Aktinische Keratose

Synonyme: Keratosis actinica, Keratosis senilis, senile Keratose, Lichtkeratose, Keratosis solaris, Keratoma senile

Definition

Aktinische Keratose

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Bei der aktinischen Keratose handelt es sich um eine therapiebedürftige Präkanzerose (Carcinoma in situ bzw. Plattenepithelkarzinom der Epidermis), welche bei hoher UV-Belastung an der Haut entsteht. Bei der aktinischen Keratose liegen auf die Epidermis beschränkte Proliferationen transformierter Keratinozyten vor [1].


Ätiologie

Aktinische Keratose

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  • Die aktinische Keratose wird verursacht durch hohe UV-Lichtexposition, die die Zellen der Haut entarten lässt und zu einer gesteigerter Proliferation der atypischen Zellen führt. Insbesondere helle Hauttypen sind an den lichtexponierten Stellen (v.a. Gesicht, Kopfhaut, Ohren, Handrücken) regelmäßig betroffen.
  • Da die Summe der UV-Belastung eine tragende Rolle in der Genese spielt, finden sich aktinische Keratosen v.a. in hohem Lebensalter.

Epidemiologie

Aktinische Keratose

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Die aktinische Keratose ist eine häufige, meist ab dem 50. Lebensjahr multipel auftretende Präkanzerose der Haut mit 20-25 % Entartungswahrscheinlichkeit (Übergang in ein invasives Plattenepithelkarzinom).

  • Männer, Menschen mit hellen Hauttypen und Immundefiziente sind häufiger betroffen.
  • Die Inzidenz steigt mit kumulativer UV-Dosis.
  • Beim Albinismus beobachtet man oft ein früheres Auftreten der Erkrankung (auch der Plattenepithelkarzinome).
  • Entscheidenden Einfluss hat der UV-Schutz (Sonnenschutz durch Kleidung/Verhalten bzw. Sonnenschutzpräparate).

Differentialdiagnosen

Aktinische Keratose

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Anamnese

Aktinische Keratose

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Bei den aktinischen Keratosen sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Viel Aufenthalt im Freien? (Berufsanamnese - Landwirt, Gärtner, Arbeit auf dem Bau, etc.?)
  • Vorangegangene Therapien?
  • Wiederauftreten nach "Abkratzen" der Hautveränderungen?
  • Viele Wochen oder Monate bestehend?
  • Progredienz?
  • Blutung beim Entfernen der Herde?

Diagnostik

Aktinische Keratose

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Zur diagnostischen Abklärung der aktinischen Keratose sind relevant:

  • Anamnese
  • Klinisches Bild
  • Probeentname und Histologie (tang. Exzision bzw. Stanzbiopsie je nach klinischem Bild)
  • Vorangegangene Therapien können Hinweise zum weiteren therapeutischen Vorgehen geben.

Klinik

Aktinische Keratose

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Die aktinische Keratose kann klinisch sehr unterschiedlich imponieren (siehe auch Differentialdiagosen):

  • Verhornte Erhebungen, die beim Entfernen bluten und nach kurzer Zeit an gleicher Stelle wieder auftreten
  • Cornu cutanea: Stachelartige Hyperkeratose als Sonderform der aktinischen Keratose
  • Prädilektionsstellen sind lichtexponierte Stellen also Handrücken und Gesicht: v.a. Stirn, Glatze, Nase, Ohrmuschel, Wangen und Unterlippe
  • An der Unterlippe meist rascherer Übergang in ein invasives Plattenepithelkarzinom (Lippenkarzinom)

Therapie

Aktinische Keratose

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Da die aktinische Keratose in 10 Prozent der Patienten in ein invasives Plattenepithelkarzinom übergehen kann und zudem ein Carcinoma in situ darstellt, ist eine Behandlung indiziert [1]:

