Aktinomykose

Synonyme: Strahlenpilz

Definition

Aktinomykose

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Die Aktinomykose stellt eine, meist durch Actinomyces israelii ausgelöste, Infektionskrankheit dar.

Die Aktinomykose ist gekennzeichnet durch Bildung derber, entzündlicher Knoten und Infiltrationen, Fistelbildungen und subkutaner Abszessbildung mit serös-eitrigem Inhalt, welcher die typischen Aktinomycesdrusen enthält.


Ätiologie

Aktinomykose

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Die Aktinomykose wird verursacht durch den Erreger:

  • Actinomyces israelii: grampositives Bakterium, nicht säurefest, anaerob,                                Keim der normalen Standortflora im Mund-Rachen-Raum und sporadisch auch im Darm    

Es kommt zu endogenen Infektionen unter Beteiligung anderer Bakterien. Mischinfektionen mit Staphylokokken, Streptokokken, Pseudomans aeruginosa, Fusobakterien, Actinobacillus actinomycetemcomitans sind häufig. [6;1]


Epidemiologie

Aktinomykose

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Die Aktinomykose charakterisiert sich durch weltweites Auftreten. [4]
Sie kommt häufiger bei Land- als bei Stadtbevölkerung vor. [4]

Risikofaktoren für eine Aktinomykose stellen dar:

  • kariöse Zähne
  • Operationen am Darm
  • Tier- und Menschenbisse
  • langliegende Diaphragmen

Differentialdiagnosen

Aktinomykose

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Anamnese

Aktinomykose

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Bei der Aktinomykose sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Seit wann?
  • Entwicklung?
  • Infektionsquelle bekannt / schlechte Mundhygiene?
  • vor Kurzem operiert worden?
  • vor Kurzem gebissen worden?
  • Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust? (Bei abdominaler Aktinomykose)
  • Husten, Auswurf, Schmerzen beim Atmen? (Bei thorakaler Aktinomykose)
  • Ulzerationen?
  • Lokale Hyperthermie?

Diagnostik

Aktinomykose

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Zur diagnostischen Abklärung der Aktinomykose sind relevant:

Anamnese:

  • Bissverletzung?
  • vorangegangene Operationen im Abdominalbereich?

Klinischer Befund

Bakterieller Abstrich/Labor:

  • unter reduziertem Sauerstoff kulturelle Anzüchtung auf Hirn-Herz-Dextrose-Agar

Histologie:

  • Nachweis der charakteristischen Drusen (schwefelgelbe Granula = Bakterienhaufen)[1]   PAS-pos. Eiterbestandteile [6]

Klinik

Aktinomykose

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Man unterscheidet bei der Aktinomykose drei klinische Formen, je nach Eintrittspforte:

Zervikofaziale Aktinomykose:

  • häufigste Form: 50% aller Infektionen
  • Eintrittspforte Zahnfleisch, Mundboden, Wangenschleimhaut oder Unterkiefer
  • Erst brettharte, entzündliche Indurationen, dann Anschwellung der Wangenregion
  • Entstehung sek. Hautaktinomykosen
  • frühzeitiger Knochenbefall: Osteomyelitis
  • Entzündliche Infiltrate
  • auf Druck u.U. Eiterentleerung
  • Blaurote Verfärbung
  • Hypertherm 
  • Kleine Ulzerationen
  • keine Lymphknotenbeteiligung!
  • Sekret mit kleinen, gelben Körnchen = Actinomycesdrusen

Abdominale Aktinomykose:

  • Nach operativer Versorgung, Entzündungen oder Trauma
  • Intraabdominelle Tumormasse
  • Psoasabzess häufig: Hohes Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß
  • Sek. Hautbeteiligung
  • Sonderform: pelvine Aktinomykose

Thorakale Aktinomykose:

  • Bei Lungenbefall nach Aspiration
  • Hustenreiz, Pleuraschmerzen, Auswurf
  • Abszedierende Fistelgänge - Hautbeteiligung 

Therapie

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Die Therapie der Aktinomykose muss chirurgisch UND systemisch erfolgen!

Die therapeutischen Möglichkeiten bei der Aktinomykose umfassen folgendes:

Chirurgische Behandlung:

  • Inzidieren und drainieren der Abszesse
  • Exzision chronisch-fibrotischen Gewebes

Systemische Behandlung mit:

  • Resistenzbestimmung und Antibiogramm!
  • Zervikofaziale Form: Amoxicillin 30 mg/Clavulansäure 3 mg/kg KG 3x/d über 2 Wochen [1]
  • bei Penicillinallerie: Clindamycin/Tetrazykline

Komplikationen

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Typische Komplikation der Aktinomykose ist:

  • Osteomyelitis bis hin zum Tod
  • Fistelbildungen
  • entstellende Veränderungen

Zusatzhinweise

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Zu der Aktinomykose liegen derzeit keine weitere Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

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  1. (2010) Sterry W, Paus R - Checkliste Dermatologie - Georg Thieme Verlag, Stuttgart
  2. (2009) Rassner G - Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  3. (2009) Fritsch P - Dermatologie und Venerologie für das Studium - Springer
  4. (2005) Braun-Falco O, Plewig G, Wolff HH, Burgdorf WHC, Landthaler M - Dermatologie und Venerologie - Springer, Heidelberg
  5. (2010) Jung E, Moll I - Dermatologie - Thieme, Duale Reihe
  6. (2003) Altmeyer P., Dirschka Th., Hartwig R. - Klinikleitfaden Dermatologie - Urban & Fischer

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