Allergische Rhinokonjunktivitis

Synonyme: Heuschnupfen, Pollinosis, allergische Nasen-Bindehaut-Entzündung

Definition

Allergische Rhinokonjunktivitis

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Die allergische Rhinokonjunktivitis ist eine allergische Entzündung der Nase sowie der Bindehäute der Augen. Sie zählt zu den allergischen Reaktionen vom Typ I.


Ätiologie

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Zu den Ursachen der allergischen Rhinokonjunktivitis zählen:

Typ-I- bzw. IgE-vermittelte Sofortreaktion durch:

Inhalationsallergene:

  • Gräser-, Getreide- und Baumpollen
  • Tierepithelien
  • Hausstaubmilben
  • Schimmelpilzsporen

Nahrungsmittelallergene


Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der allergischen Rhinokonjunktivitis:

  • Die Prävalenz der allergischen Rhinokonjunktivitis liegt bei 15-20%, Tendenz: zunehmend
  • die Allergie vom Typ I ist die häufigste Allergieform im Kindesalter
  • familiäre Belastung: etwa 50%-iges Risiko zu erkranken, wenn beide Elternteile betroffen sind
  • Geschlechterverteilung: m:w = 1:1
  • tritt in jedem Alter auf, ab dem 50. Lebensjahr seltener

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der allergischen Rhinokonjunktivitis müssen folgende Aspekte beachtet werden:

  • Welche Beschwerden bestehen? Seit wann?
  • Häufigkeit der Beschwerden?
  • Zeitpunkt des Auftretens? Saisonale Häufung?
  • Rote Augen? Juckreiz? Brennen? Lichtscheu?
  • Lider gerötet oder geschwollen?
  • verstopfte Nase? Schnupfen?
  • Niesanfälle?
  • Luftnot?
  • Husten?
  • Halsschmerzen?
  • Fieber?
  • hat sich das Sehen verschlechtert?
  • ist der Geruchssinn schlechter geworden?
  • ist der Geschmackssinn schlechter geworden?
  • Ohrenschmerzen?
  • Hat sich das Hören verschlechtert?
  • Gesichtsschmerzen? Wo? Wann? Wie oft?
  • Zahnschmerzen?
  • Gliederschmerzen? Kopfschmerzen?
  • Abgeschlagenheit?
  • Grunderkrankungen bekannt? Immunschwäche? Neurodermitis? Asthma bronchiale?
  • Allergien bekannt? Heuschnupfen?
  • Probleme/Beschwerden beim Verzehr von Obst und anderen Lebensmitteln?
  • Sind die Eltern Allergiker?
  • Haustiere?
  • Werden Medikamente eingenommen? Welche?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der allergischen Rhinokonjunktivitis sind relevant [8]:

  • Anamnese
  • körperliche Untersuchung:
  • Blutdruck und Puls messen
  • Körpertemperatur messen
  • Erhebung eines kompletten HNO-Status, dabei:
  • Inspektion: Anteriore Rhinoskopie (ggf. per Endoskopie): Schleimhaut gerötet, geschwollen? Sekretion? außerdem Inspektion des Rachens und der Trommelfelle
  • Palpation: Lymphknoten tasten, Druckschmerz über Trigeminusaustrittspunkten (Sinusitis?)
  • Inspektion der Augen, dabei insbesondere Beachtung der Lider, Bindehäute, Hornhäute
  • Inspektion, Auskultation, Palpation und Perkussion des Thorax
  • Untersuchung des gesamten Integuments auf das Vorhandensein von Exanthems
  • Labor: Diff-BB, BSG, CRP, Gesamt-IgE, spez. IgE (RAST)
  • spezielle Allergiediagnostik: 
  • Atopie-Score
  • Prick-Test
  • Mikrobiologie: Rachen- und Bindehautabstriche zur mikrobiologischen Untersuchung
  • Funktionsdiagnostik: je nach Symptomatik Lungenfunktion überprüfen!

