Alzheimer-Demenz

Synonyme: Demenz vom Alzheimer-Typ, Alzheimer-Krankheit, Morbus Alzheimer, DAT

Definition

Alzheimer-Demenz

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Die Alzheimer-Demenz (auch Morbus Alzheimer) ist eine progrediente neurodegenerative Erkrankung des Gehirns unklarer Ätiologie. Infolge der Ausbildung von senilen Plaques und einer neurofibrillären Degeneration kommt es zu einer zunehmenden Hirnatrophie.


Ätiologie

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Ursachen der Alzheimer-Demenz sind:

  • degenerative Hirnkrankheit, die zur Demenz führt
  • Erkrankungsalter zwischen dem 7. und 8. Lebensjahrzehnt
  • Frauen häufiger als Männer betroffen, aber nur weil ihr Anteil an dieser Altersklasse größer ist
  • rascher Verlauf
  • nach 4-5 Jahren schwere Demenz
  • die seltene familiäre Form hat ein jüngeres Erkrankungsalter

Epidemiologie

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Die Alzheimer-Demenz macht 60-80% aller Demenzen aus.

  • Die Prävalenz in Deutschland steigt mit dem Alter der Patienten von ca. 0,9 % der 65- bis 75- Jährigen auf ca. 30% der 85-Jährigen.
  • Pro Jahr Erkranken ca. 120.000 Menschen neu, dass sind 0,1% der 65- bis 69-Jährigen alt sind und 7% der über 90-Jährigen.
  • Frauen, die im Schnitt deutlich älter werden sind auch häufiger betroffen: w : m = 3 : 1

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Alzheimer-Krankheit sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Orientierung zu Zeit und Ort? (Welcher Tag, Datum, Jahreszeit, Ort?)
  • Allgemeine Leistungsschwäche?
  • Uncharakteristische Kopfschmerzen?
  • Vergesslichkeit? (Geburtstage, Namen von Familienangehörigen? Dinge, die gestern passierten, gemacht wurden? Telefonnummern?)
  • Verlust des Überblicks über vertraute Situationen? Sachen finden? Im Haushalt mit Geräten umgehen und Routinen durchführen?
  • Ist es noch möglich Neues zu lernen?
  • Kann einer Fernsehsendung bzw. einem Zeitungsartikel gefolgt werden?
  • Ist es noch möglich die normalen täglichen Dinge wie z.B. einkaufen, Rechnungen bezahlen, Autofahren zu erledigen?
  • Rechen-, Lese- und Schreibschwierigkeiten?
  • Person wirkt bei der Untersuchung desorientiert bei erhaltener Fassade?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Alzheimer-Demenz sind relevant:

  • EEG ist uncharakteristisch
  • CT: je nach Stadium zeigt sich eine Volumenminderung besonders der Hirnrinde
  • PET: charakteristische Veränderungen des Glukosemetabolismus temporal und parietal
  • PET erzielt eine hohe Sensitivität in der Abgrenzung der Lewy-Körperchen-Demenz von DAT (Demenz vom Alzheimertyp)
  • Liquordiagnostik: über Spezialuntersuchung auf Tau-Protein, Amyloid-Präkursor-Protein und andere assoziierte Proteine wird die Diagnosefindung erleichtert
  • Erniedrigung von Amyloid-Peptid A beta 1-42, Erhöhung von A beta 1-40 sowie von phosphoryliertem und Gesamt-Tau-Protein

Entscheidend für die klinische Diagnose

  • Verschiedene Neuropsychologische Tests (Mini Mental State Examination, CERAD Batterie, ADAS-cog usw.)
  • Visokonstruktive Test (Uhrentest)
  • Beeinträchtigung anderer kognitiver Leistungen, z.B. Sprachfunktionen, Wahrnehmung, Praxie und räumliche Orientierung
  • Schleichender Beginn und langsame Progredienz
  • Ausschluss anderer Ursachen für Demenz

Klinik

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Die Alzheimer-Demenz kann eine oder mehrere Symptome zeigen:

  • Uncharakteristische Kopfschmerzen
  • Unsystematischer Schwindel
  • Allgemeine Leistungsschwäche
  • Vergesslichkeit
  • Kein Überblick mehr über vertraute Situationen und Aufgaben
  • Schwierigkeiten beim Rechnen, Lesen und Schreiben
  • Wortfindungsstörungen
  • Schnell nicht mehr in der Lage, ihren Beruf auszuüben oder den Haushalt zu führen
  • Persönlichkeit, äußere Haltung und gemüthaftes Erleben bleiben lange erhalten (erhaltene Fassade!)
  • Keine Affektlabilität
  • Bei Untersuchungen meist zeitlich und örtlich nicht voll orientiert
  • Hochgradige Störung der Merkfähigkeit
  • Patienten perseverieren stark, d.h. sie bleiben bei einem gedanklichen Inhalt, manchmal sogar bei einem Wort, hartnäckig haften

