Adenovirusinfektion

Definition

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Adenoviren sind DNA-Viren, die akute respiratorische Erkrankungen (v.a. im Kindesalter) sowie gastrointestinale und ophthalmologische Erkrankungen verursachen können. Es gibt 51 Serotypen, die für Erkrankungen beim Menschen verantwortlich gemacht werden.


Ätiologie

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Zur Ätiologie der Adenovirus-Infektion:

  • Übertragungswege: Tröpfchen- und Schmierinfektionen
  • Grund sind oft schlechte hygienische Bedingungen

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der Adenovirus-Infektion:

  • oft infizieren sich schon Säuglinge und Kleinkinder mit dem Virus
  • Adenoviren verursachen 5 - 8% der akuten respiratorischen Erkrankungen im Kindesalter
  • bei Kleinkindern sind Adenoviren die zweithäufigste Ursache für Diarrhoe nach den Rotaviren [3]
  • die durch Adenoviren ausgelöste hämorrhagische Zystitis kommt überwiegend bei männlichen Patienten vor

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Folgende Hinweise bei einer Adenovirus-Infektion sind von Bedeutung:

  • Welche Beschwerden bestehen? Seit wann?
  • Halsschmerzen? Schluckbeschwerden?
  • Husten?
  • Luftnot?
  • Schnupfen?
  • rote Augen? Fremdkörpergefühl?
  • Ohrenschmerzen?
  • fasst sich das Kind oft ans Ohr?
  • Durchfall?
  • Brennen beim Wasserlassen?
  • trinkt das Kind ausreichend?
  • Fieber? Erbrechen?
  • Gliederschmerzen? Kopfschmerzen?
  • Grunderkrankungen bekannt? Immunschwäche?
  • wurde das Kind regelrecht nach STIKO-Empfehlungen geimpft?
  • Kinderkrankheiten gehabt?
  • Allergien bekannt?
  • Kontakt zu (Haus)tieren?
  • Werden Medikamente eingenommen?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung einer Adenovirus-Infektion sind relevant:

  • Anamnese
  • körperliche Untersuchung:
  • Inspektion: Rachen gerötet? Sekretion? Augen gerötet? Tonsillitis? Petechien? Exanthem?
  • Auskultation und Perkussion der Lunge: trockene oder feuchte Rasselgeräusche? In- oder exspiratorisch?
  • Inspektion, Auskultation, Palpation und Perkussion des Abdomens: geblähtes Abdomen? Hyperperistaltik?
  • Palpation der Lymphknoten
  • Nackensteifigkeit ausschließen
  • evtl. Labor: Differential-BB, CRP, BSG, ggf. Blutkulturen, ggf. Antikörpernachweis
  1. Virusinfekt: Leukopenie oder geringe Leukozytose ohne Linksverschiebung, CRP oft normal
  2. Bakterieller Infekt: Leukozytose mit Linksverschiebung, CRP oft erhöht
  • evtl. Erregernachweis mit Rachenabstrich oder -spülwasser, Bindehautabstrich, Stuhlprobe, Urinprobe
  • evtl. Röntgen-Thorax in 2 Ebenen: zum Ausschluss der Differentialdiagnosen (insbesondere der Pneumonien)

Klinik

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Das Adenovirus kann für eines oder mehrere der folgenden Symptome verantwortlich sein:

akute respiratorische Erkrankungen:

  • Pharyngitis mit wässrigen Bläschen am weichen Gaumen
  • Pneumonie mit Husten
  • pharyngokonjunktivales Fieber = Pharyngitis und Konjunktivitis

Keratokonjunktivitis epidemica:

  • gefürchtete, z.T. iatrogen bedingte Infektion
  • Fremdkörpergefühl, Juckreiz, Brennen, Ödem und Photophobie
  • Konjunktiva weist große Follikel und Pseudomembranen auf
  • begleitende präaurikuläre Lymphadenopathie
  • Hornhautkomplikationen bei Kindern seltener als bei Erwachsenen

Gastrointestinale Infektionen:

  • Diarrhoe
  • Assoziationen mit einer Darminvagination und einer Appendizitis sind bekannt

Zystitis:

  • meist als hämorrhagische Zystitis bei Jungen
  • selten chronische Harnwegsinfektionen

Die Inkubationszeit einer Adenovirusinfektion beträgt 3-10 Tage.


Therapie

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Therapiemöglichkeiten bei Infektionen mit dem Adenovirus:

  • symptomatische Therapie: Heißgetränke, Inhalation mit Kochsalzlösungen, Sekretolytika bzw. Mukolytika oder Antitussiva, ggf. fiebersenkende Medikamente (z.B. Paracetamol)
  • z.B. Paracetamol oral, jeweils bis zu 4x tgl.: 125 mg (<1. LJ), 250 mg (1.-6. LJ), 500 mg (>6. LJ)
  • ggf. Atemgymnastik, Atemtherapie
  • bei Zystitis: viel trinken

Es gibt keine spezifische antivirale Therapie. Bei Augeninfektionen ist eine antibiotische Therapie zur Vermeidung bakterieller Superinfektionen angezeigt [3].


Komplikationen

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Komplikationen einer Adenovirus-Infektion:

  • obstruktive Bronchitis
  • subglottische Laryngitis
  • bakterielle Superinfektion
  • Pneumonie mit akuter respiratorischer Insuffizienz
  • Lungenabszess
  • Fieberkrampf
  • chronische Harnwegsinfektionen
  • hämorrhagische Zystitis
  • Hepatitis
  • disseminierte Infektionen [3]
  • Diarrhoe mit Exsikkose
  • Darminvaginationen
  • Appendizitis
  • Meningoenzephalitis
  • Nummuli der Hornhaut

Zusatzhinweise

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Zusatzhinweise für Adenoviren:

Beachte: hohe Umweltresistenz von Adenoviren: durch Desinfektionsmittel nur schwer zu inaktivieren, Gefahr der nosokomialen Infektion!

Prophylaxe: Regeln der Hygiene beachten!


Literaturquellen

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  1. (2009) Muntau A C - Intensivkurs Pädiatrie - Urban und Fischer
  2. (2000) Illing S, Spranger S - Klinkleitfaden Pädiatrie - Gustav Fischer Verlag
  3. (2005) Kayser F H, Böttger E C, Zinkernagel R M, Haller O, Eckert J, Deplazes P - Medizinische Mikrobiologie - Thieme
  4. (2008) AWMF-Leitlinie - Husten - Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
  5. (2009) AWMF-Leitlinie - Halsschmerzen- Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)

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