  • Tang. Exzision oder Exzision mit histologischer Sicherung als Therapie der Wahl
  • Kürrettage mit und ohne Elektrodesikkation
  • Bei schlechter Einschätzbarkeit (aktinische Keratose oder invasive Plattenepithelkarzinom) kann eine Stanzbiopsie durchgeführt werden
  • Kryotherapie (physikalisch destruierendes Behandlungsverfahren; Sprüh- oder Kontaktverfahren) insbesondere bei einzelnen Herde. Jedoch: relativ häufig Hypo- und Hyperpigmentierungen, selten Narbenbildung.
  • Diclofenac-Hyaluronsäure in Gelform kann bei mehreren aktinischen Keratosen auf größerer Fläche z.B. am Capillitum oder an der Stirn eingesetzt werden (Anwendung 90 Tage 2x täglich); es sollte flächig und dünn angewendet werden und nicht zu einer stärkeren Rötung/Reizung führen bzw. keine Beschwerden verursachen; das Gel kann die Haut austrocknen; parallel ist die Anwendung eines Pflegepräparates insbesondere bei trockener Haut zu empfehlen; Verlaufskontrolle nach den ersten 2 Wochen sowie nach Therapieende sinnvoll. Verbleibende Herde müssen einer anderen Therapieform zugeführt werden (z.B. Imiquimod oder operative Entfernung mit Histologie).
  • Imiquimod als Creme wird häufig und erfolgreich bei aktinischen Keratosen eingesetzt (Anwendung: 3x wöchentlich lokal auf die einzelnen Herde über 4 Wochen, ggf. 8 Wochen); Imiquimod bewirkt nach Rezeptorbindung eine Induktion von Zytokinen, die vor allem die zelluläre Immunität steigern und auf diese Weise antivirale und antitumorale Eigenschaften besitzen; Pat. ist auf die Entzündungsreaktion hinzuweisen (Compliance); klinische Kontrollen nach Therapieabschluss sowie im Verlauf sinnvoll und wichtig.
  • Lasertherapie (bei einzelnen Läsionen häufig eingestetzt mit einer Heilungsrate zwischen 90 und 100 Prozent); CO2-Laser oder Erbium-YAG-Laser.
  • 5-Fluorouracil (Interferenz mit der Synthese von DNS wie RNS); seit vielen Jahren etabliertes Verfahren; derzeit nur 5%ige Zubereitung zur topischen Anwendung in D erhältlich; 2x täglich auf die betroffenen Areale anzuwenden für 2-4 Wochen;
  • Chemisches Peeling: Trichloressigsäure, hochprozentige Alpha-Hydroxy-Säuren, Phenol, Zinkchlorid (alle off-label-Use); ist therapeutische Alternative bei ausgedehnten aktinischen Keratosen im Gesichtsbereich sowie bei geringer Compliance [1]
  • Photodynamische Therapie (selektive Destruktion von epidermal und dermal gelegenen Tumorzellen mit einer Tiefenwirkung von 3-4 mm); z.B. mit Methyl-5-amino-4-oxopentanoat-hydrochlorid (MAOP) oder 5-Aminolävulinsäure (ALA) wird als Photosensibilisator auf die betroffene Stellen aufgetragen und für ca. 3 Stunden belassen. Es häuft sich selektiv in Tumorzellen an und wird anschließend mit Licht der Wellenlänge 570-670 nm bestrahlt (Gesamtlichtdosis: 75J/cm² an der Läsionsoberfläche). Erfolgraten: 70-78% bei MAOP-PDT bei einer Anwendung sowie 90% bei einer zweiten Anwendung nach 2 Wochen
  • Retinoide
  • Röntgen-Weichstrahltherapie nur in gut begründeten Einzelfällen; insbesondere bei sehr alten Patienten, die duch operative und andere Maßnahmen nicht hinreichend behandelt werden können

Komplikationen

Aktinische Keratose

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  • Bei etwa 10% aller Patienten mit aktinischen Keratosen wird im Verlauf ein invasives Plattenepithelkarzinom beobachtet [1]
  • Bei etwa 30% der Patienten mit zusätzlicher Immunsuppression wird im Verlauf ein Plattenepithelkarzinom beobachtet [1]

Zusatzhinweise

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  • Aktinische Keratosen bleiben oft jahrelang bestehen. Es besteht jedoch die Möglichkeit der spontanen Rückbildung (meist unter strengem UV-Schutz durch Lichtschutzpräparaten).
  • Sonnenschutz der Haut, z.B. die Anwendung hochwirksamer UVA/UVB-Sonnenfilter oder entsprechende Bekleidung beugt der Ausbildung aktinischer Keratosen vor. 

Literaturquellen

Aktinische Keratose

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  1. (2004) Leitlinie Aktinische Keratose der Arbeitsgemeinschaft der Dermatologische Onkologie.
  2. (2007) Petres, Rompel - Operative Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Springer
  3. (2009) Rassner G - Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  4. (2009) Fritsch P - Dermatologie und Venerologie für das Studium - Springer
  5. (2007) Altmeyer P - Dermatologische Differenzialdiagnose, Der Weg zur klinischen Diagnose - Springer
  6. (2005) Braun-Falco O, Plewig G, Wolff HH, Burgdorf WHC, Landthaler M - Dermatologie und Venerologie - Springer, Heidelberg
  7. (2003) Jung E, Moll I - Dermatologie - Thieme, Duale Reihe

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