Neuropsychologische Störungen

  • Aphasische Sprachstörung
  • Bilaterale Apraxie
  • Räumlich-konstruktive Störung
  • Räumliche Orientierungsstörung
  • Leistungen können in Situationen von unterschiedlicher affektiver Tönung erheblich wechseln
  • Patienten ermüden rasch und geraten in ratlos- traurige Verstimmung oder sogar in eine Katastrophenreaktion in der keine Aufgabe mehr gelöst wird
  • Antriebsmangel bei 70% der Patienten
  • Psychomotorische Unruhe mit Umherwandern, auch mit Rufen und Schreien bei 60%
  • Schlafstörungen mit nächtlichen Unruhezuständen bei 70%
  • Depressivität mit sozialem Rückzug bei 40%
  • Aggressivität gegen Bezugspersonen bei 30-40%
  • Wirken im sozialen Kontakt und Auftreten gepflegt
  • Emotionale Reaktionen nicht grob gestört
  • Leichte Reflexdifferenzen und Zeichen von Parkinsonismus
  • Häufig pathologische Hand-, auch Mundgreifreflexe auslösbar

Therapie

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Leitliniengerecht umfasst die Therapie der Alzheimer Demenz die medikamentöse Behandlung sowie psychosoziale Interventionen für Betroffene und Angehörige im Rahmen eines individuellen Gesamtbehandlungsplans.

Pharmakologische Behandlung:

Behandlung der Kernsymptomatik der Alzheimer Demenz (kognitive Fähigkeiten, Alltagsfähigkeiten, klinischem Globalurteil und ggf. auch psychische und Verhaltenssymptome): Evidenz-basierte Antidementiva mit belegter Wirksamkeit (laut Empfehlung S3-Leitlinien "Demenzen")

  • Cholinesterasehemmer [Rivastigmin, Donezepil  und Galantamin] bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer Demenz
  • NMDA-Antagonisten [Memantine] bei moderater bis schwerer Alzheimer Demenz
  • Eine Kombination aus Memantine und einem Cholinesterasehemmer kann bei schwerer Demenz erwogen werden

Behandlung von psychischen und Verhaltenssymptomen:

Psychosoziale Interventionen (beispielsweise):

  • kognitive Verfahren (z.B. kognitives Training)
  • Ergotherapie
  • Körperliche Aktivität
  • Künstlerische Therapien (Musiktherapie, Kunsttherapie)

Bei unzureichender Wirkung und Therapie mit Antidementiva Anwendung psychotroper Arzneimittel (Antipsychotika, Antidepressiva, Antikonvulsiva, Tranquililizer). Jedoch nur, wenn die Symptome beträchtlich sind und aufgrund eines erhöhten Mortalitätsrisikos (Antipsychotika) nur kurzfristig.  

  • Bei agitiertem und aggressivem Verhalten: evtl. kurzfristige Behandlung mit Risperidon bzw. Aripripazol
  • Bei schwerer psychomotorischer Unruhe, die zu deutlicher Beeinträchtigung des Betroffenen und/oder der Pflegenden führt: evtl. kurzfristiger Therapieversuch mit Risperidon
  • Benzodiazepine wegen negativer Effekte auf Kognition, der Erhöhung der Sturzgefahr und des Abhängigkeitspotentials nur in Ausnahmefällen und kurzfristig einsetzen
  • bei Depressionen: Antidepressiva (z.B. SSRI, kombinierte Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, MAO-Inhibitoren), aber keine tri- und tetrazyklischen Antidepressiva.

Komplikationen

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Bei der Alzheimer-Demenz kommen folgende Komplikationen vor:

Betrifft Stadium III:

  • Eigene Pflege nicht mehr durchführbar
  • Inkontinenz
  • Störungen der Motorik bis zur Bettlägerigkeit
  • Durchschnittlich 10-12 Jahre nach Beginn der Erkrankung versterben die Alzheimer-Patienten.
  • Nach der Diagnose sind es im Schnitt nur noch 4 Jahre bis zum Tod!

Zusatzhinweise

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Zu der Alzheimer-Demenz liegen folgende Zusatzhinweise vor:

  • Ursächliche Therapie ist nicht möglich
  • Risikofaktoren: Familienangehörige 1. Grades mit Demenz, höheres Alter sowie Apo-E

Literaturquellen

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  1. (2010) Dodel R, Klockgether T - Roter Faden Neurologie - Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart
  2. (2009) S 3 - Leitlinie "Demenzen" der DGN und DGPPN: www.dgn.org/images/stories/dgn/pdf/s3_leitlinie_demenzen.pdf
  3. (2009) Möller HJ, Laux G, Deister A - Duale Reihe Psychiatrie und Psychotherapie - Thieme Verlag, Stuttgart (Seite 201-212)
  4. (2009) Tölle R, Windgassen K - Psychiatrie - Springer Medizin Verlag, Heidelberg (Seite 302ff)
  5. Kasper S, Volz HP (2003) - Psychiatrie compact - Georg Thieme Verlag, Stuttgart (Seite 42 ff)
  6. (2009) Klußmann R, Nickel M - Psychosomatische Medizin und Psychotherapie - Springer Verlag, Wien
  7. (2009) Mentzos S - Lehrbuch der Psychodynamik - Verlag Vandenhoeck & Ruprecht/BRO
  8. (2009) Janssen P, Joraschky P, Tress W - Leitfaden Psychosomatische Medizin und Psychotherap - Deutscher Ärzte Verlag
  9. (2008) Rentrop M, Müller R, Bäuml J - Klinikleitfaden Psychiatrie und Psychotherapie - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  10. (2007) Rudolf - Psychotherapeutische Medizin und Psychosomatik - Thieme
  11. (2007) Arolt V, Reimer C, Dilling H - Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie - Springer
  12. (2006) Fritzsche K, Wirsching M - Psychosomatische Medizin und Psychotherapie - Springer

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