Akute Zystitis in der Schwangerschaft

Synonyme: Cystitis in der Schwangerschaft, Blasenentzündung in der Schwangerschaft, Harnblasenentzündung in der Schwangerschaft, Harnblasenaffektion in der Schwangerschaft

Definition

Akute Zystitis in der Schwangerschaft

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Die akute Zystitis ist eine Entzündung der Harnblase infolge einer aszendierenden Infektion durch Bakterien (v.a. E. coli), seltener durch Pilze oder Viren.

unkomplizierte Zystitis:

als solche definiert, wenn im Harntrakt keine relevanten Anomalien, keine relevanten Nierenfunktionsstörungen und keine relevanten Begleiterkrankungen vorhanden sind. [2]

Auch in der Schwangerschaft kann bei Fehlen dieser Faktoren meist von einer unkomplizierten Zystitis ausgegangen werden [2]

komplizierte Zystitis:

einer oder mehrer der folgenden Faktoren liegen vor:

  • Diabetes mellitus
  • Immunsuppression
  • Anatomische Fehlbildungen
  • Hospitalisierung
  • Katheter
  • Operation/Manipulationen an den Harnwegen
  • Pyelonephritis
  • > 7 Tage persistierende Symptome [1]

rezidivierende Zystitis:

bei 5-10% der Frauen, definiert als mehr als 3
Harnwegsinfekte/Jahr oder mehr als 2 HWI/Halbjahr
[1]


Ätiologie

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Die Ursachen der akuten Zystitis sind

Bakterielle Erreger:

  • Haupterreger E-Coli (60-80% )
  • Proteus: ca. 10%  (verbunden mit Steinbildung)
  • Klebsiella: ca. 5% (Multiresistenz)
  • Pseudomonas: ca.7% (Nosokomial, Multiresistenz)
  • Enterococcus: ca. 10-20% (Häufig bei Nierentransplantation)
  • Stahpylococcus saprophyticus
  • Candida albicans

Physiologie inder Schwangerschaft:

  • GFR und Nierendurchblutung + 30-40% => Verdünnung des Urins, Reduktion infektionshemmender Substanzen
  • verminderter Tonus der Urethra => Keimaszension

Risikofaktoren für Zystitiden in der Schwangerschaft:

  • Harnwegsinfektionen in der Anamnese
  • Niedriger Sozial- und Ausbildungsstatus
  • Chlamydieninfektion in der Anamnese
  • Sichelzellanämie
  • Adipositas

generelle Risikofaktoren:

  • Betroffen sind v.a. Kinder und junge Frauen (kurze Harnröhre)
  • Im höheren Alter sind Männer ähnlich häufig betroffen (Prostatavergrößerung engt Harnröhre ein -> Störung des Harnabflusses ->  Keimbesiedelung)
  • Diabetes mellitus, Immunsuppression
  • Verwendung von Spermiziden
  • Häufiger Geschlechtsverkehr ("Honeymoon cystitis")
  • Blasenkatheter

Epidemiologie

Akute Zystitis in der Schwangerschaft

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Epidemiologie der akuten Zystitis in der Schwangerschaft:

  • kommt bei 5% der Schwangeren vor [1]
  • kann unbehandelt in bis zu 40% zu einer Pyelonephritis führen [1]

Epidemiologie der akuten Zystitis generell:

  • eine der häufigsten Infektionskrankheiten bei Frauen
  • 50-70% der Frauen mindestens einmal im Leben betroffen [1]
  • In einer prospektiven Studie in den USA lag die Inzidenz einer Harnwegsinfektion bei Studentinnen bei 0,7 pro Patient und Jahr [2]

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Zur akuten Zystitis sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Beschwerden beim Wasserlassen (Schmerzen, erschwertes Wasserlassen, häufige Frequenz, nächtliches Wasserlassen)?
  • Inkontinenz neu oder verstärkt?
  • Blut im Urin?
  • Schmerz in der Blasengegend?
  • Trübung des Urins?
  • Fieber?
  • Entzündungen der Blase in der Vergangeheit?
  • Vaginaler Ausfluß?
  • Allgemeines Krankheitsgefühl?
  • Geschlechtsverkehr?
  • Verhütungsmethode mit Scheidendiaphragmen und Spermiziden?
  • Anatomische Besonderheiten? Funktionseinschränkungen? 
  • Diabetes mellitus?
  • Antibiotikaeinnahme vor 2-4 Wochen?
  • früheres Steinleiden?
  • Partner mitbetroffen (DD z.B. Gonorrhoe)?
  • Medikamenten-Einnahme?

