakotherapie, Allgemeine und spezielle Pharmakologie in Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie - Thieme
  12. (2003) Klöss T - Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Urban & Fischer
  13. (2001) Krier, Kochs, Buzello, Adams - Anästhesiologie, ains Band 1 - Thieme, Stuttgart
  14. (2000) Scherer R - Anästhesiologie - Ein handlungsorientiertes Lehrbuch - Thieme
  15. (1999) Hempelmann, Adams, Sefrin - Notfallmedizin, Band 3 - Thieme, Stuttgart
  16. (1996) Kretz F.J, Schäffer J, Eyrich K - Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Springer, Berlin

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