Klinik

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Bei der allergischen Rhinokonjunktivitis können folgende Symptome auftreten:

  • behinderte Nasenatmung
  • Nießattacken
  • Fließschnupfen
  • nasaler Juckreiz
  • Rötung und Fremdkörpergefühl der Konjunktiven
  • Juckreiz und Brennen der Augen

Beachte: typisch für die Hausstaubmilbenkotallergie ist folgende Kombination: verstopfte Nase nachts + Nießanfälle morgens


Therapie

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Die Behandlung der allergischen Rhinokonjunktivitis umfasst folgende Aspekte [7; 8]:

Allgemeine Hinweise:

  • Meiden auslösender und verschlimmernder Allergene
  • bei Hausstaubmilbenallergie: Encasing und Sanierung der Wohnräume
  • bei saisonalen Beschwerden: Wechsel des Klimas, z.B. Hochgebirge / maritimes Klima

Medikamentöse Prophylaxe (sofern Expositionsprophylaxe nicht möglich): 

  • Antihistaminikum, z.B. Cetirizin Tbl. oral, 2.-12. LJ: < 30kg: 5mg abends, >30kg: 10mg abends; >12. LJ: 10mg abends
  • Antileukotrien, z.B. Montelukast Tbl. oral, 2.-6. LJ: 1x 4mg abends, 6.-14. LJ: 1x 5mg abends

Medikamentöse Therapie:

  • systemische Glukokortikoid-Gabe,z.B. Prednisolon Tbl. oral, initial 5-10mg/kgKG/ED, dann 2-5mg/kgKG/d in 1-3 ED
  • topische Steroide: z.B. bei Kindern <4. LJ.: 2x 2 Sprühstöße a 0,025mg/d

Spezifische Immuntherapie [9]:

  • Hyposensibilisierung: SIT (Spezifische Immuntherapie) bzw. SLIT (Spezifische sublinguale Immuntherapie) mit klinisch nachgewiesener Wirksamkeit: Verminderung der Beschwerden, Senkung des Pharmakaverbrauchs; der Ausbildung neuer Allergien sowie des "Etagenwechsels" wird entgegengewirkt

Komplikationen

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Bei der allergischen Rhinokonjunktivitis können folgende Komplikationen vorkommen:

  • bakterielle / virale Infektionen: Rhinosinusitis, Rhinopharyngitis, Bronchitis, Otitis media, Konjunktivitis
  • Nasenpolypen
  • Hyperplasie der Nasenmuscheln
  • hyperreagibles Bronchialsystem
  • bronchiale Obstruktion und allergisches Asthma bronchiale
  • anaphylaktischer Schock bzw. Vorstufen
  • Ausweitung der allergischen Reaktion auch auf andere Allergene

Zusatzhinweise

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Zusatzhinweise zur allergischen Rhinokonjunktivitis:

  • Bei der Bewertung der auslösenden Allergene spielen in erster Linie Anamnese und Pricktest in Kombination die herausragende Rolle
  • der spezifische IgE-Antikörper kann positiv sein, ohne dass eine klinische Relevanz vorliegt

Literaturquellen

Allergische Rhinokonjunktivitis

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  1. (2007) Mayatepek E - Pädiatrie - Elsevier, Urban & Fischer
  2. (2006) Sitzmann F C - Duale Reihe - Pädiatrie -  - Thieme
  3. (2008) Kiess W, Merkenschlager A, Pfäffle R, Siekmeyer W - Therapie in der Kinder und Jugendmedizin- Elsevier, Urban & Fischer Verlag
  4. (2006) Trautmann A - Allergiediagnose, Allergietherapie - Thieme
  5. (2007) Ring J - Angewandte Allergologie - Urban & Vogel Verlag
  6. (2005) Arnold W, Ganzer U - Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde - Thieme
  7. (2009) AWMF-Leitlinie - Allergieprävention - Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAKI)
  8. (2008) AWMF-Leitlinie - Rhinosinusitis - Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
  9. (2009) AWMF-Leitlinie - Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei IgE vermittelten allergischen Erkrankungen - Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAKI)

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