Diagnostik

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In der Schwangerschaft sollte zur Diagnostik der akuten Zystitis angewandt werden:

  • Anamnese
  • klinische Symptomatik
  • körperliche Untersuchung
  • Teststreifen
  • Urinkultur  und nach Antibiose eine weitere Urinkultur zur Verifizierung der Eradikation angelegt werden.

Befunde:

  • Streifentests: Nachweis der Leukozyten-Esterase und damit indirekt einer Pyurie. Hohe Sensitivität bei niedriger Spezifität, positiver Vorhersagewert nur 50%. Nachweis von Nitrit: sehr spezifisch, aber wenig sensibel, da nur bei Nitratreduktase-produzieren Bakterien positiv (z.B. nicht bei Pseudomonas, Enterokokken), ausserdem braucht man eine ausreichend lange Verweildauer des Urins (>4h) in der Blase. Nachweis von Blut: sehr sensitiv, wenig spezifisch.
  • Zystitis wahrscheinlich, wenn:
  • Leukozyten und Nitrit positiv sind oder
  • nur Nitrit positiv ist oder
  • Leukozyten und Blut positiv sind
  • Urikult: Anzucht von Baktieren aus Patientenurin. Die signifikante Keimzahl wird derzeit kontrovers diskutiert, bei Reinkulturen können bereits Erregerzahlen von 10³ bis 10 hoch 4 signifikant sein, bei Urin aus suprapubischen Blasenableitungen bereits 10² [1,2].

evtl. zusätzlich:

  • Sonographie: primäre bildgebende Diagnostik zur Abklärung von Restharn, anatomischer Anomalien etc.

Klinik

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Die akute Zystitis in der Schwangerschaft kann eines oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Miktionsbeschwerden: Dysurie, Pollakisurie, Blasen-Tenesmen, Nykturie
  • Unterbauchbeschwerden
  • evtl. Makrohämaturie, Pyurie
  • Trübung des Urin, Geruch des Urins
  • Suprapubischer Schmerz
  • Vorhandene oder verstärkte Inkontinenz
  • Fieber
  • Allgemeines Krankheitsgefühl

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei akuter Zystitis in der Schwangerschaft umfassen folgendes:

Dauer der Antibiose sieben Tage [1,2]

Auch asymptomatische Bakteriurien sollten antibiotisch behandelt werden [2]

Mittel der 1. Wahl:

Wenn keine andere Antibiose möglich ist, können erwogen werden (cave UAW!):

  • Aminoglykoside: nur bei vitalen Indikationen unter Kontrolle der Serumspiegel, da oto- und nephrotoxisch
  • Fluorchinolone: tierexperimentelle Hinweise auf mögliche Knorpelschäden, bisher aber beim Menschen nicht beobachtet
  • Nitrofurantoin: im letzten Trimenon besteht die Gefahr der hämolytischen Anämie beim Neugeborenen
  • Sulfonamide (in Cotrimoxazol): Können zu erhöhten Bilirubinwerten beim Neugeborenen führen, wenn kurz vor der Entbindung appliziert. Sie sollten deshalb im letzten Trimenon vermieden werden.
  • Tetrazykline: Sind ab der 16. Schwangerschaftswoche kontraindiziert, ev. Störungen der Zahnschmelz- und Knochenentwicklung
  • Trimethoprim (in Cotrimoxazol): Kann zu Folsäuremangel beim Föten führen, sollte daher im ersten Trimenon vermieden werden. [2]

Komplikationen

Akute Zystitis in der Schwangerschaft

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Als Komplikationen einer akuten Zystitis können auftreten:
  • hämorrhagische Zystitis
  • Aszendierende Infektion mit Pyelonephritis
  • Urosepsis
  • Tod

Zusatzhinweise

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evtl. besteht ein Zusammenhang zwischen Zystitiden in der Schwangerschaft und dem Auftreten einer Präeklampsie; relative Risikoerhöhung von 57% [2]

Literaturquellen

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  1. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), AWMF-Leitlinien-Register Nr. 015/009 -
    Harnwegsinfekt der Frau
  2. Leitlinien der Deutsche Gesellschaft für Urologie
    (DGU) federführend - Epidemiologie, Diagnostik, Therapie und Management unkomplizierter bakterieller ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten, S-3 Leitlinie AWMF-Register-Nr. 043/044 Harnwegsinfektionen
  3. (2009) Straus A, Janni W, Maass N - Klinikmanual Gynäkologie und Geburtshilfe - Springer Medizin Verlag
  4. (2008) Goerke K, Steller J, Valet A - Klinikleitfaden Gynäkologie / Geburtshilfe - Urban und Fischer Verlag, Elsevier
  5. (2007) Stauber M, Weyerstahl T - Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme
  6. (2007) Breckwoldt M, Kaufmann M, Pfleiderer A - Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme
  7. (2006) Kiechle M - Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer Verlag
  8. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
  9. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer Verlag

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