Abhängigkeit (flüchtige Lösungsmittel)

Synonyme: Sucht (flüchtige Lösungsmittel), Abhängigkeit von flüchtigen Lösungsmitteln

Definition

Abhängigkeit (flüchtige Lösungsmittel)

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  • Die Abhängigkeit von flüchtigen Lösungsmitteln ist gekennzeichnet durch chronisches Schnüffeln von organischen Lösungsmitteln aus einem Behälter (z.B. Plastiktüten).

Ätiologie

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Zur Ätiologie der Abhängigkeit von flüchtigen Lösungsmitteln gib es folgende Angaben:

geschnüffelte Substanzen:

  • Benzin, Petroleum, Tulole, Benzole, Dyethylether, Essigsäureester
  • Stoffe sind vorhanden in: Klebstoffverdünnern, Lackverdünnern, Reinigungsmitteln, Raumluftsprays, Deodorantien, Anästhetika
  • gilt als Einstiegsdroge und wird häufig mit härteren Substanzen kombiniert

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der Abhängigkeit von flüchtigen Lösungsmitteln liegen folgende Daten vor:

  • betrifft vor allem Jugendliche aus ärmeren Bevölkerungsschichten
  • 10% der 10 bis 25-Jährigen Deutschen haben Erfahrung mit  Inhalanzien
  • die meisten sind Kurzzeitkonsumenten, die wegen der Nebenwirkungen von selbst wieder aufhören

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Abhängigkeit von flüchtigen Lösungsmitteln sind folgende Informationen von Bedeutung:

Abhängigkeitsanamnese:

Waren drei oder mehr Kriterien während der letzten 3 Jahre gleichzeitig vorhanden?

  • starker Wunsch/Zwang psychotope Substanzen zu konsumieren
  • Beginn, Beendigung und Menge des Konsums waren unter verminderter Kontrollfähigkeit
  • es wurde ein körperliches Entzugssyndrom nachgewiesen
  • Nachweis einer Toleranzentwicklung
  • Vernachlässigung anderer Vergnügen oder Interessen, erhöhter Zeitaufwand die Substanz zu beschaffen, sie zu konsumieren oder sich von ihr zu erhohlen
  • anhaltender Substanzkonsum trotz Nachweis schädlicher Folgen 

die Anamnese bezüglich des Abhängigkeitsyndroms ist bei der Abhängigkeit von flüchtigen Lösungsmitteln positiv


Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Abhängigkeit von flüchtigen Lösungsmitteln sind relevant:

körperliche und neurologische Untersuchung:

  • hier sollte man besonders auf aromatischen Geruch in der Atemluft und auf der Kleidung achten
  • gerade bei chronischem/häufigen Konsum kommt es zu Hautreizungen perioral und perinasal

Labor:

  • Blutbild
  • Leberwerte

bei entsprechender Symptomatik:

  • CCT
  • EEG
  • EKG

Klinik

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Die Abhängigkeit von flüchtigen Lösungsmitteln kann u.a. folgende Symptome zeigen:

Rausch:

      Exitation:

  • Unruhe
  • Tachykardie
  • Erregung
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Euphorie

     Rauschstadium:

  • illusionäre Verkennung
  • Halluzinationen
  • Übergang in Schlaf

bei chronischem Konsum:

     Symptome:

  • Appetitstörungen
  • Gewichtsabnahme
  • zerebrale Krampfanfälle

      Folgekrankheiten:

  • Knochenmarksdepression 
  • Schäden an Leber und Niere
  • Optikusschäden
  • toxische Polyneuropathie
  • schwere zerebrale Leistungeinbußen - dementielle Abbauprozesse, zerebrale-zerebelläre Atrophie, axonale Degeneration, Gliose
  • schizophreniforme Psychosen

Therapie

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Bei den therapeutischen Möglichkeiten der Abhängigkeit von flüchtigen Lösungsmitteln ist Folgendes zu beachten:

  • abruptes Absetzen - leichter Entzug meist ohne körperliche Symptome
  • die Nachsorge ist besonders wichtig, weil die Substanzen leicht zugänglich sind

Komplikationen

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Bei der Abhängigkeit von flüchtigen Lösungsmitteln kommen folgende Komplikationen vor:

  • sudden sniffers death - Tod durch toxischen Herzkreislaufstillstand
  • Tod durch Ersticken bei Schnüffeln aus Plastiktüte
  • bei Intoxikation: Intubation bei bedrohten Vitalfunktionen, Magenspülung mit vorhergehender Paraffingabe

Zusatzhinweise

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  • Zur Abhängigkeit von flüchtigen Lösungsmitteln liegen derzeit keine weiteren Zusatzhinweise vor.

Literaturquellen

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1) J. Klingelhöfer, M. Rentrop - Klinikleitfaden Neurologie, Psychiatrie, 3. Auflage - Urban & Fischer, München/Jena 2003

2.) M. Rentrop, R. Müller,  J. Bäuml - Klinikleitfaden Psychatrie und Psychotherapie, 4.Auflage - Elsevier, München 2009

3.) S. Kasper, H. Volz - Psychatrie compact, 1. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart 2003

  • (2009) Klußmann R, Nickel M - Psychosomatische Medizin und Psychotherapie - Springer Verlag, Wien
  • (2009) Mentzos S - Lehrbuch der Psychodynamik - Verlag Vandenhoeck & Ruprecht/BRO
  • (2009) Janssen P, Joraschky P, Tress W - Leitfaden Psychosomatische Medizin und Psychotherap - Deutscher Ärzte Verlag
  • (2008) Rentrop M, Müller R, Bäuml J - Klinikleitfaden Psychiatrie und Psychotherapie - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  • (2007) Rudolf - Psychotherapeutische Medizin und Psychosomatik - Thieme
  • (2007) Arolt V, Reimer C, Dilling H - Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie - Springer
  • (2006) Fritzsche K, Wirsching M - Psychosomatische Medizin und Psychotherapie - Springer

Assoziierte Krankheitsbilder zu Abhängigkeit (flüchtige Lösungsmittel)

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik

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