Akute toxische Kontaktdermatitis

Synonyme: Akutes toxisches Kontaktekzem, Akute nichtallergische Kontaktdermatitis

Definition

Akute toxische Kontaktdermatitis

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Die akute toxische Kontaktdermatitis ist eine akute nichtimmunologische morphologisch durch die Ekzemreaktion (Erythem, Bläschen, Exsudation, Papeln, Schuppen, Exsikkation) charakterisierte entzündliche Intoleranzreaktion der Haut gegen Schädigung der Epidermis durch (meist) exogen einwirkende, nichtinfektiöse, chemisch oder physikalisch wirkende obligate Noxen.


Ätiologie

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Die Ursachen der akuten toxischen Kontaktdermatitis sind:

  • akute nicht-immunologische Entzündungsreaktion der Haut auf eine obligat hautschädigende Noxe
  • direkte Hautschädigung
  • Kontakt mit irritierenden oder toxischen Noxen Akut: physikalische (UV, thermisch), chemische (Laugen, Säuren)
  • auch bei normaler Hautempfindlichkeit

starke Noxen wie Säuren und Laugen führen obligat sofort zu einer starken Hautschädigung

Abhängig ist die Entwicklung einer akuten toxischen Kontaktdermatitis bei weniger starken Noxen von:

  • Art der Noxe
  • Kombination aus verschiedenen Noxen
  • Menge der Noxe (Löslichkeit, Art und Dauer der Einwirkung
  • Körperregion (Gesicht, Hals, Genital, intertriginös empfindlicher)
  • Körpertemperatur (bei hohen Temperaturen heftiger)
  • Mechanische Faktoren wie Abreibung
  • Klimatische Bedingungen
  • Individueller Empfindlichkeit
  • Atopie begünstigt die Entstehung
  • Das sogenannte Hardening-Phänomen kann zu abnehmender Empfindlichkeit gegenüber einer Noxe führen
  • ethnischen Faktoren
  • Alter
  • Sonnenenpfindlichkeit, Hauttyp (Typ I und II sind empfindlicher)

[1; 5]

Die 3 häufigsten Formen der akuten toxischen Kontaktdermatitis sind:

  • Windeldermatitis
  • Handdermatitis (Hausfrauenhände)
  • Dermatitis bei Krankenhauspersonal

[7]


Epidemiologie

Akute toxische Kontaktdermatitis

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  • Die akute toxische Kontaktdermatitis zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen, sie ist häufiger als die allergische Kontaktdermatitis. [1]
  • Exposition erfolgt meist im Rahmen des Berufslebens, des Haushalts bzw. der Freizeit. [1]
  • Inzidenz für allergische und akute toxische Kontaktdermatitis in den Niederlanden: 7,9 pro 1000 Personenjahre [2]
  • Inzidenz in Großbritanien bei Niedergelassenen Ärzten: 1:1000 / Jahr [2]

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der akuten toxischen Kontaktdermatitis sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Seit wann?
  • Wo? (lokal begrenzt, symmetrisch)
  • Auslöser bekannt?
  • Kontaktstoffe? (Welche? flüssig, Granulat, fest, inhalative Stoffe wie Stäube...?)
  • Seit wann besteht Kontakt zu den Stoffen?
  • Juckreiz? Schmerzen?
  • Allgemeinbefinden? (bei sehr ausgedehntem Befund u.U. schlecht)
  • ggf. Berufsanamnese?
  • ggf. Atopie?

Diagnostik

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Ein sinnvoller Test zur direkten Diagnostik der akuten toxischen Kontaktdermatitis ist nicht bekannt [2]

Zur diagnostischen Abklärung der akuten toxischen Kontaktdermatitis sind relevant:

Anamnese:

  • typische Berufsanamnese: Kontakt zu potentiell schädigenden Stoffen, Stäuben
  • Noxe oft bekannt, schon verdächtigt

Klinik sehr variabel:

  • hell- bis dunkelrote Erytheme
  • Pusteln, Quaddeln
  • Schuppung, Krusten
  • Einblutungen
  • Hautveränderungen ausschließlich lokal, scharf begrenzt, meist symmetrisch
  • meist brennender Schmerz, Juckreiz

Nach Abheilung ggf. weitere Diagnostik

  • Epikutantest mit den in Frage kommenden standardisierten Allergenen sowie mit Nativstoffen nach Anamnese. Die Ablesung erfolgt nach 48 h und 72 h
  • Histologie (oft unspezifisch), Zeichen einer akuten Entzündung [1]

Klinik

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Die akute toxische Kontaktdermatitis kann eines oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • abhängig von Art und Intensität der Noxe
  • scharf begrenzte hell- bis dunkelrote Erytheme an der Kontaktstelle
  • meist symmetrisch
  • nässende Makulae und Bläschen
  • Erosion, Schuppen- und Krustenbildung
  • Einblutungen
  • keine Streuphänomene 
  • Brennen, Schmerzen, nur wenig Juckreiz
  • evtl. Blasen, Nekrosen, Narben
  • entwickeln sich innerhalb von Minuten bis Stunden

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei akuter toxischer Kontaktdermatitis umfassen folgendes:

Allgemeinmaßnahmen:

  • Kontaktnoxe beseitigen (u.U. auch durch Waschen,Baden), dies führt zur Abheilung
  • hydratisierende Pflegepräparate, Pflegeaufklärung [2]

Lokaltherapie

  • Topische antiphlogistische Therapie
  • Mometasonfuorat, v.a. bei nässenden Hautveränderungen feuchte Umschläge mit 0,9 % NaCl) [5]
  • bei Superinfektion: Chinosol 1:1000 oder Kaliumpermanganat [5]

Systemische Therapie bei akuter toxischer Kontaktdermatitis:

  • nur bei sehr ausgeprägtem Befund!
  • systemische Glukokortikoide, z.B. Prednisolon zu Beginn 50-150 mg, rasche Dosisreduktion [5]
  • Antihistaminika bei starkem Juckreiz: Dimetinden i.v. oder orale Antihistaminika
  • Analgetika bei Bedarf

Komplikationen

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Zu den Komplikationen der akuten toxischen Kontaktdermatitis zählen:

  • postinflammatorische Hypo- oder Hyperpigmentierungen
  • bei einigen toxischen Substanzen muss eine Schädigung innerer Organe ausgeschlossen werden!
  • Superinfektionen

Zusatzhinweise

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Zu der akuten toxischen Kontaktdermatitis liegen derzeit keine weitere Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

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  1. (2005) Braun-Falco O, Plewig G, Wolff HH, Burgdorf WHC, Landthaler M  – Dermatologie und Venerologie – Springer, Heidelberg
  2. http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/013-055.htm
  3. (2009) Rassner G - Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  4. (2009) Fritsch P - Dermatologie und Venerologie für das Studium - Springer
  5. (2003) Altmeyer P - Klinikleitfaden Dermatologie - Urban und Fischer
  6. (2003) Jung E, Moll I - Dermatologie - Thieme, Duale Reihe
  7. (2010) Sterry W., Burgdorf W., Paus R. - Checkliste Dermatologie - Thieme

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